Geschlechtsleben.  243

gerade  im  grünen  Wald,  wo  wir  keinen  Staub  und  keine  menschlichen
Wohnungen  haben,  herumspuken!  Wehe  der  Armen  —  —  —

Aber  Spaß  beiseite.  Eine  ganz  gemeine  Mandelentzündung,  die  sich
bei  Personen  von  schlechter  Hauttätigkeit  oder  bei  erhitzender  Kost  (viel  Fleisch
und  täglicher  Alkoholgenuß)  sehr  gerne  einstellt,  war  am  zweiten  Tage  auch
bei  unserer  Heldin  in  schönster  Blüte.  Der  Aufruhr  im  Hause  legte  sich  aber
am  dritten  Tage,  der  „Herr  Doktor“  kam  nicht  mehr  zweimal  täglich,  sondern
nur  einmal,  gab  „kühlende  Arznei“,  sonst  nicht  viel  anderes,  und  —  die
so  stürmisch  begonnene  Halsentzündung  heilte  nach  wenigen  Tagen  sozusagen
„von  alleine“  aus.  Die  Periode  blieb  vollständig  aus;  denn  es  wurde  auch
nichts  getan,  um  die  während  des  Regengusses  entstandene  Wärmestauung,
dann  die  starke  Erregung  der  verweichlichten  Haut  durch  die  ungewohnte
Nässe  wieder  auszugleichen.

Gestorben  also  ist  die  Frau  zwar  nicht;  aber  recht  hatte  sie  mit  ihrer
Behauptung,  daß  man  sich  tüchtig  „erkälten“  kann,  wenn  während  der
Periode  unerwartete  Zufälle  einwirken  und  zwar  —  wie  unsere  Geschichte
lehrt  —  um  so  mehr,  je  schlechter  beschaffen  unsere  Hauttätigkeit  ist  und  je
unreiner  unsere  Körpersäfte  sind.  Trotzdem  war  nur  ihre  Lebensweise  an
solcher  Wirkung  des  Gewitters  schuld,  nicht  die  Erhitzung  und  Nässe
an  sich.

Die  Pflege  der  Reinlichkeit  während  des  sogenannten  „Unwohlseins"
ist  eine  sehr  wichtige  Sache.  Die  Wasserschen  während  dieser  Tage  ist  leider
ganz  allgemein  verbreitet.  Sie  ist  wohl  aus  dem  instinktiven  Gefühl  hervorgegangen,
  daß  man  durch  äußere  Reize  den  Vorgang  nicht  beeinflussen  oder
stören  soll;  sicher  würden  größere  Wasseranwendungen  während  dieser  Tage  auch
unangenehm  empfunden.  In  unserer  nervösen  Welt  ist  letzteres  auch  gar  nicht
zu  bestreiten.  Bäder  werden  meist  während  der  Menstruation  gar  nicht  gut  vertragen,
  machen  reizbar,  verstärken  die  Blutung  oder  bringen  sie  zum  Stillstand.
Immerhin  gibt  es  auch  ruhige  oder  gut  erzogene  Frauen,  die  schadlos  und
sogar  mit  Vorliebe  auch  ihre  kalten  Abwaschungen  am  Morgen  beibehalten.

Man  sieht  daraus,  daß  immer  eine  gewisse  Nervenschwäche  die  letzte
Ursache  der  Wasserscheu  sein  muß.  Wir  müssen  daher  unsere  Verordnungen
auch  ganz  nach  dem  jeweiligen  Körperzustand  einrichten,  denn  niemals  gilt
„eines  für  alle“.

Was  aber  alle  ausführen  können,  Starke  und  Schwache,  Gesunde  und
Kranke,  das  sind  lauwarme  äußere  Waschungen  der  Geschlechtsteile  und
ihrer  nächsten  Umgebung,  um  das  Anhaften  des  Blutes,  das  sich  rasch  zersetzt,
samt  allen  unangenehmen  Ausscheidungen  fortzuschaffen.

Am  besten  geschehen  diese  Abwaschungen  über  dem  Bidet,  indem  man
sich  mit  mehr  oder  minder  gespreizten  Beinen  darauf  setzt  und  das  Wasser
mit  der  Hohlhand  hinaufschleudert.  Siehe  Fig.  149  und  150,  Bidet  ohne

und  mit  Spritze.
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