214  Pflege  der  Schönheit.

Unter  Haarfärben  verstehen  wir  hier  also  nur  den  Ausgleich  einer  Anomalie,
eine  Bekämpfung  des  verfrühten  Grauwerdens,  nicht  etwa  die  künstliche
Umwandlung  brauner  Haare  in  blonde  oder  dergleichen  Spielereien,  oder
die  Unterdrückung  eines  natürlichen  Zeichens  der  Greisenhaftigkeit,  wo  es
hingehört.

Wie  beeinflußt  man  die  Haare  am  besten,  um  ihnen  wohl  die  verlorene
Farbe  wiederzugeben,  ohne  sie  oder  den  Haarboden  zu  schädigen?

Es  gibt  unzählige  Haarfärbemittel;  schwer  aber  ist  es  zu  sagen,  welche
am  schnellsten  wirken  und  dabei  dennoch  unschädlich  sind.  Die  metallischen
sind  die  wirksamsten;  aber  sie  sind  mehr  oder  minder  bedenklich  und  greifen
den  Haarboden  an.  Verschiedene  pflanzliche  Färbemittel  sind  ganz  unschädlich,
aber  auch  sehr  unzuverlässig,  indem  sie  entweder  nicht  lange  haften  oder
ungleich  in  ihrer  färbenden  Wirkung  sind.  Es  hängt  dies  auch  von  dem
natürlichen  Gehalt  der  Haare  an  Schwefel  ab,  mit  welchem  die  Färbemittel
chemische  Verbindungen  eingehen.  Auch  der  natürliche  Fettgehalt  der  Haare
ist  von  Wichtigkeit.  Es  muß  daher  jeder  erst  ein  wenig  probieren,  nicht
aber,  ohne  sich  vorher  über  einige  leitende  Punkte  klar  geworden  zu  sein.

Teils  unschuldige  Haarmittel,  die  nicht  schaden,  aber  oft  auch  nicht  viel
nützen,  teils  vielgebrauchte  sind  Nußextrakt,  Henna  mit  Nachfärbung
mit  Indigoblätterpulver,  Anacardium  und  andere  Mischungen.  Von
mineralischen  Substanzen  sind  Höllenstein,  Blei,  Eisensalze,  chromsaures
  Kalium,  Cadmium  ufw.,  viel  benützt.  Die  haltbarsten,  angeblich
  unschädlichen  Färbemittel  liefern  Silbersalpeter  oder  Höllenstein,  mit
vorhergehender  Beeinflussung  der  Haare  durch  Schwefellösungen;  Höllensteinlösung
  mit  Ammoniakzusatz  gibt  blonde  oder  braune  Haare,  je  nachdem  der
Gehalt  des  letzteren  schwankt.  Pyrogallussäure  soll  vortrefflich  färben;
allein  sie  ist  sehr  giftig  und  wird  darum  lieber  vermieden.  Vor  Bleisalzen
muß  man  sich  hüten,  da  sie  durch  die  Kopfhaut  in  den  Organismus  eindringen
  und  zu  bösen  Vergiftungserscheinungen  führen  können.  Daher  vermeide
  man  auch,  das  nächstbeste  Färbemittel,  das  vielleicht  in  Inseraten  sehr
gerühmt  wird,  zu  kaufen,  sondern  erkundige  sich  zuerst  bei  Apothekern  und
Friseuren,  oder  lasse  eine  chemische  Untersuchung  vornehmen.

Es  ist  richtig,  daß  viele  Mittel  jahrelang  ohne  sichtbare  schädliche
Folge  benützt  werden;  andererseits  ist  es  aber  auch  sicher,  daß  sich  manche
Person  durch  das  Färben  der  Haare  einen  hartnäckigen  Kopfausschlag  geholt
hat,  oder  daß  die  Haare  auffallend  brüchig  wurden  oder  ausfielen.  Daß
die  häufige  Einwirkung  von  Fremdstoffen  auf  die  Kopfhaut  für  diese  nicht
gleichgültig  sein  kann,  ist  zweifellos;  es  fragt  sich  dann  nur,  ob  es  uns
gelingt,  durch  Gegenmittel  den  schlechten  Einfluß  aufzuheben,  oder  ob  dieser
stärker  ist  als  alle  Gegenmittel.

Welches  sind  die  Gegenmittel?  In  erster  Linie  die  Stärkung  der  Kopfhaut,
  das  kräftige  Wachsen  der  Haare,  die  gute  Ernährung  des  Haarbodens,