Zeit  der  Schwangerschaft.  279

vieler  weiblicher  Unterleibserkrankungen,  können  demnach  an  sich  niemals  als
sichere  Zeichen  der  Schwangerschaft  gelten.  Sie  haben  nur  dort  Anspruch
auf  volle  Geltung,  wo  im  übrigen  Gesundheit  herrscht  und  vielleicht  von
jrüheren  Schwangerschaften  her  ein  gewisser  Komplex  von  Erscheinungen  be—
kannt  ist,  der  dann  allerdings  meist  untrüglich  ist;  hinzugesetzt  muß  hier
werden:  untrüglich  für  eine  Frau,  nicht  für  andere.  Nun  wird  vielleicht  die
Frage  aufgeworfen,  ob  denn  der  Arzt  durch  eine  innere  Untersuchung  nicht  vor
dem  fünften  Monat  mit  Bestimmtheit  Schwangerschaft  nachweisen  kann?  Unsere
Antwort  lautet:  dies  kann  er  dann  immer,  wenn  vorher  normale  Verhältnisse
vorlagen,  also  beispielsweise  kein  krankhaft  veränderter,  verdickter  Uterus,  der
leicht  Schwangerschaft  vortäuschen  kann,  vorher  schon  bestand.  Er  findet  dann
eine  aufgequollene  Scheide,  ebensolche  Muttermundslippen,  verdickten,  weichen
Uterus  und  noch  verschiedene  Verfärbungen  an  den  Geschlechtsteilen  und  den
Bauchdecken.  Dies  sind  jedoch  Anzeichen,  die  für  den  Nichtarzt  keine  Geltung
haben.  Sie  machen  Schwangerschaft  in  hohem  Grade  wahrscheinlich.

Um  eine  annähernd  zutreffende  Berechnung  der  Schwangerschaft  zu  ermöglichen,
  rechnet  man  seit  jeher  vom  ersten  Tage  der  letzten  Menstruation
an  280  Tage,  das  sind  zehn  Monate  zu  28  Tagen;  um  den  Tag  der  Geburt
jedoch  annähernd  zu  treffen,  werden  drei  Monate  vom  ersten  Menstruationstage
  zurückgerechnet,  ein  Jahr  und  noch  sieben  Tage  zugezählt.  Der  siebente
Tag  pflegt  dann  gewöhnlich  der  Tag  der  Geburt  zu  sein.  Folgendes  Beispiel
macht  dies  deutlicher:  Der  erste  Tag  der  letzten  Menstrnation  sei  der  1.  Mai
gewesen,  dann  rechnet  man  drei  Monate  zurück  und  kommt  auf  den  1.  Februar,
verlegt  diesen  ins  nächste  Jahr  und  zählt  sieben  Tage  zu;  der  Tag  der
Geburt  wäre  dann  voraussichtlich  der  8.  Februar,  mindestens  fällt  die
Geburt  ins  erste  Drittel  des  Monats  Februar.

Um  über  das  Wachstum  der  schwangeren  Gebärmutter  klare  Vorstellungen
zu  geben,  fügen  wir  noch  bei,  daß  sie  im  zweiten  Kalendermonat  die  Größe
eines  Gänseeies  hat,  im  dritten  schon  klein  kindskopfgroß  ist,  im  fünften
steht  sie  zwei  Querfinger  breit  unter  dem  Nabel,  im  sechsten  erreicht  sie  Nabelhöhe,
  im  siebenten  steigt  sie  drei  Finger  breit  über  den  Nabel,  im  achten
und  neunten  aber  erhebt  sie  sich  bis  zum  Rippenbogen,  und  der  Leibesumfang
  beträgt  dann  meist  100  bis  110  Zentimeter.  Aus  dem  Hochstand
der  Gebärmutter  kann  also  das  Alter  der  Schwangerschaft,  auch  wenn  andere
Anzeichen  nicht  bekannt  sind,  auch  ziemlich  genau  gefunden  werden.  Täuschungen
können  nur  entstehen,  wenn  die  Frucht  entweder  sehr  zurückgeblieben  und
die  Gebärmutter  dann  zu  klein  ist,  oder  wenn  sie  infolge  großer  Mengen
von  Fruchtwasser  zu  groß  ist.  In  beiden  Fällen  gibt  es  also  falsche,  irreführende
  Grenzen.

Wir  bringen  in  folgendem  einen  Schwangerschaftskalender,  der
es  jeder  Frau,  die  den  ersten  Tag  ihrer  letzten  Menstruation  kennt,  sehr
erleichtert,  den  Tag  der  bevorstehenden  Entbindung  festzustellen.