Ruhe  und  Bewegung.  187

halten.  Dazu  können  besonders  alle  Arten  von  Ballspielen  gerechnet  werden.
Sie  erwärmen  rasch  und  dienen  auch  für  kleinere  Räume  als  belustigendes
Bewegungsmittel,  das  die  Jugend  liebt,  die  Erwachsenen  leider  viel  zu
wenig  schätzen.

Federball  und  Handball  seien  daher  der  Frauenwelt  besonders
empfohlen,  weil  sie  ein  ebenso  leichtes,  wie  gesundes  Spiel  gewähren.

Fußball  dagegen  paßt  nur  für  kräftige  Individuen  und  für  Frauen
im  Sportskostüm.  Es  strengt  bedeutend  an,  wenn  es  eifrig  gespielt  wird
und  ist  auch  nicht  ungefährlich,  teils  weil  so  leicht  Verletzungen  dabei  entstehen,
  teils  weil  es  übermäßig  erhitzt.

Selbstverständlich  hat  jedes  Ballspiel  nur  dann  vollen  Nutzen,  wenn
es  im  Freien  ausgeführt  wird,  also  in  frischer,  guter  Luft.

Schwimmen  und  Schlittschuhlaufen  kommen  dann  zunächst  für
das  weibliche  Geschlecht  in  Betracht.  Ersteres  ist  von  hoher  preaktischer
Wichtigkeit,  da  es  dem  Menschen  ermöglicht,  sich  vor  Gefahren  zu  schützen.
Jedes  Mädchen  sollte  schwimmen  lernen.  Nicht  nur  härtet  es  die  Haut
ab,  kräftigt  die  Muskeln  durch  die  harmonischen  Bewegungen  im  Wasser
und  die  Überwindung  seines  Widerstandes,  sondern  es  hebt  auch  das
Selbstvertrauen  und  den  persönlichen  Mut.  Gerade  dieser  ist  bei  vielen
Frauen  so  wenig  entwickelt.  Daher  laßt  sie  im  Wasser  sich  tummeln,
laßt  sie  die  jugendlichen  Glieder  recken,  ihren  Mut,  ihre  Geschicklichkeit
und  Ausdauer  erproben,  damit  sie  kräftige  und  widerstandsfähige  Menschen
werden!

Das  Schlittschuhlaufen  hat  weniger  praktischen  Nutzen;  denn  auf
Eisschollen  haben  wir  Landratten  gewöhnlich  nicht  herumzukriechen,  doch  ist
es  ein  höchst  genußvolles  Mittel  zur  Kräftigung  des  Körpers  im  allgemeinen
und  zieht  besonders  jene  auch  im  kalten  Winter  ins  Freie,  die  sonst  allzuviel
das  Stubenhocken  pflegen  würden.

Bei  großer  Kälte  sei  jedoch  vor  zu  raschem  Fahren  gewarnt,  weil  bei
Einatmung  zu  kalter  Luft  durch  erhitzte  Lungen,  wenn  Veranlagung  dazu
vorhanden,  leicht  eine  Erkältung  entstehen  kann.  Manche  Lungenentzündung
ist  auf  dem  Eise  geholt  worden,  weil  Maß  und  Leitung  fehlten.  Für  Geschwächte
  ist  ein  langsames  Fahren,  eine  halbe  Stunde  täglich,  mit  kleinen
Unterbrechungen,  sehr  vorteilhaft.

Häufiger  aber  schaden  sich  die  Menschen  durch  unvernünftiges  Schwimmen
  und  Baden,  hauptsächlich  dadurch,  daß  sie  zu  lange  im  Wasser
bleiben  oder  sich  zu  sehr  anstrengen.  Flußbäder  sind  mit  großem
Wärmeverlust  verbunden;  nervöse  und  herzschwache  Personen  müssen  Schwimmübungen
  also  entweder  gänzlich  meiden  oder  nur  höchst  vorsichtig  und  selten
ausführen.

Den  Genuß  reiner  Wasserluft  bei  außerordentlich  kräftiger  Bewegung
  gestattet  uns  das  Rudern.  Bei  Küstenbewohnern  und  Fischer-