Geschlechtsleben.  229

Die  geschlechtlichen  Aufgaben  des  Weibes  sind  also  viel  bedeutendere
als  jene  des  Mannes,  und  des  Weibes  Erkrankung  hat  auch  viel  ernstere  Folgen
für  die  Nachkommenschaft  als  jene  des  Mannes.  Der  Zweck  der  Geschlechtsorgane
  ist  demnach,  Zellen  zu  produzieren,  deren  Vereinigung  den  Grund
zu  einem  neuen  Menschen  legen,  und  diese  Zellen  einander  zuzuführen.  Da
das  Säugetier,  wie  der  Mensch,  ein  hochentwickelter  Organismus  ist,  so  ist
auch  diese  Vereinigung  der  Keimzellen  kein  so  einfacher  Vorgang  wie  etwa
die  Ausbrütung  der  im  Wasser  sich  befruchtenden  Keimzellen  der  Fische  durch
die  Sonne.  Es  sind  demnach  für  die  Zellenerzeugung,  sowie  für  ihre  Zuführung
  besondere  Organe  vorhanden,  und  es  ist  außerdem  noch  ein
bestimmter  Vorgang  nötig,  welcher  ihrer  Vereinigung  vorausgeht  und  der
heftige  Erregungen  auslöst.  Es  ist  der  Begattungsakt,  welcher  im  Alter
der  Reife  und  bei  schwellender  Jugendkraft  für  das  weibliche  und  mämnliche
Individuum  den  Gipfelpunkt  der  Lebenskraft  bedeutet.  Daher  auch  die
höchsten  Opfer  an  Kraft  und  Leben  bei  Mensch  und  Tier,  wenn  der  Liebestrieb
  vorherrscht.

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Der  Begattungsakt  für  Mann  und  Weib.

Für  den  Mann  bedeutet  er  die  Ausstoßung  des  reifen  Samens,  der
ihn  zur  Betätigung  der  von  der  Natur  in  ihn  gelegten  Kräfte  treibt;  für
das  Weib  die  Aufnahme  des  Samens,  nicht  auch  die  Ausstoßung  eines
Eies.  Wie  wir  bereits  wissen,  löst  sich  etwa  vierwöchentlich  ein  solches  vom
Eierstock  ab  und  wandert  nach  der  Gebärmutter,  ohne  dem  Weibe  bewußt
zu  werden.  Es  ist  nur  bekannt,  daß  die  geschlechtliche  Erregsamkeit  der  Frau
nach  der  Menstruation  stets  am  lebhaftesten  ist,  was  darauf  hindentet,  daß
die  Natur  zu  dieser  Zeit  eine  Vereinigung  mit  dem  Manne  zu  unterstützen
scheint,  indem  wahrscheinlich  ein  Ei  auf  der  Wanderung  begriffen  ist,  das
den  Samenzellen  entgegenkommt.  Völker,  welche  auf  große  Nachkommenschaft
hielten,  übten  Geschlechtsverkehr  mit  Vorliebe  zu  diesen  Zeiten  aus,  weil  er
eher  zum  Ziele  führte.  Beim  Manne  dagegen  ist  die  Ansammlung  des
Samens  nicht  an  bestimmte  Zeiten  gebunden,  sondern  von  seiner  Lebensweise
  und  seiner  Gesundheit  abhängig;  leidet  er  nicht  an  krankhaften  Zusitänden,
  so  ist  die  Ausstoßung  desselben  im  wachen  Zustand  ganz  seinem
Willen  unterworfen.  Wir  sehen  hier  also  einen  elementaren  Unterschied  bei
den  Geschlechtern.  Lebt  ein  kräftiger  Mann  kensch  und  zurückhaltend,  so
sorgt  die  Natur  für  zeitweise  Abgänge  des  Samens  im  Schlafe,  die  dem
gesunden  Manne  Erleichterung  bringen,  weil  sie  ihn  von  einem  überfluß
befreien.  Der  zurückbleibende  Überschuß  wird  aufgesogen  und  zugunsten
des  Organismus  verwendet.  Bei  geringerer  Betätigung  der  mämmlichen
Organe  geht  übrigens  auch  die  Erzeugung  der  Samenmenge  zurück,  d.  h.  es