Langlebigkeit  und  Tod.  267

dergleichen.  Kennt  man  die  Ursachen  dieser  Erscheinungen  nicht,  dann  hat
man  zuerst  die  Kleider  zu  öffnen,  frische  Luft  zuzuführen,  künstliche
Atemübungen  zu  machen  bis  der  Arzt  kommt.  (Man  lese  unser  Kapitel
über  „Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen“.)  Stets  denke  man  in  solchen  Fällen
an  die  Möglichkeit  einer  Ohnmacht.  Ist  kein  Wiedererwachen  zu  erzielen,
dann  preise  man  die  leichte,  schöne  Todesart  und  erforsche  die  Lebensweise
des  Toten,  die  solches  Ende  herbeiführte.

Die  Angst  vor  dem  Tode  ist  nur  begründet,  wenn  ihm  schwere  und
langwierige  Krankheiten  vorangehen.  Aber  auch  da  haben  wir  Gegenmittel!

Da  wir  unter  dem  Gesetze  der  Vererbung  stehen  und  oft  für  die
Sünden  unserer  Vorfahren  büßen  müssen,  vermögen  wir  auch  bei  aller  Gesundheitspflege
  nur  bis  zu  gewissen  Grenzen  Kräftigung  und  Langlebigkeit
zu  erzielen;  überdies  kommen  noch  jene  Einflüsse  des  Lebens  in  Betracht,
die  wir  nicht  zu  ändern  vermögen,  z.  B.  solche,  die  mit  unumgänglichen
Erwerbsverhältnissen,  ferner  mit  jenem  seelischen  Leide  zusammenhängen,  das
uns  andere  Menschen  zuweilen  verursachen  usw.  Wir  sind  also  zwar  beschränkt
  in  unserer  Macht,  aber  keineswegs  machtlos.

Auf  die  Frage:  wie  sichern  wir  uns  einen  leichten  Tod  und  ein
schönes  Alter?  antworten  wir  folgendes:

1.  Indem  wir  uns  vor  Arzneisiechtum  bewahren,  weil  dieses  oft
unheilbar  und  die  Ursache  so  manchen  schweren  Todes  geworden  ist.

Alle  stark  wirkenden  Arzneien  sind  mehr  oder  minder  Gifte,  also
Stoffse,  welche  zerstörend  auf  unseren  Organismus  einwirken.  Dies  wissen
wir  vom  Morphium,  Quecksilber,  Belladonna  u.  a.  Je  nach  ihrer  Mischung
mit  anderen  Bestandteilen  oder  nach  der  angewandten  Menge  werden  sie
länger  oder  kürzer  vertragen,  bis  sie  ihre  tödliche  Wirkung  ausüben.  Halten
wir  uns  also  frei  von  Stoffen,  deren  Wirkung  auf  uns  wir  nicht  immer  zu
ermessen  vermögen,  und  die  so  oft  den  Tod  beschleunigen.

2.  Verwandt  der  Arzneivergiftung  ist  jene  der  Alkoholvergistung.
Die  längere  Lebensdauer  der  Abstinenten  ist  erwiesen.  (Siehe  zweites  Kapitel
„Ernährung“,  über  Alkohol.)  Alkohol  ist  für  den  tierischen  Körper  ein
Gift,  das  ihn  langsam  zerstört  und  seiner  besten  Fähigkeiten  beraubt.  Wer
nur  Wasser  trinkt,  bleibt  vor  einer  Menge  von  krankhaften  Zuständen
bewahrt,  welche  die  Entwicklung  gefährlicher  Krankheiten  unterstützen.

3.  Durch  genügende  Zufuhr  von  Nährsalzen  und  durch  reichlichen
Obstgenuß.  Beide  schaffen  uns  gesunde  Körpersäfte,  kräftige  Knochen,  gute
Verdauung,  sind  also  ein  wesentlicher  Faktor  zur  Erhaltung  unserer  Gesundheit.
Es  sei  hier  erinnert  an  die  Geschichten  uralter  Eremiten,  die  bei  Wurzeln  und
Beeren  ein  stilles  Waldleben  führten  und  in  hohem  Alter  einen  sanften  Tod
ohne  Krankheit  fanden.  Was  hatte  ihnen  diese  Vorzüge  verschafft,  Gesundheit,
  Langlebigkeit  und  leichten  Tod?  Ihre  Lebensweise,  ihre  Nahrung.

4.  Durch  körperliche  Arbeit  und  Genuß  reiner  Luft.  Müßig-