Verhalten  während  der  Schwangerschaft.  281

Verhalten  während  der  Schwangerschaft.

Bedarf  es  für  eine  gesunde  Frau  besonderer  Verhaltungsmaßregeln
für  diese  Zeit?  —  Nein!  Was  sie  zu  beachten  hat,  läßt  sich  in  einen  Satz
zusammenfassen:  Sie  vermeide  Schädlichkeiten  und  führe  ein  gesundheitsgemäßes
  Leben.

Was  man  unter  einem  „gesundheitsgemäßen“  Leben  zu  verstehen  habe,
das  geht  schon  ans  dem  I.  Teil  unseres  Buches  hervor,  und  das  wird  jeder
in  sein  Leben  zu  übertragen  vermögen,  der  diesen  I.  Teil  aufmerksam  gelesen
  hat.  Wir  wiederholen  bloß,  daß  zur  Gesunderhaltung  jedes  Menschen,
also  auch  der  Schwangeren,  notwendig  ist:  genügende  Nahrung,  die
nicht  krank  macht,  reichliche  Zufuhr  frischer  Luft,  welche  unser  Blut
gesund  hält,  Bewegung  und  Ruhe,  also  auch  Arbeit  und  Schlaf,  die
das  Gleichgewicht  des  Körpers  und  der  Seele  sichern,  Mäßigkeit  in  allen
Genüssen,  vor  allem  hinsichtlich  des  Geschlechtslebens,  vernünftige
Kleidung  und  Hautpflege,  welche  Gesundheit  und  Schönheit  des  Körpers
bewahren.

Das  klingt  ja  leichtverständlich,  aber  gibt  es  nicht  zahlreiche  Frauen,
welche  die  Wichtigkeit  dieser  Forderungen  zwar  gelten  lassen,  trotzdem  aber
teils  aus  Unklarheit,  teils  ans  zu  großer  Nachgiebigkeit  gegen  ihre  Umgebung
nur  zu  oft  ihnen  zuwiderhandeln?  Leider  gibt  es  viele  solche,  und  daher
hait  die  Erfahrung  gelehrt,  daß  es  nutzbringender  ist,  zu  sagen,  was  alles
zu  vermeiden  sei,  statt  bloß  allgemeine  Regeln  zu  geben,  die  so  viele
ihren  eigenen  Verhältnissen  nicht  anzupassen  vermögen.  Die  Zeit  der
Schwangerschaft  ist  eine  so  wichtige  für  Mutter  und  Kind;  sie  kann  den  ersten
Grund  zu  so  vielem  Unglück  legen,  daß  sie  wahrlich  verdient,  mit  allem
Ernste  behandelt  zu  werden.  Es  gibt  ebenso  viele  Frauen,  welche  mit
beispiellosem  Leichtsinn  ohne  eine  Empfindung  für  die  Heiligkeit  dieses
Zustandes  dahinleben,  wie  solche,  die  aus  einer  Angstlichkeit  und  einer
Übertreibung  in  die  andere  fallen.  Sie  müssen  auf  den  rechten  Mittelweg
geleitet  werden!  Nicht  frivole  Sorglosigkeit  gegenüber  der  Verantwortlichkeit,
die  jede  Frau  ihrem  werdenden  Kinde  gegenüber  empfinden  muß,  nicht  kindische
libertreibung  aller  mit  der  Schwangerschaft  verbundenen  kleinen  Beschwerden
und  nicht  selbstsüchtige  Angst  vor  dem,  was  da  noch  kommen  soll,  sondern  klares
Denken  über  den  natürlichen  Zustand,  welcher  der  Fran  zur  Erringung  ihres
höchsten  Glückes,  der  Mutterschaft,  verhelfen  soll,  Vertiefung  in  ihre  Aufgaben,
deren  hingebende  Erfüllung  sie  dem  Kinde  schon  vor  seiner  Geburt  schuldig
ist,  vernünftige  Regelung  ihres  Lebens  aus  diesen  Gründen,  —  dies  soll
jede  werdende  Mutter  leiten  und  erfüllen.

Wie  es  aber  tatsächlich  im  Leben  oft  zugeht,  dies  lehren  uns
folgende  Geschichtchen,  die  die  Verfasserin  in  ihrer  ärztlichen  Praxis  selbst