272  Die  Keimzellen  und  ihre  Vereinigung.

Organe  und  Gewebe  des  menschlichen  Körpers  in  ihrer  ersten  Anlage  aus
nur  drei  übereinandergelagerten  Schichten  von  Zellen  entstehen,  den  sogenannten
  Keimblättern,  und  daß  demnach  jede  dieser  Schichten  zur  Uranlage
  für  gewisse  Gewebe  wird.  Man  unterscheidet  ein  äußeres,  mittleres
und  inneres  Keimblatt.  Aus  dem  äußeren  entstehen  Hant,  Nerven,
Sinnesorgane,  aus  dem  mittleren  Knochen,  Muskeln,  Bindegewebe,  aus  dem
inneren  die  drüsigen  Organe  und  der  Verdanungsschlauch.

Daran  schließen  wir  die  Darstellung  der  Stufenfolge  der  körperlichen  Entwicklung
  des  Menschen,  damit  der  Leserin  das  Wachstum  der  winzigen  befruchteten
Eizelle  und  die  Entstehung  des  Menschen  anschaulich
  vorgeführt  werde.  (Siehe  Fig.  165—174.)

Aus  der  ersten  Woche  der  Entwicklung  des
menschlichen  Eies  fehlen  genauere  Beobachtungen;

J  wir  haben  nur  tierische  Eier  erforscht.  Am
%%  zwölften  Tage  ist  das  befruchtete  Ei  ein  kleines
«-«  Bläschen,  mit  Zöttchen  besetzt,  von  einem  halben
Zentimeter  im  Durchmesser.  Dann  kommt  die
tierische  Form  immer  mehr  zum  Durchbruch.  Die
»  Krümmung  des  Kopfes  und  Rumpfes  sowie  die  An-*
  *  näherung  des  schwanzförmigen  Körperendes  an  den
Fig.  175.  Einlagerung  des  be=  Kopf  fällt  auf.  Mit  vier  Wochen  ist  der  Embryo
fenchteten  Sies  u  die  Gebür-  einen  Zentimeter  lang.  Im  zweiten  Monat  ent-G
  Gebärmutterhöhle.  wickelt  sich  die  bleibende  Körperform,  und  am  Anuchernde
  Schleimhant.  fang  des  dritten  ist  die  Menschengestalt  in  ihren
Hauptzügen  angelegt.  Dann  wachsen  Hände

und  Füße  dentlich  aus;  im  vierten  wird  das  Geschlecht  erkennbar,  und
in  den  nachfolgenden  findet  hauptsächlich  Gewichts-  und  Längenzunahme  statt.

Unsere  Abbildungen  165—174  zeigen  uns  die  Entwicklung  des  Embryos
bis  zum  dritten  Monat.

Der  große  Kopf,  die  zurückgebliebenen  Beine,  die  weit  auseinanderstehenden
  Augen,  der  große  Mund,  die  unfertige  Nase  fallen  in  diesen  halb
tierischen  Gebilden  auf.  Durch  Verwachsung,  Annäherung,  Verkleinerung  und
Vergrößerung  dieser  und  jener  Teile  entstehen  allmählich  das  menschliche
Antlitz,  die  menschliche  Körperform,  was  allerdings  oft  schwer  glaublich  erscheint,
  wenn  man  die  Zwischenformen  nicht  genau  betrachtet.  Der  geringe
Unterschied  zwischen  tierischen  und  menschlichen  Embryonen  ist  aus  unserer
Zeichnung  ersichtlich.

Die  Einbettung  des  befruchteten  Eies  in  die  Gebärmutterschleimhaut
führt  uns  Fig.  175  vor.  Wir  sehen  die  Schleimhant  der  Gebärmutter  sich
verdicken  und  wuchern;  die  Eizelle  wird  von  ihr  umschlossen  und  festgehalten,
und  nun  entwickelt  sich  durch  sie  die  Verbindung  der  Frucht  mit  dem  mütterlichen
  Körper:  die  Plazenta,  das  ist  der  Mutterkuchen.