294  Leitfaden  für  gesunde  Erstgebärende.

lichen  wie  geistigen  Schlacken  Sorge  zu  tragen.  Aufklärung  über  die  Vor—
gänge  im  eigenen  Körper  führen  zu  einer  gewissen  Ruhe  des  Geistes  und
verscheuchen  kindische  Augst;  doch  darf  die  Aufklärung  nicht  in  Beschreibung
seltener  und  schwerer  Krankheitszustände  bestehen,  die  vielleicht  noch  mit  er—
schreckenden  Abbildungen  versehen  sind  (nach  dem  Muster  gewisser  populärmedizinischer
  Bücher!),  welche  von  Nichtärzten  nur  zu  leicht  mißverstanden
werden.  Es  werde  vielmehr  die  Natürlichkeit  und  Notwendigkeit  gewisser
Vorgänge  betont  und  bewiesen,  wie  unbegründet  Angstlichkeit  bei  normalen
Verhältnissen  ist.  Dann  lernt  auch  ein  nervös  erregtes  Frauchen,  allem
Kommenden  mit  ruhigem  Gemüte  entgegenzusehen,  und  diese  Errungenschaft
kommt  oft  schon  einer  halben  Heilung  gleich.

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Leitfaden  für  eine  gelunde  Erstgebärende.

Obwohl  alles  Nötige  in  den  verschiedenen  Kapiteln  enthalten  ist,  so  hat
doch  die  Erfahrung  gelehrt,  daß  unvorbereitete  junge  Mütter,  die  niemals
Gelegenheit  hatten,  bei  anderen  Frauen  die  Wochenpflege  kennen  zu  lernen,
ratlos  vor  den  Vorgängen  am  eigenen  Körper  stehen  und  nicht  imstande  sind,
die  in  unserem  Buche  gegebenen  allgemeinen  Lehren  auf  sich  selbst  anzuwenden.
  Diesen  also  geben  wir  im  Nachstehenden  eine  Zusammenstellung
alles  dessen,  was  eine  Mutter  im  Auge  behalten  muß,  damit  keinerlei
Störungen  eintreten.

Die  gesunde  Frau  geht  in  den  letzten  Wochen  der  Schwangerschaft  aus
wie  vorher,  arbeitet  in  ihrem  Hause  wie  vorher,  badet  und  ißt  nach  den
Lehren  der  Gesundheitspflege,  sie  hat  aber  die  kleine  Ausstattung  für  das  zu
erwartende  Kindchen  fertiggestellt,  ohne  dabei  durch  stundenlanges  Maschinennähen
  sich  angestrengt  zu  haben,  und  sie  hat  dem  einsichtsvollen  Gatten  den
gewohnten  Liebesverkehr  versagt,  weil  er  schädlich  für  sie  und  den  werdenden
Menschen  und  daher  naturwidrig  ist.  Sie  hat  sich  auch  schon  im  8.  Monat
mit  einer  gut  empfohlenen  Hebamme  in  Verbindung  gesetzt,  um  die  Fran
stets  erlangen  zu  können,  wenn  das  erwartete  Ereignis  vielleicht  früher,  als
berechnet,  eintreten  sollte.  Die  ärztliche  Untersuchung,  die  sie  und  die  Ihrigen
über  ihren  Körperbau  aufklärte,  ist  längst,  schon  in  ihrer  Brautzeit,  vorgenommen
  worden.  Also  kann  sie  ruhig  allem  entgegensehen.

Für  die  Entbindung  sind  vorbereitet  worden:  eine  undurchlässige  Unterlage
  für  das  Bett,  ein  Unterschieber,  Wundwatte,  Gaze,  Mandelöl,  Rumpfpackung,
  genügende  Wäsche,  ein  Irrigator,  eine  Rumpfbadewanne  und  eine
kleine  Kinderwanne,  endlich  ein  Badethermometer  und  ein  neuer  Badeschwamm.
  Wie  schon  an  anderer  Stelle  ausgeführt  wurde,  leitet  sich  die
Entbindung  gewöhnlich  mit  leisen  Schmerzen  im  Kreuze  ein,  welchen  bald
ziehende  Schmerzen  nach  vorne  folgen.  Zuweilen  haben  diese  Schmerzen