288  Lebensregeln  für  die  Schwangerschaft.

beobachten,  daß  der  Stuhlgang  bei  solcher  Pflege  vorzüglich  bleibt,  daß  im
Unterleibe  ein  angenehmes,  leichtes  Gefühl  vorherrscht,  das  vielen  Schwangeren
fehlt,  und  daß  schließlich  nur  die  Sitzbäder  jene  Reinlichkeitsverhältnisse
schaffen,  wie  sie  gerade  Frauen  in  diesem  Zustande  stets  erstreben  sollten.
Grund  genug,  um  die  kleine  Anstrengung  nicht  zu  scheuen.  (Siehe  Sitzbad
Fig.  179.)  Macht  man  nebenher  noch  wöchentlich  ein-  bis  zweimal  kühle
Abwaschungen  des  ganzen  Körpers  oder  ein  Vollbad,  aber  auch  nur  von
fünf  Minuten  Dauer  und  mit  Abkühlung  bis  24%  oder  20°  C.,  ferner  niemals
heißer  als  wie  Bluttemperatur,  das  ist  37°  C.,  so  hat  man  allen  Anforderungen,
  die  an  Gesunde  gestellt  werden  können,  genügt.  Wer  an  Luftbäder
  gewöhnt  ist,  vernachlässige  diese  ja  nicht;  sie  sind  für  schwächlichere
Personen  sehr  stärkend  und  ersetzen  in  der  zweiten  Hälfte  der  Schwangerschaft
sogar  die  Wasserbäder.  "

4.  Bewegung.  Während  die  einen  jede  Anstrengung  möglichst  meiden,
muten  die  anderen  sich  auch  Ungewohntes  zu  und  bringen  sich  in  leichtsinniger
Weise  in  Gefahr,  so  z.  B.,  wenn  junge,  vielleicht  etwas  blutarme  Frauen  im
dritten  und  vierten  Monat  Tanz-Unterhaltungen  mitmachen  oder  eine  Nacht
durch  große  Wäsche  waschen  oder  sich  einem  anstrengenden  Ausflug  anschließen,
Berge  ersteigen  und  dergleichen.  Das  sind  Zumutungen,  die  auch  Gesunden
übel  bekommen  können,  wenn  sie  daraufhin  nicht  dressiert  sind  oder  keinen
sehr  widerstandsfähigen  Körper  haben.  Dergleichen  hat  eine  schwangere  Frau
also  zu  unterlassen!  Dagegen  sei  sie  bemüht,  täglich  ins  Freie  zu  kommen
und  bei  jedem  Wetter  Ausgänge  zu  machen,  und  sie  glaube  nicht,  daß
ermüdende  Tätigkeit  im  Hause  gleichmäßiges  Gehen  in  frischer  Luft  ersetzen
könne.  Hat  sie  aber  Garten  und  freie  Plätze  zur  Verfügung  und  erlaubt  es  die
Jahreszeit,  dann  sitze  sie  täglich  auch  mehrere  Stunden  im  Grünen,  mit  Handarbeiten
  oder  leichter  Lektüre  beschäftigt,  oder  verrichte  zur  Abwechslung  auch
eimmal  gewohnte  Gartenarbeiten.  Wer  in  häuslichen  Arbeiten  geübt  ist,  setzt
diese  natürlich  fort,  doch  niemals  bis  zur  Erschöpfung,  und  wer  schon  mehrmals
  geboren  hat,  mute  sich  nicht  zu,  schwere  Kohleneimer  zu  heben,  Vorhänge
zu  stecken,  hochhängende  Wische  abzunehmen  und  dergleichen  mehr.  Gesunde
Menschen,  die  ein  tätiges  und  vernünftiges  Leben  führen,  sind  auch  bei
solchen  Anlässen  unbefangen,  ruhig  und  nicht  zu  Absonderlichkeiten  geneigt;
sie  suchen  nach  allen  Seiten  das  Rechte  und  verstehen  es,  sich  von  übertreibungen
  freizuhalten.  So  wie  aber  geplagte  Familienmütter  meist  zu  wenig
Rücksicht  auf  ihren  Zustand  nehmen,  so  sind  umgekehrt  verwöhnte  und  verkehrt
erzogene  Frauchen  in  übertriebenster  Weise  um  sich  besorgt  und  wagen  keinen
Schritt  vor  das  Haus,  keinen  Schluck  frischen  Wassers,  kein  offenes  Fenster,
ohne  ängstlich  ihren  Hausarzt  zu  fragen,  ob  es  ihnen  auch  wirklich  nichts
schade.  Da  handelt  es  sich  also  um  grobe  Unkenntnis  in  allen  gesundheitlichen
Fragen,  um  anerzogene  Weichlichkeit,  um  oft  angeborene  Unselbständigkeit,
und  da  heißt  es  denn  auch  energisch  auf  Bewegung  im  Freien  und  vernünftige