290  Lebensregeln  für  die  Schwangerschaft.

nach  Beendigung  der  Schwangerschaft  möglich.  Man  stelle  sich  unter  gute
ärztliche  Leitung,  damit  nichts  versäumt  werde,  um  das  Gedeihen  des  Kindes
einigermaßen  zu  sichern.  Starke  Druckwirkung  vom  Becken  aus  ist  auch  oft
die  Ursache  von  Schwellungen,  die  vollständig  nach  der  Geburt  verschwinden.
Zur  Erleichterung  mögen  solche  Frauen  den  Junogürtel  tragen,  für  täglichen
  weichen  Stuhl  sorgen,  damit  der  volle  Darm  ja  nicht  die  Druckwirkung
erhöht,  und  tägliche  übergießungen  machen.  (Siehe  Fig.  372.)  Es  bleibt
dann  die  Herzkraft  besser,  und  die  Beschwerden  werden  geringer.

Ganz  ähnlich  ist  die  Behandlung  bei  „Krampfadern“,  die  während
der  Dauer  der  Schwangerschaft  auch  zuweilen  an  den  Geschlechtsteilen  auftreten.
  Stützt  man  den  schweren  Leib  durch  den  Juno-Gürtel,  oder  bei  sehr
schwerem  Bauch  durch  den  Platen-Garmsschen,  so  läßt  der  Druck  sofort
nach,  und  die  hervorgetretenen  Adern  werden  dünner.  Sitzbäder  bei  gleichzeitiger
  Neigung  zu  Stuhlverstopfung  oder  ÜUbergießungen  wie  oben  sind  dann
gleichzeitig  am  Platze.  Spannen  und  stechen  die  geschwollenen  Beine  oder
die  Krampfadern  beim  Stehen  und  Gehen,  dann  bleibe  man  nicht  etwa  liegen,
um  alle  Anstrengungen  zu  vermeiden,  sondern  wickle  das  Bein,  wie  Fig.  263
zeigt,  mit  der  Teufelschen  Diakonbinde,  wodurch  man  guten  Halt  gewinnt
und  die  Beine  normalere  Gestalt  erhalten.  Nachts  entferne  man  die  Wickel,
und  morgens  lege  man  sie  stets  nach  der  übergießung  an.  Bewegung  braucht
jede  Schwangere,  um  gesunden  Stoffwechsel  zu  erhalten;  eine  Schwangerschaft,
welche  nur  durch  Liegen  zu  Ende  geführt  werden  kann,  ist  eine  traurige  und
gestattet  für  die  Gesundheit  des  Kindes  selten  eine  gute  Vorhersage.

Platzt  eine  vorspringende  Ader  und  tritt  eine  Blutung  ein,  so  ist  diese,
sofern  sie  gering  ist,  nur  wohltätig  und  erleichternd;  dauert  sie  aber  zu  lange,
so  müssen  Bettruhe  und  Anwendung  eines  Druckverbands  eintreten  (siehe
Fig  311),  damit  die  Blutung  steht.  Kommt  sie  wieder,  so  muß  vom  Arzt
eine  Umstechung  vorgenommen  werden,  da  die  Gefahr  der  Verblutung,  besonders
  bei  eingerissenen  Gefäßen  an  den  Schamteilen,  besteht.  Hält  man
jedoch  eine  milde,  leichte  Kost  ein  und  macht  man  zur  Verheilung  der  kleinen
Wunde  laue  Aufschläge  bei  eingehaltener  horizontaler  Lage,  so  wird  operatives
Eingreifen  selten  nötig  werden.

Sehr  gefährlich  kann  auch  das  Erbrechen  Schwangerer  werden.  Erfolgt
es  täglich  nach  jeder  Nahrungsaufnahme,  sogar  auch  bei  leerem  Magen  infolge
des  von  der  Gebärmutter  aus  wirkenden  Druckes  und  Reizes,  so  treten  bald  zunehmende
  Schwäche,  tiefe  Gemütsverstimmung  und  schließlich  rasche  Abmagerung
ein,  dazu  heftige  Schmerzen  in  der  Magengegend,  Widerwille  vor  jeder  Nahrungsaufnahme,
  starkes  Durstgefühl,  schlechter  Puls,  endlich  Ohnmachten,  welche  auch
in  den  Tod  übergehen  können,  wenn  nicht  rasche  Hilfe  noch  eintritt.  Die  Frucht
wird  zuweilen  in  dieser  Zeit  ausgestoßen;  oft  bessert  sich  der  Zustand  auch  von
selbst,  wenn  die  Schwangerschaft  in  ihre  zweite  Hälfte  tritt.  Am  gefährlichsten
ist  das  Erbrechen,  wenn  es  sich  in  die  zweite  Hälfte  der  Schwangerschaft  fortsetzt.