Geschlechtsleben.  241

Das  Verhalten  bei  der  Menstruation.
Wie  schon  aus  unseren  früheren  Ausführungen  hervorging,  ist  die  monatliche

  Blutung  nicht  als  ein  Zustand  der  Krankheit  aufzufassen;  sie  steht  in
Verbindung  mit  einem  physiologischen  Vorgang  und  ist  daher  bei  gesunden
Frauen  auch  mit  keinerlei  nennenswerten  Beschwerden  verbunden.  Diese
können  arbeiten,  ausgehen,  auch  baden,  ohne  sich  gestört  zu  fühlen,  wie  es  ja
tatsächlich  die  Landarbeiterinnen  und  der  größere  Teil  der  Dienstmädchen
tun.  Bei  der  in  unserer  Zeit  zunehmenden  Weichlichkeit,  Angstlichkeit  und
Körperschwäche  ist  es  notwendig,  zur  Erhaltung  der  Unbefangenheit  recht  oft
hervorzuheben,  daß  keine  Frau  während  der  Menstruation  krank  zu  sein
braucht.  Die  Mädchen  erziehe  man  in  solcher  Art,  daß  auf  dieselbe  möglichst
wenig  Rücksicht  genommen  wird.  Man  kläre  sie  in  ernster  Weise  über  die
Bedeutung  der  Erscheinung  auf,  lehre  sie  die  richtige  Körperpflege,  lasse  sie
über  nichts  im  unklaren,  sorge  aber  dafür,  daß  der  an  sich  unangenehme
Zustand  nicht  an  die  Oberfläche  komme.  Es  gibt  Familien,  in  welchen  das
ganze  Haus  weiß,  wann  die  Hausfrau  oder  die  Tochter  „unwohl“  sind;
so  auffällig  ist  ihr  Verhalten,  ihre  übertriebene  Pflege  oder  auch  die  offene
Behandlung  der  Sache.  Weder  das  eine  noch  das  andere  ist  notwendig
oder  empfehlenswert.

Andererseits  dürfen  ausgesprochene  Krankheitszustände  nicht  unterdrückt
oder,  wenn  sie  immer  wiederkehren,  unbeachtet  bleiben,  denn  auch  dadurch
entstehen  viele  Nachteile.  Wir  sprechen  augenblicklich  nur  von  gesunder
Menstruation.

Diese  soll  etwa  alle  vier  Wochen,  nicht  öfter  als  elf=  bis  dreizehnmal
im  Jahre  eintreten,  ohne  Schmerzen  verlaufen  und  nie  länger  als  drei  bis
vier  Tage  dauern.  Die  abgehende  Blutmenge  betrage  etwa  200  bis  300  g
Blut;  dieses  sei  gut  gefärbt,  d.  i.  nicht  gelblich  und  nicht  schwärzlich,  enthalte
  auch  nicht  große  Schleimfetzen  und  sickere  nur.  Das  Rieseln  des  Blutes
an  den  Beinen  herunter  bedentet  einen  verstärkten  Blutzufluß  zum  Uterus,
ein  Einreißen  kleiner  Blutgefäße,  das  bedenklich  werden  kann  und  bei  ganz
Gesunden  nicht  eintritt.  Auch  verstärkter  Schleimabgang  vor  und  nach  der
Periode  ist  nicht  notwendig  und  immer  krankhaft,  wenn  er  unangenehm
empfunden  wird.  Leichtes  Ziehen  in  den  Gliedern,  vorübergehender  Kreuzschmerz,
  Unlust  zu  anstrengenden  geistigen  Arbeiten  ist  am  ersten  und  zweiten
Tage  bei  vielen  sonst  gesunden  Frauen  zu  finden  und  hat  nicht  viel  zu  bedeuten.
Es  ist  angezeigt,  an  solchen  Tagen  außergewöhnliche  Anstrengungen  zu
vermeiden,  die  gewöhnlichen  Leistungen  lasse  man  davon  aber  nicht  beeinflussen.

Die  Angst  vor  „Erkältungen“  während  der  Periode  spielt  in  der  Frauenwelt
  eine  große  Rolle.  Es  ist  sicher,  daß  die  meisten  Frauen  in  diesen  Tagen

Die  Frau  als  Hausärztin.  16