Ruhe  und  Bewegung.  189

Selbstredend  müssen  Frauen  beim  Radfahren  geschlossene  Pumphosen,
  schwarze  Strümpfe  und  gutsitzende  Sandalen,  keine  engen
Gürtel  oder  langen  Röcke,  und  ein  leichtes  Hütchen  mit  Krempe  für  die
Augen  haben;  Wettfahren  vermeide  man,  fahre  auch  nie  bergauf  und
genieße  niemals  alkoholische  Getränke  bei  Ausflügen,  weil  sie  aufregen
und  herzschwächend  wirken.  Stets  fahre  man  im  langsamen,  gleichmäßigen
Tempo,  wobei  man  auch  die  Umgebung  viel  mehr  genießt,  und  fahre
nie  länger  als  zwei  Stunden,  worauf  eine  ausgiebige  Ruhepause  (Ausstrecken
  im  Grase!)  und  Gehbewegungen  eintreten  sollen.  Daunn  wird
auch  jahrelanges  Radfahren,  selbst  älteren  gesunden  Frauen,  nichts
schaden.

Noch  haben  wir  einige  Worte  dem  „Kutschieren“,  Wagenfahren,  das
zum  nobelsten  Sport  gehört,  und  dem  Reiten  zu  widmen.

Muskelanstrengung  ist  beim  Fahren  und  Lenken  der  dressierten  Pferde
am  wenigsten  nötig;  beim  Reiten  wirken  schon  mehr  Einflüsse  auf  den  Körper.
Eine  Art  Erschütterungsmassage  findet  in  beiden  Fällen  statt  und  hat,  ohne
bedeutende  Muskelbewegungen  des  Reiters,  eine  sehr  befördernde  Wirkung
auf  den  Stoffwechsel  und  die  Verdauung.  In  Abvwechslung  mit  anderen
Übungen  ist  es  für  Gesunde  wohltätig  und  gleichfalls  sehr  genußvoll;  doch
gehört  es  zu  den  kostspieligsten  Vergnügungen  und  dient  der  körperlichen
Kräftigung  viel  weniger  als  die  anderen  Ubungen,  weil  es  keine  so  direkten
Muskelleistungen  bedingt.

Das  Tanzen  ist  ein  „weiblicher  Sport“,  der  von  Gesunden  und  Kranken,
mit  und  ohne  Vorbildung,  meist  mit  Leidenschaft  betrieben  wird,  natürlich  in
solchem  Falle  mit  Nachteil  für  die  Betreffenden.  Würde  das  Tanzen  mehr
als  Kunst  gepflegt  werden,  würden  Anmut  und  Schönheit  vorherrschender
dabei  sein,  so  wäre  es  ein  ander  Ding.

Es  ist  aber,  als  ob  die  weibliche  Welt,  die  für  andere  Leibeskünste  noch
im  allgemeinen  wenig  zugänglich  ist,  sich  wenigstens  in  einem  kunstlosen
Tanze  austollen,  ausleben  möchte.  Man  ziehe  darin  beizeiten  die  rechten
Grenzen,  pflege  kräftigenden  Sport,  und  man  wird  bemerken,  daß  der  gewöhnliche
  Tanz  dadurch  gleichgültiger  wird.

Allzu  gesund  kann  man  ihn  nicht  nennen,  da  er  meist  in  geschlossenen
staubigen  Räumen,  und  nur  zu  häufig  im  Übermaße,  sowie  in  viel  zu  enger
Kleidung  ausgeführt  wird.  Davor  sei  also  gewarnt!

Im  übrigen  ist  er  eine  natürliche  Nußerung  junger,  glücklicher  oder
gesunder  Menschen  und  hängt  mit  unserer  musikalischen  Veranlagung,  mit
unserem  Gefühl  für  Rhythmus  und  Tonharmonie  innig  zusammen.  Hin  und
wieder  maßvoll  geübt,  in  unverdorbener  Luft,  ohne  Champagner  oder  Bier
im  Leibe  und  ohne  enge  Kleider  auf  dem  Leibe,  bei  schwungvoller,  schöner
Musik,  ist  der  Tanz  ein  Hochgenuß  und  soll  in  seiner  Berechtigung  keineswegs
verkürzt  werden.