Der  Mutterkuchen.  295

große  Pausen,  zuweilen  steigern  sie  sich  auch  so  schnell,  daß  kaum  Zeit  für
alle  Vorbereitungen  bleibt.  Darum  muß  alles  auch  gut  vorgerichtet  sein.
Die  Gebärende  bleibe  so  lange  als  möglich  außer  Bett,  wenn  aber  die  Blase
springt  und  ein  starker  Erguß  einer  gelblichen  Flüssigkeit  stattfindet,  während
sich  ein  drängendes  Gefühl,  die  sogenannten  Preßwehen  einstellen,  dann
lege  sie  sich  und  nehme  während  der  Wehen  die  ihr  angenehmste  und  den
Vorgang  begünstigende  Stellung  ein.  Wenn  der  Kopf  durchgebrochen  ist,
wobei  die  Hebamme  zu  stützen  hat,  dann  ist  der  größte  Teil  der  Arbeit  geleistet,
  und  die  Schultern  folgen  meist  schmerzlos.  Nach  der  Abnabelung
tritt  gewöhnlich  eine  kleine  Ruhepause  ein  und  dann  folgt  die  Ausstoßung
der  Nachgeburt.  Nachdem  das  Kind  gebadet,  bekleidet  und  in  ein  durchwärmtes
  Bettchen  gelegt  ist,  wird  die  Wöchnerin  gewaschen,  mit  neuer  gleichfalls
  durchwärmter  Wäsche  versorgt  und  mit  warmer  Milch  oder  Gerstenkaffee
  gelabt.  Gesunde  Frauen  machen  dann  gerne  ein  Schläschen.  Mit  dem
Anlegen  des  Kindes  an  die  Brust  kann  man  warten,  bis  das  Kind  unruhig
wird,  oder  die  Brust  voll  und  schwer  geworden.  Dies  geschieht  bei  normalen
Verhältnissen  innerhalb  24  Stunden.  Bei  Tag  lege  man  das  Neugeborene
alle  zwei  Stunden  an,  nachts,  von  10  bis  6  Uhr,  gebe  man  nichts,  weil  Mutter
und  Kind  Ruhe  brauchen.  Die  gesunde  Wöchnerin  kann  täglich  sechs  kleine
Mahlzeiten  einnehmen,  bestehend  aus  Hafergrützsuppe,  Gerstenkaffee,  Apfelmus,
  Zwieback;  vom  fünften  Tage  an  können  auch  eine  Buttersemmel,  zarte
Gemüse,  frisches,  nicht  saueres  Obst,  Mehlfrüchte  gereicht  werden.  (Man  lese
das  zweite  Kapitel  über  die  Ernährung  nach!)  Frische  Luft  darf  Tag  und
Nacht  im  Wöchnerinnenzimmer  nicht  fehlen,  auch  die  Sonne  nicht,  doch
bewahre  man  den  Sänugling  vor  grellen  Lichteindrücken.  Eine  sorgfältige
Hebamme  wird  schon  während  des  Geburtsaktes  für  Entleerung  des  Darmes
und  der  Blase  sorgen,  sie  wird  daher  auch  während  des  Wochenbettes  keine
anhaltende  Stuhlverstopfung  eintreten  lassen.  Das  ängstliche  Stillliegen
während  des  Wochenbettes  ist  nicht  nötig,  ja  gesunde  Frauen  können  das
Bett  schon  nach  wenigen  Tagen  schadlos  verlassen.  Der  blutige  Abgang
nach  der  Entbindung  dauert  einige  Wochen  an,  belästigt  aber  eine  gesunde
Frau  nicht.  Dann  lebt  die  junge  Mutter  den  Pflichten  für  ihr  Kind,  ist
aber  im  übrigen  wieder  in  normale  Verhältnisse  eingetreten.  —  Das  wäre
in  großen  Zügen  die  Reihenfolge  der  wichtigsten  Vorgänge,  wie  sie  bei  gesunden
  und  kräftigen  Frauen  beobachtet  werden.

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Der  Mutterkuchen  (die  Hlazenta).

Auf  Fig.  176  sehen  wir  die  Nabelschnur  mit  festhängender  Plazenta
im  oberen  Teil  der  Gebärmutter  und  können  aus  der  Größe  der  Gelärmutter
  entnehmen,  daß  das  reife  Kind  den  Fruchthalter  soeben  verlassen