228  Geschlechtsleben.

Erklärung  der  männlichen  Organe,  deren  Kenntnis  zum  Verständnis  des  Fortpflanzungsvorgangs
  unerläßlich  ist.

Fig.  146  zeigt  uns  einen  Durchschnitt  derselben.  Den  männlichen
Geschlechtstypus  bestimmen,  wie  beim  Weibe  die  Eierstöcke,  beim  Manne  die
Hoden  oder  Samendrüsen.  Sie  verlassen  schon  im  Fötus  die  Beckenhöhle
(siehe  Seite  44,  Fig.  28)  und  betten  sich  beim  ausgereiften  Kinde  in  einem
Hautsacke,  außerhalb  des  Rumpfes  und  unterhalb  der  Harnröhre,
  zwischen  den  Schenkeln.  Der  Samenstrang  läuft  ins
Becken  zurück  und  mündet  in  die  Harnröhre,  von  wo  der
Samen  nach  außen  geschleudert  wird.  Die  Harnröhre  hat  beim
Manne  also  die  doppelte  Aufgabe,  sowohl  den  Inhalt  der
Harnblase  als  auch  die  Erzeugnisse  der  Samendrüsen,  den

Fig.  147.  Samen,  nach  außen  zu  befördern.  Daher  ist  sie  so  lang
Samenfäden  des  und  im  blutgefüllten  Zustand  so  kräftig.  Analog  dem
Menschen.  Weibe  sind  also  auch  beim  Manne  Keimdrüsen,  zu=  und
sund  p  stellen  die  abführende  Röhren,  die  Wollustorgane  am  Penis  (Harnwegungen
  des  kröhre)  und  die  Nervenstränge.  Der  Fruchthalter  ist  beim
Schwanzes  dar.  Weibe  unverhältnismäßig  ausgebildet,  beim  Manne  im
Nach  König.  -rrin  !  .  -  ..
verkümmerten  Zustande  als  kleiner  überrest  aufzufinden;
die  Harnrohre,  beim  Weibe  kurz  und  nur  der  Tätigkeit  der  Harnblase
dienend,  hat  beim  Manne  die  Aufgabe,  den  Samen  an  die  Stelle
seiner  Wirksamkeit  zu  bringen,  daher  ihre  sonst  unmotivierte
  Entwicklung.  —  Allenthalben  finden  wir
also  nur  Anpassung  an  die  Geschlechtsaufgabe  und
die  dadurch  bedingte  Modifizierung  der  einzelnen
Teile,  im  wesentlichen  jedoch  trotz  der  äußeren  auffälligen
  Verschiedenheit  der  Geschlechter  die  gleichen
Meschich  ele.  Grundlagen.  «  -  —
Dichtere  Grenzschicht  Fig-  147  und  148  zeigen  uns  die  Samen-  und  Eib
  Eiweißleib.  c  Kern  zelle.  Sie  stellen  ganz  verschiedene  Gebilde  dar.  Fassen
mit  Kernkörperchen.  wir  die  beiderseitigen  Geschlechtsaufgaben  noch  schärfer
Nach  Kölliker.  .  »
zusammen,  so  gelangen  wir  zu  folgenden  Sätzen:
Der  Mann  erzengt  den  Samen,  welcher  das  Wachsen  des  Eies  bedingt;
Das  Weib  erzeugt  die  Eizellen,  das  eigentliche  Fortpflanzungsobjekt;
Der  Mann  stößt  den  Samen  aus;
Das  Weib  nimmt  ihn  auf;
Die  geschlechtliche  Aufgabe  des  Mannes  ist  damit  vollendet;
Die  geschlechtliche  Aufgabe  des  Weibes  setzt  sich  fort  und  gipfelt  in
der  Austragung,  Ausstoßung  (Geburt)  und  Ernährung  der  ausgereiften
Leibesfrucht;
7.  Die  Geschlechtslust  dient  nur  zur  Sicherung  der  Fortpflanzung  und  ist
durch  die  Tätigkeit  der  Keimdrüsen  bedingt.

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