Pflege  der  Schönheit.  199

Am  besten  macht  man  solche  Reinigungsbäder  gegen  Abend,  damit  die
Haare,  die  besonders  im  Winter  schwer  trocknen,  über  Nacht  für  mehrere
Stunden  in  ein  warmes  Tuch  eingepackt  werden  können.  Am  nächsten  Morgen
sind  sie  trocken,  weich,  oft  gelockt  und  schön.

Da  wir  keine  „Wasserratten“,  sondern  „Luftgeschöpfe“  sind,  so  sind  uns
tägliche  Wasseranwendungen  gar  nicht  notwendig,  ja  bei  nervöser  Veranlagung
sogar  schädlich.  Eine  Ausnahme  macht  ein  krankhafter  Zustand,  wo  vielleicht
tägliche  Ableitung  und  Beeinflussung  eines  bestimmten  Körperteiles  notwendig
sein  können.  Wer  keine  Luftbäder  im  Freien  nehmen  kann,  wie  die  meisten
Städter,  der  mache  wenigstens  morgens  beim  Ankleiden,  möglichst  bei  offenen
Fenstern,  ein  Luftbad  von  zehn  Minuten  und  beschränke  die  Wasseranwendungen
  auf  Gesicht,  Hals,  Hände,  Geschlechtsteile  und  wenn  nötig  (beim  Barfußgehen)
  auch  auf  die  Füße.  Man  kann  diese  Waschungen  im  nackten  Zustande
ausführen  und  wird  sich  dabei  sehr  wohl  fühlen.  An  kühlen  Tagen  wird  die
bekannte  „Gänsehaut“  nicht  fehlen  als  Wirkung  des  Luft=  und  Kältereizes  auf
die  Haut;  dann  bewege  man  sich  einige  Minuten  energischer  in  der  Stube,  mache
einige  Atemübungen  und  schlüpfe  hierauf  in  seine  Trikotwäsche,  die  man  als  sehr
wohlig  und  warm  empfinden  wird.  Selbstverständlich  dürfen  hierauf  leicht
frierende  Menschen  nicht  ruhig  sitzen,  sondern  müssen  entweder  ausgehen,  rasch
und  energisch  (nicht  schleichen  und  trippeln  nach  Frauenart!)  oder  im  Hause  kräftig
herumhantieren,  Betten  ordnen,  Sopha  klopfen,  Kleider  bürsten,  Parketten
wischen  u.  dgl.  Da  wird  man  herrlich  warm  dabei,  und  der  Tag  beginnt
nicht  mit  Verdauungsstörungen,  Appetitlosigkeit  und  schlechter  Laune.

Bei  großer  Hitze  sind  Flußbäder  ebenso  gesund  wie  genußvoll,  noch
mehr  in  stiller  Einsamkeit  und  im  rauschenden  Waldbach.

Was  ist  jedoch  dabei  zu  beachten?

Die  Flußbäder  in  Städten  sind  gerade  kein  Ideal,  weil  das  Flußwasser
meist  unglaublich  verunreinigt  ist.  Man  sei  wenigstens  bemüht,  niemals
unterhalb  der  Mündungen  von  städtischen  Kanälen,  die  oft  auch  giftige
Farbstoffe  und  ekelhafte  Abfälle  enthalten,  zu  baden  und  hüte  sich  beim
Schwimmen,  Wasser  zu  schlucken.

Daß  ein  zu  langer  Aufenthalt  im  kalten  Wasser  wegen  des  damit
verbundenen  Wärmeverlustes  schädlich  ist,  haben  wir  schon  an  anderer  Stelle
hervorgehoben.  Wiedererwärmung  nach  jedem  kalten  Bade  ist  eine  der
wichtigsten  Bedingungen,  wenn  das  Bad  Nutzen  bringen  soll.  Man  lege  sich
im  trockenen  Hemde  in  die  Sonne,  oder  kleide  sich  rasch  an  und  ersteige  einen
nahen  Berg.  Es  gibt  kein  besseres  Mittel  zur  Erwärmung.

Das  Baden  im  Waldbach,  in  ozonreicher  Luft,  unter  schattigen  Bäumen
und  im  kristallklaren  Wasser  ist  unvergleichlich  genußreicher.  Zwar  kann  man
darin  meist  nicht  schwimmen,  aber  das  Wasser  ist  kälter  und  die  ganze  Umgebung
  so  erfrischend,  daß  man  von  fünf  Minuten  im  Waldbache  mehr
Wirkung  hat,  als  von  15  Minuten  im  lauen  Flusse.  Wer  in  der  Lage  ist,