270  Die  Keimzellen  und  ihre  Vereinigung.

Die  Art  des  Eindringens  der  männlichen  Samenfäden  in  die  Eizelle
ist  aus  Fig.  163  ersichtlich.  Wir  haben  hier  zwar  nur  den  Vorgang  an  dem
Ei  eines  niederen  Tieres  vor  uns,  sehen  auch  gleichzeitig  fünf  Samenfäden
vordringen,  aber  das  Wesentliche  dabei  ist  überall  das  gleiche,  also  auch  beim
menschlichen  Ei.  Zu  bemerken  ist  hierbei
  jedoch,  daß  beim  Menschen  nur  ein
Samenfaden  in  der  Regel  eindringt.
Unter  welchen  Umständen  und  mit  welchen
Folgen  mehrere  Samenfäden  sich  einbohren,
  ist  noch  nicht  bekannt.

Ist  es  richtig,  daß  bei  jeder  Begattung
  an  800  Millionen  Samenfäden
(Spermatozoen)  in  die  weiblichen  Teile
ergossen  werden,  und  hält  man  dagegen,
daß  ein  Samenfaden  genügen  soll,  um
ein  Ei  zu  befruchten,  so  ist  man  über
Eizelle  des  Menschen  in  reifem  Zustande.  diese  Verschwendung  der  Natur  er-D
  Dotter.  K  Keimbläschen  mit  Keimfleck.  staunt  und  fragt  sich:  wozu?!  Außerdem

bleibt  der  Samen  oft  an  acht  Tage  im
weiblichen  Organismus  zeugungssähig  und  ist  von  außerordentlicher  Lebensfähigkeit.
  Angesichts  solcher  Tatsachen  muß  man  sich  wundern,  daß  nicht
noch  häufiger  Befruchtung  eintritt.  Sicher  ist  dieser  Umstand  entweder  auf
weniger  energische  Bewegung  des  Samens  oder  auf  besondere  Beschaffenheit
der  Eizelle  und  der  weiblichen  Organe  zurückzuführen,  weil  das  Keimbläschen
der  Eizelle  oder  die  Schleimhaut  der  Gebärmutter
zu  den  notwendigen
Umänderungen  vielleicht
  nicht  immer
gleichbefähigt  sind.

Bei  den  Säuge-Gallerthülle

  eines  See=  tieren,  die  größten  Teil  eines  befruchteten  Srosch-Gies
stern-Eies  mit  eindringen-  à  „  vor  der  Verschmelzung  des  Samen
den  Samenfäden.  ausgenommen,  wer=  mit  dem  Eikern  zum  Furchungskern.

den  immer  mehrere
Eier  befruchtet;  daher  wirft  die  Hündin  vier  bis  acht  Junge,  Kuh,  Elefant
nsw.  aber  nur  eines;  aber  auch  der  Mensch  kann  zwei  und  selbst  vier  Früchte
gleichzeitig  tragen  und  gebären,  was  uns  beweist,  daß  zuweilen  auch  mehrere
Eier  im  Uterus  anwesend  sind  und  befruchtet  werden.  Man  spricht  dann
von  einer  „Überschwängerung“  und  —  bedauert  die  reichen  Eltern.
Gewöhnlich  sind  diese  Früchte  nicht  lebensfähig.

Bei  Anwesenheit  so  vieler  kräftiger  Samenfäden,  bei  der  stets  vorhandenen
Möglichkeit,  daß  nicht  nur  ein,  sondern  sogar  mehrere  normale  Eizellen  ihnen
begegnen,  wird  es  uns  klar,  wie  schwierig  die  künstliche  Verhütung  der