204  Pflege  der  Schönheit.

ist  für  den  ersten  Augenblick  überraschend;  die  zarte  Weiße  der  Gesichtshaut
hebt  sich  vom  frischen  Wangenrot  deutlich  ab  und  läßt  andererseits  das  Leuchten
des  Auges  besser  zur  Geltung  kommen,  dessen  Brauen  und  Wimpern  vielleicht
auch  künstlich  verdunkelt  sind.  Beim  ersten  Blick  aber  erkennt  man  die  Künstlichkeit
  dieser  Schönheit  und  empfindet  ein  Mißbehagen  darüber;  dieses  stellt
sich  nicht  nur  bei  Frauen  ein,  sondern  in  noch  verstärkterem  Maße  bei  Männern,
welchen  die  schön-sein-wollenden  Frauen  doch  in  erster  Linie  gefallen  wollen.
Sie  bringen  sich  also  selbst  bei  allen  Urteilsfähigen  um  den  ersehnten  Erfolg!
Andererseits  ist  es  eine  alte  Erfahrungssache,  daß  es  verstimmt,  „wenn  man
die  Absicht  merkt“,  d.  h.  daß  deutliche  Gefallsucht  abstoßend  wirkt.  Es  werden
daher  Frauen  von  Würde  und  Selbstbewußtsein  niemals  sichtbare  Schönheitsmittel
  wählen,  sondern  sich  so  natürlich  als  möglich  erhalten.

Die  ungebildete  oder  auf  niederer  Kulturstufe  stehende  Frau  färbt  sich
in  deutlichster  Weise,  schmückt  sich  mit  Ringen  und  buntestem  Tand;  die  gebildete
  und  ethisch  höher  stehende  wird  stets  vornehme  Zurückhaltung  bewahren,
alles  Auffällige  an  ihrem  Außeren  vermeiden  und  eine  natürliche  Körperpflege
  üben,  wie  wir  sie  hier  näher  ausführen.  Sie  wird  in  Erhaltung
ihrer  Gesundheit  und  Pflege  ihrer  vorhandenen  körperlichen  Vorzüge  bestehen.

Um  das  Urteil  der  Frauen  über  die  verschiedenen  Toilettemittel  zu
klären,  wollen  wir  die  bekanntesten  hier  durchsprechen.

Zuerst  der  beliebte  Puder!  Er  besteht  aus  feinstem  Reismehl,  Kartoffelstärke,
  Mandelmehl  und  anderem,  ist  aber  selten  ganz  unvermischt  und  wird
als  weißer,  gelber  oder  rosa  Puder  verwendet.  Er  schützt  die  Haut  vor  äußeren
Einflüssen,  weil  er  sie  in  gewissem  Grade  „deckt“,  verstopft  daher  auch  leicht  die
Hautporen  und  führt  mitunter  bei  längerem  Gebrauch  zu  Reizzuständen  der
Talgdrüsen.  Sie  schwellen  auf  und  bedecken  einzelne  Gesichtspartien  mit  kleinen
Höckerchen,  die  weiß  aussehen,  solange  sie  sich  nicht  entzünden.  Der  gefärbte
Puder  hat  eine  natürliche  Wirkung,  indem  er  die  Haut  zarter  und  natürlicher
erscheinen  läßt,  als  der  weiße,  welcher  mehr  an  Schminke  erinnert.

Vor  den  Schminken  jeder  Art  sei  eindringlichst  gewarnt.  Sie  enthalten  mehr
oder  minder  Metallsalze,  welche  die  Haut  angreifen  und  üble  Folgen  haben  können.
Das  Verkleistern  der  Haut  raubt  ihr  überdies  ihre  natürliche  Elastizität  und
macht  sie  allmählich  ledern,  obwohl  sie  anfangs  reizende  Jugendlichkeit  vorspiegelte.

Blaßmachende  Teilettemittel  sind  dagegen  die  „Toiletten-Essige",
welche  wie  alle  Säuren  zusammenziehend  wirken.  Verdünnte  Essig-,  Zitronenund
  Borsäure  sind  ziemlich  unschuldig  in  ihrer  Wirkung  und  können  vorübergehend
  bei  stellenweisen  Gesichtsröten  u.  dgl.  einmal  benützt  werden,  aber
auch  sie  haben  bei  längerem  Gebrauch  ein  Schrumpfen  der  Haut  zur  Folge,
weil  jedem  Überreiz  die  Erschlaffung  folgt.

Mit  allen  „Schönheitswässern“  aber  sei  man  äußerst  vorsichtig;  denn
meist  enthalten  sie  Blei=  oder  Quecksilberverbindungen,  die  nicht  nur  der
Haut  schaden,  ob  sie  nun  „Jungfernmilch“,  „Prinzessenwasser“  und  „Schönheits-