194  Pflege  der  Schönheit.

gereinigt  von  allen  individuellen  Besonderheiten  zur  Darstellung  bringen.“
Wenn  wir  einen  wissenschaftlich  haltbaren  Begriff  von  den  Verschiedenheiten
der  Körperformen  bekommen  wollen,  so  müssen  wir  von  einem  als  Maßstab
dienenden  Körperideale  ausgehen  und  darnach  Abweichungen  der  Einzelformen
  anschaulich  machen.  Seite,  krankhafte  Fülle  auf
Dieses  Körperideal  finden  wir  der  anderen!  Mangelhafter
in  der  Antike,  den  griechischen  Haarwuchs,  Hängebrust,  Häß-Gestalten.
  2  lichkeit  und  Unförmigkeit  in

Tafel  Nr.  3  zeigt  uns  abschreckender  Gestalt.  Nur
eine  mediceische  Venus  mit  die  Kleider  verbergen  uns
ihren  herrlichen  Körperfor-  solche  Bildungen,  nur  weil

men  und  der  Anmut  ihrer  wir  Nacktheit  nicht  gewöhnt
Glieder.  2  sind,  erschrecken  uns  solche

Auch  in  unserer  Zeit  Bilder  und  sind  wir  geneigt,
müßten  ihr  alle  gesunden  und  sie  als  Übertreibungen  zu
wahrhaft  schönen  Frauen  ·  bezeichnen.  Der  Blick  des
gleichen!  Wo  aber  finden  Arztes  aber,  der  die  heuchwir
  ihresgleichen?!  Durch  lerischen  Kleiderhüllen  durch-Vererbung
  haben  wir  schon  dringt,  weiß,  wie  unendlich
von  unseren  Voreltern  kleinen  oft  sie  unter  der  heutigen,
Körperbau  oder  unverhältnis-  herabgekommenen  Frauenwelt
mäßig  lange  Glieder,  ver-  zu  finden  sind.  Würden  die
krüppelte  Füße,  kurzsichtige  Luftbäder  schon  allgemein

Augen,  runden  Rücken,  flache
Brust  usw.  auf  den  Lebensweg
  mitbekommen,  und  dann
gesellen  sich  dazu  noch  die
Mißbildungen,  die  wir  durch
verkehrte  Lebensweise  selbst

im  Gebrauche  sein,  würden
wir  uns  gewöhnen,  unsere
Kinder  öfter  im  nackten  Zustande
  zu  betrachten,  um
ihre  Mängel  und  ihre  Vorzüge
  kennen  zu  lernen,  so
dazu  erwerben!  Wohin  muß  könnte  manchem  noch  rechtdies
  führen?  !EM*  zeitig  gesteuert  werden.  Die

Man  betrachte  sich  die  Fig.  *  Schlechte  Kleider  aber  haben  uns  von
zwei  Mißgestalten  rechts  und  Ms  der  Nacktheit  entwöhnt,  wir
links  von  der  Venus:  krank-  Nach  Hosa,  scheuen  sie,  sie  erschreckt  uns,
hafte  Magerkeit  auf  der  einen  und  anstatt  der  Ausdruck
des  Natürlichen  zu  bleiben,  ist  sie  „unsittlich"  geworden.  Das  ist  sehr
beklagenswert.

Um  die  Frauenwelt  zu  richtigen  Schönheitsbegriffen  zurückzuführen,
bringen  wir  Abbildungen  schöner  weiblicher  Körper  und  fordern  sie  auf,  nackte
„Formen  zu  studieren.  Sie  lehren  uns,  wie  gesunde,  schöne  Körperformen
beschaffen  sein  müssen,  und  sie  beweisen  uns  gleichzeitig  in  tröstlicher  Weise,
daß  auch  die  Gegenwart  noch  schöne  Frauen  haben  muß;  denn  diese  Bilder