Ruhe  und  Bewegung.  181

Veränderung  an  Haut,  an  Gefäßen  und  Muskeln.  Die  Massage  ist  eine
alte  Kunst,  die  schon  vor  Christo  geübt  wurde  und  immer  wieder,  wenn  auch
in  verschiedener  Weise,  zu  Ansehen  gelangte.  In  unserer  Zeit  hat  sie  weitgehende
  Ausdehnung  erfahren;  man  hat  sie  auf  streng  anatomische  Grundlage
gestellt  und  daher  mit  zielbewußter  und  genau  angepaßter  Massage  auch
großartige  Erfolge  erzielt.  Nicht  jedermann  kann  massieren!  Kenntnis  des
Wesens  der  Krankheit,  langjährige  übung,  daher  große  Feinfühligkeit  und
Kraft  der  Hände,  Fähigkeit,  die  Massage  genau  dem  Zustande  des  Kranken
jeweilig  anzupassen  usw.,  gehören  zu  den  ersten  Bedingungen  eines  vollendeten
Masseurs.

Daß  heute  „alle  Welt“  massiert  sein  und  damit  kurieren  will,  ist  nur
zu  bedauern.  Ohne  ärztliche  Leitung  sollte  sich  kein  Kranker  massieren  lassen;
denn  durch  übel  angebrachte  Massage  ist  schon  manches  Leiden  verschlechtert
worden  oder  sind  zu  dem  alten  neue  hinzugekommen.

Man  unterscheidet  innere  und  äußere  Massage;  erstere  wird  an
Schleimhäuten  ausgeführt  (Nase,  Ohr,  Uterus),  letztere  nur  an  der  Körperoberfläche.
  Die  Massage  besteht  in  Streichungen,  Knetungen,  Erschütterungen
und  Klopfungen,  mit  dem  vollkommensten  Apparate,  der  menschlichen  Hand,
ausgeführt.  Man  bewirkt  dadurch  zuerst  einen  Hautreiz,  der  die  Hautgefäße
und  Nerven  trifft,  stärkere  Blutfülle  der  Haut  erzeugt,  dann  eine  anregende
Wirkung  auf  das  Nervensystem  im  allgemeinen  ausübt,  da  wir  an  der  Haut
nichts  erleben  können,  was  nicht  auch  zum  Gehirn  und  Rückenmark  gelangt.
Bei  etwas  stärkerer  Massage  werden  tiefer  liegende  Organe  getroffen,  vor
allem  Muskeln,  größere  Gefäße,  Nervenstränge.

In  den  Gefäßröhren  wird  durch  Fingerdruck  der  Inhalt  weitergeschoben,
so  daß  das  nachströmende  Blut  umso  leichter  nachfließen  kann.  Dadurch
kommt  es  schneller  und  in  größeren  Wellen  zum  Herzen,  und  es  wird  erklärlich,
  warum  Massage  unter  Umständen  deshalb  auch  nicht  angezeigt  sein  kann.
Durch  Abheben  verschiebbarer  Stellen,  der  Fett=  und  Muskelportionen,  wird
Zufluß  und  Abfluß  befördert  und  werden  die  einzelnen  Teile  in  ihrer  Lage
zu  einander  verändert,  was  bei  Neigungen  zu  Stockungen  und  Stauungen  von
großem  Vorteil  ist.  Personen  mit  trägem  Stoffwechsel,  Neigung  zu  Versettung,
mangelhafter  Wärmebildung  sollten  sich  öfter  im  Jahre  mehrere  Wochen  nacheinander
  massieren  lassen.  Auch  bei  blasser,  trockener,  spröder  und  sehr
empfindlicher  Haut  ist  Massage  sehr  angebracht.  Je  nach  dem  Zustand  soll
sie,  mit  Gymnastik  verbunden,  trocken  oder  fett,  sanft  oder  kräftig,  beruhigend
oder  erregend  ansgeführt  werden.  Sie  trägt  wesentlich  dazu  bei,  die  Haut
weich,  blutreich  und  gesund  zu  erhalten  und  ist  daher  auch  zur  Schönheitspflege
unentbehrlich.  (Siehe  das  Kapitel  über  „Schönheitspflege“.)

Die  massierende  Person  muß  zuerst  eine  weiche  und  geschickte  Hand
haben,  weder  knochig  noch  kalt;  sie  soll  weder  nervös  erregt  noch  blutarm
sein,  noch  beständig  schwitzen.  Da  es  auch  eine  körperliche  Übertragung  gibt,