über  die  Bestimmung  des  Geschlechts.  273

über  die  Bestimmung  des  Geschlechts.

In  der  letzten  Zeit  wurde  die  Frage  der  Geschlechtsbestimmung  viel
erörtert.  Die  Möglichkeit,  das  Geschlecht  seiner  Kinder  willkürlich  zu  bestimmen,
hat  sehr  viel  Bestechendes  für  sich  und  wirkt  demgemäß  erregend  auf  viele
Gemüter.  Gewisse  Theorien  haben  von  jeher  Geltung  gehabt,  wie  z.  B.  jene
uber  den  Einfluß  des  Alters  der  Eltern  oder  des  geistigen  Übergewichts  eines
der  Gatten;  durch  das  Buch  des  Wiener  Professors  Schenk  aber  sind  ganz
neue  Gesichtspunkte  in  den  Vordergrund  getreten.  Er  führt,  gestützt  auf  ähnliche
  Vorgänge  in  der  Tierwelt  und  auf  vieljährige  Beobachtungen,  die  Entwicklung
  des  Geschlechts  hauptsächlich  auf  die  Ernährung  der  Mutter  zurück  und
behauptet,  daß  vermehrter  Eiweißzerfall  im  Organismus  der  Mutter  während
der  ersten  zwei  Schwangerschaftsmonate  mämnliches  Geschlecht  des  Kindes  bewirke,
  dagegen  eine  an  Stärkemehl  reichere  Nahrung  weibliches  Geschlecht  des
Kindes.  Naturforscher  und  Landwirte  bestätigen  aus  alter  Erfahrung,  daß  man
durch  die  Art  der  Ernährung  auf  die  Geschlechtsbildung  entschiedenen  Einfluß
gewinnen  könne,  und  zwar  ist  dies  besonders  bekannt  bei  gewissen  Insekten  und
bei  den  Rindern.  Schenk  führt  weiter  aus,  daß  nur  die  Mutter  bestimmend  für
das  Geschlecht  sei  und  der  Vater  keinen  Einfluß  darauf  habe,  und  damit  stimmt
eine  andere  Hypothese  überein,  nach  welcher  das  Geschlecht  in  der  Eizelle  schon
vorgebildet  sei.  Ist  es  aber  richtig,  daß  die  Keimzellen  überhaupt  die  Vorbedingung
  zur  Bildung  eines  Sprößlings  vom  anderen  Geschlecht  in  sich  tragen,
also  jede  kräftige  Eizelle  nach  eingetretener  Befruchtung  einen  Knaben  erzeugen
  muß,  die  kräftige  Samenzelle  aber,  wenn  ihr  Einfluß  überwiegt,
ein  Mädchen,  so  wäre  auch  die  Geschlechtsbildung  nur  vom  Kraftverhältnis  der
Zeugenden  zu  einander  abhängig,  nicht  aber  nur  von  der  Mutter  und  ihrer
Ernährung.  Folgende  Beispiele  aus  dem  Leben  würden  die  Richtigkeit  dieser
Annahme  beweisen.  Erstes  Ehepaar:  Mann  um  15  Jahre  iälter  als  die  Frau,
robust,  genußsüchtig,  lebensfroh,  starb  mit  72  Jahren;  die  Fran  zart,  empfindlich
und  unselbständig,  starb  mit  46  Jahren;  sie  erzeugten  nur  zwei  Töchter,
außerehelich  hatte  der  Mann  aber  auch  noch  eine  Tochter  und  keinen  Sohn.
Dies  würde  beweisen,  daß  seine  kräftigen  und  reichlichen  Samenzellen  stets
überwogen  und  daher  das  Geschlecht  bestimmten.  Zweites  Ehepaar:  Mann
um  drei  Jahre  älter,  willensschwach,  nachgiebig,  kränklich;  die  Frau  energisch,
selbständig,  die  Führerin  der  Ehe,  von  einem  kräftigen  Vater  stammend.
Sie  erzeugten  drei  Kinder,  das  erste  zwar  ein  Mädchen,  der  Mutter  aber
auffallend  ähnlich,  das  zweite  und  dritte  waren  Knaben.  Hätte  sie  noch
mehr  Kinder  gehabt,  würden  die  Söhne  sicher  zahlreicher  als  die  Töchter
gewesen  sein.  Diese  zwei  Beispiele  kann  jeder  mit  Leichtigkeit  vermehren,
wenn  er  in  seinem  Bekanntenkreise  Umschau  hält  und  sich  das  Wesen  der
Gatten  vergegenwärtigt,  dann  die  Zahl  und  das  Geschlecht  ihrer  Kinder.
Daß  man  außerdem  „Männer-"  und  „Frauenehen“  durch  eine  zielbewußte

Tie  Frau  als  Hausärztin.  18