Geschlechtsleben.  261

und  im  dritten  Jahre  infolge  der  angegebenen  Gründe  trotz  derselben  in
in  andere  Umstände  kamen.  Kein  Wunder!  Dieselben  Mißerfolge  wurden
uns  übrigens  auch  von  der  Schutzkappe  und  der  Schlauchspritze  gemeldet.
Die  Erklärung  dafür  haben  wir  schon  gegeben.  Ein  absolutes  sicheres  Schutzmittel,
  das  unter  allen  Umständen  wirkt  und  niemals  versagt,  gibt  es  ja
nicht  und  wird  es  wohl  auch  niemals  geben.  Nur  die  vollständige
Enthaltsamkeit  gibt  uns  absolute  Sicherheit.  Die  Ansspülung  bei
erhitzten  inneren  Organen  ist  überdies  auch  nicht  ratsam  und  hinterläßt  bei
empfindlichen  Frauen  stets  unangenehme  Empfindungen.  Ausspülungen  mit
kaltem  Wasser  aber  wirken  direkt  krankmachend,  davor  sei  eindringlichst
gewarnt.

Noch  bleibt  uns  übrig,  jener  „dritten  Woche“  Erwähnung  zu  tun,
die  für  die  Empfängnis  die  ungünstigsten  Verhältnisse  bietet,  teils  weil  die
Eizelle  der  letzten  Menstruation  sich  schon  längst  aufgelöst  hat,  teils  weil  das
Ei  der  nächsten  Monatsblutung  noch  nicht  auf  dem  Wege  ist.  (Der  Samen
kann  bekanntlich  nur  seinen  Zweck  erfüllen,  wenn  er  auf  eine  reife  Eizelle
stößt.)  Man  hat  daher  angeraten,  den  Geschlechtsverkehr  unr  auf  diese  Woche
zu  beschränken,  und  dieser  Rat  ist  sicher  gut;  es  kommt  nur  ein  wichtiger
Umstand  dabei  in  Betracht:  die  Unzuverlässigkeit  und  Ungleichheit  der  physiologischen
  Vorgänge  bei  nervösen  Individuen,  daher  auch  die  Unmöglichkeit,
den  Abgang  der  Eizellen  mit  Sicherheit  zu  berechnen.  Es  wird  daher  in
solchen  Fällen  die  Abstinenz  für  drei  Wochen  nichts  helfen,  da  die  Eizelle
ganz  unregelmäßig  auch  in  der  dritten  Woche  zu  treffen  sein  wird.  Nur
bei  sehr  gesunden  und  gemütsruhigen  Frauen  dürften  wir  auf  einigermaßen
zuverlässige  Verhältnisse  rechnen.  Gebrauchen  diese  dann  noch  warme  Nachspülungen,
  so  dürften  sie  lange  vor  der  Schwangerschaft  behütet  bleiben.

Die  geschlechtliche  Erregung  ist  nach  der  Menstruation  bei  der  Frau
am  lebhaftesten,  auch  ihre  Empfänglichkeit  in  dieser  Zeit  die  größte;  es  haben
daher  die  alten  Israeliten  auf  diese  Zeit  besonderen  Wert  gelegt  und  von  ihrer
Benützung  die  sicherste  Vermehrung  ihrer  Familie  erwartet.  Wir  machen  es
umgekehrt!  Wir  verbringen  diese  Zeit  enthaltsam  und  beschränken  uns  zum
geschlechtlichen  Verkehr  auf  jene,  welche  die  geringste  Aussicht  auf  Familienzuwachs
  gestattet.  Immerhin  wäre  diese  Methode  der  Kinderbeschränkung
die  natürlichste,  unschädlichste,  einfachste  und  ästhetischste.  Man  versuche  es
damit,  wo  nicht  absolute  Sicherung  notwendig  ist.  Die  warmen  Nachspülungen
können  im  Bette  bequemer  ausgeführt  werden,  wenn  man  einen  kleinen
Ballon  vorher  mit  warmem  Wasser  füllt,  ein  Mutterrohr  daranschraubt,
diese  Spritze  zu  sich  ins  Bett  nimmt,  damit  sie  warm  bleibt,  und  eine  kleme
Schale  („Eiterbecken")  in  liegender  Stellung  unterhält,  wenn  man  die  Ausspritzung
  unter  der  Bettdecke  vornimmt.  Auf  diese  Weise  kann  man  sich  vor
Abkühlung  und  lästigen  Umständen  bewahren.  Wir  wiederholen  jedoch,  daß
solche  Nachspülungen  nicht  absolut  schützen.  Das  sicherste,  einsachste  und  am