Pflege  der  Schönheit.  203

Vaselin  (ein  Rückstand  des  Petroleums)  und  Paraffin  (ebenfalls  aus  Petroleum
  hergestellt).  Dem  Ranzigwerden  weniger  unterworfen  sind  Lanolin  und
Walrat,  zwei  tierische  Fette,  welche  zu  verschiedenen  Schönheitsmitteln  Verwendung
  finden.  Mit  Vaselin  oder  Lanolin  reibt  man  mit  der  Fingerkuppe
die  ganze  Gesichtsfläche  ein  und  läßt  morgens  ein  Gesichtsbad  folgen,  bei  Hautflecken
  und  Entzündungen  aber  nur  mit  einer  Temperatur  von  35°  C.

Bei  vielen  entwickelt  sich  hierauf  eine  Fülle,  Frische  und  Reinheit  des  Gesichtes,
  wie  sie  vorher  nie  bestand.  Bei  anderen  freilich,  bei  welchen  Störungen
in  den  Geschlechts=  und  Verdauungsorganen  eingetreten  sind,  hilft  diese  Gesichtspflege
  nur  vorübergehend,  da  sich  infolge  innerer  Veranlassungen  immer  wieder
neue  Blüten  und  Flecken  einstellen.  Dennoch  wird  auch  unter  solchen  Umständen
das  gepflegte  Gesicht  immer  noch  besser  aussehen  als  das  ungepflegte,  was  sich
kränkliche,  oft  recht  schlecht  aussehende  Frauen  immerhin  zu  Nutzen  machen  können.

Wer  parfümierte  Fette  liebt,  dem  sei  englischer  Cold-Cream  empfohlen
oder  österreichischer.  Ersterer  besteht  aus  Kokosöl,  Rosenöl  und  Rosenwasser,
letzterer  aus  Walrat,  weißem  Wachs,  Mandelöl  und  Rosenwasser.  Auch  Kaloderma
  kann  vorübergehend  empfohlen  werden.  Zur  Massage  eignet  sich  vortrefflich
  Mandelcreme.  Regelrechte  Gesichtsmassage  ist  in  den  letzten  Jahren
aufgekommen  und  kann  bei  kranker  Gesichtshaut  und  mageren  Gesichtern  mit
schlaffer  Haut  nicht  genug  empfohlen  werden.  Man  läßt  ihr  zuweilen  eine
Gesichtsandampfung  vorangehen,  welcher  eine  Einreibung  mit  Fetten  und  anregenden
  Stoffen  folgt.  Dieses  Versahren  hat  für  einige  Stunden  überraschenden
Erfolg,  handelt  es  sich  aber  gleichzeitig  um  allgemeine  schlechte  Ernährung,  dann
wird  natürlich  das  Gesicht  nicht  „blühend  und  voll“  bleiben  trotz  kunstvoller
Massage  und  blutheranziehenden  Dampfbädern,  sondern  die  Zeichen  der  Erschlaffung,
  des  mangelnden  Stoffwechsels,  der  allgemeinen  Schwäche,  welche  der
ganze  Körper  trägt,  werden  sich  auch  im  Gesichte  wieder  ausdrücken.  Häufige
Dampfbäder  lassen  auch  gerne  eine  Erschlaffung  zurück.  Darum  vergesse  man
also  die  allgemeine  Pflege  nicht  und  sorge  unermüdlich  für  das,  was  ein
gesundes  Gesicht  dauernd  sichert.  Blassen  Gesichtern  sind  tägliche  Wechsel-Gesichtsbäder
  sehr  zu  empfehlen.  Man  taucht  das  Gesicht  zuerst  in  heißes
Wasser  von  35—40°  C.  und  dann  in  kaltes  von  etwa  15°  C.  Dadurch  wird
das  Blut  in  die  Haut  gezogen,  besonders  wenn  man  gleichzeitig  leichte  Reibungen
mit  einem  Schwamm  ausführt.  Voll  und  rosig  frisch  wird  darnach  das  Gesicht.

In  einer  Zeit  des  körperlichen  Niederganges  geht  auch  natürliche  Schönheit
  immer  mehr  verloren,  und  Spekulation  aller  Art  bemüht  sich,  einen  Nutzen
daraus  zu  ziehen  und  durch  künstliche  Mittel  eine  falsche,  trügerische  Schönheit
  zu  erzeugen.  Daher  die  zahllosen  Anpreisungen  von  wunderwirkenden
Schönheitsmitteln  in  allen  Zeitungen,  nach  welchen  so  viele  Frauen,  welche
ihre  Schönheitsmängel  erkannt  haben,  begierig  greifen.  Darum  sieht  man  auch
bei  öffentlichen  Veranstaltungen  so  viele  mehr  oder  minder  geschminkte,  gepuderte
oder  durch  Schönheitsmittel  deutlich  beeinflußte  Frauen.  Ihre  Farbenwirkung