Geschlechtsleben.  247

unmerklich  soll  er  bei  der  Matrone  versiegen.  Da  aber  bei  ersterer  so  viel
Blutarmut  und  Bleichsucht,  krankhaftes  Wachstum,  Skrophulose  und  ererbte
Nervenschwäche  mitspielen,  so  treten  oft  auch  unangenehme  Erscheinungen
in  dieser  Zeit  auf.  Landaufenthalt,  vernünftig  geregelte  häusliche  Tätigkeit
bringen  am  ehesten  Besserung  und  sind  dem  Stadtleben  und  anstrengenden
Schulleben  weitaus  vorzuziehen.  Wenn  beispielsweise  eine  aufgeschossene
Tochter  von  fünfzehn  Jahren  die  Periode  nur  alle  sechs  bis  acht  Wochen  einmal
  hat,  dabei  über  häufigen  Kopfschmerz  und  Abgeschlagenheit  klagt,  vielleicht
oft  auch  recht  matt  aussieht  und  wenig  Appetit  hat,  dann  warte  man  nicht,
bis  sich  hochgradige  Bleichsucht  bei  ihr  entwickelt,  sondern  entferne  sie  aus
dem  gewohnten  Lebenskreis  und  lasse  sie  einige  Monate  auf  dem  Lande  draußen
barfuß  laufen,  Gartenarbeiten  verrichten,  Hühner  pflegen,  Heu  ausbreiten,
Beeren  suchen  usw.  Wie  stellen  sich  da  mit  den  roten  Wangen  Lebensfreudigkeit
  und  Appetit  ein!  Tritt  mit  der  allgemeinen  Besserung  die  Periode
nicht  regelmäßig  ein,  dann  war  sie  für  den  Kraftzustand  des  Mädchens  überhaupt
  verfrüht.  In  keinem  Falle  ziehe  man  sie  gewaltsam  herbei!  Sie  kommt
von  selbst,  wenn  es  an  der  Zeit  ist.

Es  besteht  der  Glaube,  daß  ihr  pünktliches  Eintreten  Wohlsein  bringe,
während  sich  die  Sache  umgekehrt  verhält:  der  kräftige,  gesunde  Körper
funktioniert  auch  regelmäßig;  er  erzeugt  daher  auch  eine  pünktlich  eintretende
Menstruation;  der  geschwächte  oder  kranke  Organismus  aber  stockt  in  seiner
Tätigkeit;  ein  künstliches  Herbeiziehen  eines  Abganges,  der  nur  das  Produkt
anderer  Vorgänge  sein  kann,  bringt  nicht  Wohlsein,  sondern  Anstrengung
und  daher  häufig  Entkräftung.  Man  sei  in  solchen  Fällen  also  stets  auf
Allgemeinkräftigung  bedacht,  nicht  aber  auf  Erzwingung  einer  Funktion,  die
doch  vom  Ganzen  nicht  abzulösen  ist.

Gesunde,  gut  aussehende  Mädchen  haben  häufig  zu  geringe  und  zu
seltene  Menstruation,  ohne  sich  dabei  irgendwie  krank  zu  fühlen.  Meist  stecken
bei  diesen  nervöse  Einflüsse  dahinter  und  ist  dann  mit  einiger  Sicherheit
anzunehmen,  daß  die  Ehe  günstig  auf  sie  einwirken  wird.  Ja,  man  hat  bei
solchen  Mädchen  beobachtet,  daß  schon  die  Brautzeit  eine  merkwürdige  Beförderung
  herbeiführt,  indem  durch  Nervenreiz  die  Tätigkeit  der  Genitalorgane
  sich  vermehrt.

Ist  das  Aussehen  eines  solchen  Mädchens  aber  nicht  befriedigend  oder
klagt  es  gar  über  Beschwerden,  dann  zögere  man  nicht  mit  ärztlicher  Allgemeinuntersuchung,
  weil  beginnende  Schwindsucht  dahinter  stecken  kann.  Bei
der  Entwicklung  schwerer  Krankheiten  ist  das  plötzliche  Versiegen  der  Monatsblutung
  ein  häufiges  Symptom,  das  man  also  wohl  von  anderen  unterscheiden
  muß.  Man  berate  sich  daher  beizeiten  mit  einem  erfahrenen  Arzt
und  verlasse  sich  nicht  bloß  auf  das  eigene,  ungenügende  Ulrrteil.

Die  Behandlung  der  zu  starken  Menstruation  findet  sich  in  der  Heilkunde
  unter  „Krankhafte  Menstruation“.  Leider  tritt  sie  bei  schwäch-