Pflege  der  Schönheit.  213

scheidene  Hutform,  Vermeidung  greller  Farben  passen  viel  besser  zu  unschönen
Gesichtern,  als  das  Gegenteil.

Darum  also  nicht  für  alle  Frauen  künstliche  Locken,  wohl  aber  für
alle  ohne  Ausnahme  eine  gefällige  Form  der  Haartracht  und  solche  Behandlung
der  Haare,  daß  sie  voll,  glänzend,  weich  und  wellig  auch  bei  alten  Frauen
bleiben.  Dies  erreichen  wir  durch  häufiges  Baden  der  Haare,  lockere  Anordnung
  derselben,  so  daß  sie  sich  in  natürlichen  Wellen  um  die  Stirn  legen,
durch  tägliches  Bürsten  und  —  die  Hauptquelle  aller  Schönheit  —  durch
Erhaltung  einer  ungetrübten  Gesundheit  unseres  Körpers.

Wie  durch  andere  Anzeichen,  z.  B.  die  Farbe,  den  Glanz  und  Ausdruck
  unserer  Augen,  äußern  sich  Krankheit,  Verfall,  Alter,  ja  nervöse  Störungen
auch  an  den  Haaren.  Einmal  sind  sie  haltlos  und  weich  und  bleiben  nicht
in  der  gewünschten  Lage,  ein  andermal  sind  sie  erstaunlich  fett,  ohne  je  mit
einer  Pomade  in  Berührung  gekommen  zu  sein.  Zuweilen  erscheinen  sie  auch
dunkler,  zu  Wellen  geneigt,  dann  glänzender.  Mit  einem  Wort:  sie  sind
ein  Teil  unseres  Körpers  und  machen  daher  alle  Veränderungen  und  Vorgänge
  in  demselben  mit,  und  zwar  bei  nervösen  Personen  mehr  als  bei
robusten.  Ebenso  verhält  es  sich  mit  den  elektrischen  Erscheinungen  an  den
Haaren,  die  bei  manchen  Personen  und  zu  bestimmten  Zeiten  so  stark  sind,
daß  sie  sich  nie  die  Haare  auskämmen  können,  ohne  deutlich  knisternde  Funken
zu  erzeugen.  Auch  dieser  Vorgang  verändert  sich  mit  ihrem  Wohlbefinden.

Jeder  Mensch  kann  an  seinem  eigenen  Haupthaar  die  verschiedensten
Beobachtungen  machen.

Über  krankhafte  Schuppenbildung  und  Hautkrankheiten  des
Kopfes  siehe  im  III.  Teil:  „Heilkunde“.

Noch  haben  wir  den  grauen  Haaren  und  der  Haarfärbung  einige
Zeilen  zu  widmen.

Das  Weißwerden  der  Haare  ist  ein  Zeichen  des  Greisentums,  für  ein
noch  jugendliches  Alter  ganz  unnatürlich.  Es  entsteht  durch  das  Schwinden
des  Haarfarbstoffes  und  das  Eindringen  der  Luft  in  die  Haarröhre.  Mit
diesem  Vorgang  ist  meist  auch  ein  Steifwerden  der  Haare  verbunden,  nicht
aber  auch  ein  vermehrter  Ausfall.

Nach  Gemütserschütterungen,  nach  schweren  Krankheiten,  durch  Vererbung
tritt  es  häufig  ein.  In  den  sechziger  Jahren  ist  es  mehr  oder  weniger  naturgemäß,
  früher  aber  nicht.  Dennoch  sieht  man  heute  oft  Menschen  mit  noch
nicht  erreichtem  vierzigsten  Jahre,  die  bereits  einen  grauen  Scheitel  haben.

Wenn  solche  bei  sonst  noch  jugendlichem  Außern  und  guten  Kräften  sich  nach
Färbemitteln  umsehen,  um  das  unzeitmäßige  Merkmal  des  Alters  zu  verscheuchen,
so  ist  dies  sehr  wohl  erklärlich  und  auch  nicht  unnatürlich.  Anfechtbar,  unter
Umständen  lächerlich,  ist  es  aber,  wenn  Leute  über  ihr  Alter  täuschen  wollen
und  durch  Färbemittel  eine  Jugendlichkeit  heucheln,  die  sie  längst  nicht  mehr
besitzen.  Dann  ist  man  berechtigt,  sich  über  das  Haarfärben  lustig  zu  machen.