296  Der  Mutterkuchen.

hat.  Das  obere  Ende  der  Nabelschnur,  die  aus  zu=  und  abführenden  Gesüßen
  besteht,  hängt  mit  einem  schwammigen  Körper  zusammen,  den  wir  im
oberen  Teile  der  Gebärmutterhöhle  angeheftet  sehen.  Er  besteht  aus  vielen
kleinen,  eng  aneinanderliegenden  Läppchen,  die  ein  reiches  Gefäßnetz  enthalten,
  das  mit  den  Gefäßen  der  Gebärmutterwand  verbunden  ist.  Aus
den  vielen  kleinen  Gefäßen  des  Mutterkuchens  entstehen  die  größeren  Gefäße
der  Nabelschnur,  die  den  kindlichen  Körper  versorgen.  Es  geht  aus  diesem
Bau  deutlich  hervor,  wie  das  Blut  der  Mutter  auf  das  Kind  übergeht,
und  welche  Bedentung  die  mütterlichen  Krankheiten  für  den  kindlichen  Organismus
  haben  müssen.  Die  Eihäute,  welche  das  Kind  mit  dem  Fruchtwasser
  umschließen,  bedecken  die  innere  Seite  des  Mutterkuchens;  die  äußere,
welche  der  Gebärmutterwand  aufliegt,  hat  nur  einen  feinen  Hautüberzug,

.
n
1  ru

Die  dem  Kinde  zugekehrte  Seite  nach  Die  der  Gebärmutterwand  zugekehrte
dem  Abziehen  der  Eihänte.  Seite.

Fig.  180.  Mutterkuchen  in  ungefähr  ein  Viertel  natürlicher  Größe.

In  die  Nabelschnur  einmündende  Blutgefäße:  1  Arterien.  2  Venen.  3  Zurückgezogene
Eihäute.  4  Nabelschnur.

lappigen  Bau  und  ist  darum  uneben.  Fig.  180  stellt  die  sich  im  Mutterkuchen
  verteilenden  Gefäße  dar,  die  sich  in  der  Nabelschnur  zu  einem
Strange  verdichten.  Die  eingerissene  Eihaut  ist  am  Rande  zusammengerollt.
Die  zweite  Zeichnung  veranschaulicht  uns  die  unebene,  direkt  der  Uteruswand
  aufliegende  Seite  des  Mutterkuchens.  Von  dieser  gingen  ursprünglich
jene  feinen  Zellen  ab,  die  in  Hohlräume,  mit  Blut  gefüllt,  tauchten,  von
welchen  aus  das  mütterliche  Blut  in  den  Mutterkuchen  gelangte.  Aus
diesen  Verhältnissen  erklärt  sich  der  starke  Blutverlust  bei  teilweiser  Loslösung
  der  Plazenta  und  Eröffnung  dieser  Räume  und  die  Gefahr  der
Verblutung,  wenn  sich  nach  erfolgter  Geburt  die  Gebärmutterwand  nicht
genügend  zusammenzieht.

Der  Mutterkuchen  hat  im  ausgereiften  Zustande  ein  Gewicht  von  etwa
500  Gramm,  die  Nabelschnur  eine  Länge  von  50  Zentimeter.  Wie  ein
Schwamm,  der  festgesaugt  an  der  Wand  sitzt,  so  erscheint  auf  Fig.  184  die