Lebensregeln  für  die  Schwangerschaft.  289

Tätigkeit  im  Hause  dringen,  damit  gesunde  Verhältnisse  geschaffen  werden,
erfrischende  Hautpflege  einführen  und  eine  allzu  reichliche  Ernährung  verhüten.
Nur  kein  Müßiggang,  keine  überfütterung;  denn  diese  sind  die
Quellen  zahlreicher  lübel  in  der  Frauenwelt.

Krankhafte  Schwangerschaft  und  ihre  Behand  lung.  Unser
erster  Grundsatz  lautet:  Kranke  Franen  sollen  überhaupt  nicht
schwanger  werden!  Unser  zweiter:  Ist  es  geschehen,  dann  kann
nur  naturgemäße  Pflege,  Versetzen  in  gesunde  Lebensverhältnisse
  Mutter  und  Kind  vor  Schädigung  bewahren,  wenn  die  Verhältnisse
nicht  so  ernste  sind,  daß  eine  künstliche  Frühgeburt  angezeigt  scheint,  wodurch
eine  Verschlimmerung  des  Zustandes  der  Frau  verhütet  und  ein  elendes
Menschenkind  weniger  in  die  Welt  gesetzt  wird.

Mit  der  zunehmenden  geistigen  und  wirtschaftlichen  Selbständigkeit  der
Frauen,  mit  der  allgemein  besser  werdenden  hygienischen  Bildung  werden  die
traurigen  Fälle  immer  seltener  werden,  in  welchen  junge  Frauen  ohne  Urteil
über  ihre  körperlichen  Zustände  sich  der  Gefahr  der  Empfängnis  aussetzen,
oder  anständige  Ehemänner  durch  Leichtsinn  ihre  jungen,  schwächlichen  Frauen
zugrunde  richten.  Man  wird  lernen,  über  die  Verantwortlichkeit  nachzudenken,
  welche  die  Elternschaft  auferlegt;  man  wird  sich  prüfen,  bevor  man
eine  Ehe  eingeht,  und  man  wird  Selbstbeherrschung  und  Vorsicht  in  der  Ehe
üben.  Die  wohltätige  Folge  wird  sein:  weniger  kranke  Frauen  und  keine
elenden  Kinder!  Und  das  ist  ein  Lohn,  welcher  der  Mühe  wert  ist.

In  einem  städtischen  Krankenhause  starb  einmal  eine  arme  Frau  an  allgemeiner
  Schwäche  bei  angeblich  hochgradiger  Magenerweiterung  nach  jahrelangem
  Leiden;  sie  kam  zur  Sektion,  und  Verfasserin  wohnte  dieser  als  Studierende
  der  Medizin  bei.  Als  man  den  Leib  öffnete,  erblickten  die  Beschauer
keinen  erweiterten  Magen,  sondern  eine  bedeutend  vergrößerte  Gebärmutter.
Man  schnitt  diese  auf  und  —  hob  einen  sechs  Monate  alten  Fötus  heraus.

Was  lehrte  diese  grausige  Geschichte?  Daß  diese  arme  Frau  trotz  großer
Leiden  ihrem  Manne  wenige  Monate  vor  ihrem  Tode  noch  zu  Willen  sein
mußte,  und  daß  sie  trotz  ihrer  Schwäche  die  Beschwerden  einer  Schwangerschaft
  ertragen  mußte,  die  ihren  Zustand  zweifellos  sehr  verschlimmerte.  Hätte
sie  sich  davor  zu  schützen  gewußt,  oder  wäre  ihr  Mann  rücksichtsvoller  gegen
sie  gewesen,  so  wären  ihre  Leiden  nicht  so  große  geworden.

Bekannte  Beschwerden  bei  krankhafter  Schwangerschaft  sind  geschwollene
Beine.  Wenn  diese  sich  während  der  Schwangerschaft  einstellen,  lasse  man
sofort  den  Urin  untersuchen;  enthält  er  Eiweiß,  dann  sind  die  Nieren  erkrankt,
  und  der  Zustand  der  Frau  kann  bei  Vernachlässigung  ernst  werden.
Ist  der.  Urin  aber  normal,  dann  handelt  es  sich  um  Wässerigkeit  des  Blutes
(Hydrämie),  welche  meist  schon  vor  der  Schwangerschaft  bestand.  Eine  richtig
angepaßte  Diät,  verschiedene  Bäder,  je  nach  dem  Zustand  der  Frau  zusammengestellt,
  können  wohl  Besserung  bringen;  die  Heilung  ist  aber  gewöhnüch  erst

Tie  Frau  als  Hausärztin.