Fehlgeburt.  297

Plazenta  mit  Nabelschnur  und  Kind  an  der  Gebärmutter  sitzend.  Ihr
gewöhnlicher  Sitz  ist  die  vordere  oder  hintere  Gebärmutterwand;  setzt  sie  sich
tiefer  an,  so  kann  sie  zu  wiederholten  Blutungen  Anlaß  geben,  weil  der  Raum
in  der  sich  nach  unten  verschmälernden  Gebärmutter  zu  klein  wird.  Auch
zum  Absterben  des  Kindes  kann  sie  führen,  indem  der  harte  Kopf  des  sich
einstellenden  kindlichen  Körpers  den  Blutaustausch  im  Mutterkuchen  durch
seinen  Druck  unterbrechen  kann,  worauf  der  Herzschlag  des  Kindes  aussetzt.

über  die  Ausstoßung  der  Plazenta  oder  „Nachgeburt“  sprechen  wir
ausführlicher  bei  Schilderung  des  Geburtsvorganges.

Entstebung,  Verbütung  und  Bebandlung  der  Feblgeburt.

Blutarmut,  allgemeine  Schwäche,  körperliche  Überanstrengung,  sexuelle
und  seelische  Aufregungen,  Verwachsungen  und  Knickungen  der  Gebärmutter,
schwere  fieberhafte  Krankheiten  und  anderes  mehr  sind  die  gewöhnlichen  Ursachen
  der  Fehlgeburten.  Bei  schwächlichen  Frauen,  die  nicht  die  notwendige
Pflege  haben,  entwickelt  sich  sogar  eine  Art  von  gewohnheitsmäßigem  Abortus,
das  heißt  zwei=  und  dreimal  gehen  Früchte  im  Alter  von  zwei  bis  vier
Monaten  ohne  besondere  Veranlassung  ab,  stets  mit  Blutverlusten  und  großer
Schwächung  verbunden.  Senkung,  Vorfall,  Schlaffheit  aller  Beckenorgane,
Stuhlverstopfung,  gedrückte  Gemütsverfassung,  blasses  Aussehen  entwickeln
sich  sehr  bald.  Werden  die  Früchte  aber  älter  und  gelingt  es  nicht,  die  im
übrigen  gesunde  Frau  zum  Austragen  der  Frucht  zu  befähigen,  sondern  verliert
  sie  diese  mehreremale,  dann  ist  meist  Syphilis  im  Spiele,  die  der  Mann
auf  die  weiblichen  Keimzellen  übertragen  hat.  In  solchem  Falle  ist  dann  nur
zu  wünschen,  daß  überhaupt  keine  Schwangerschaft  eintrete.

Die  Fehlgeburt  leitet  sich  durch  eine  sickernde  Blutung  ein,  die
mitunter  einige  Wochen  anhält  und  durch  langsame  Ablösung  der  Plazenta
(Mutterkuchen)  entsteht  oder  durch  ziehende  Schmerzen  im  Leibe  und  Rücken.
Daß  durch  die  Ablösung  der  Plazenta  die  Ernährung  der  Frucht  unterbrochen
wird  und  diese  langsam  abstirbt,  ist  selbstverständlich.  Es  sind  Fälle  vorgekommen,
  in  welchen  schwächliche  junge  Frauen  vier  Monate  die  abgestorbene
Irucht  mit  sich  herumtrugen,  dabei  mehr  oder  minder  an  blutigem  Ausfluß
litten,  Frösteln,  Unbehagen,  Kopfschmerz,  Appetitlosigkeit  hatten,  ohne  daß
die  Ursache  ihres  Zustandes  erkannt  wurde.  Endlich  ging  dann  ein  dunkler,
unkenntlicher  Klumpen  ab;  eine  stärkere  Blutung  folgte  und  wenn  immer  noch
nicht  die  richtige  Behandlung  eingriff,  blieb  eine  chronische  Erkrankung  der
Gebärmutterschleimhaut,  eine  Verlagerung  oder  übermäßig  starke  Menstruation
zurück.  Frauen  aber,  die  einen  unvollkommenen  Abortus  hatten,  wobei
Eihautreste  zurückblieben,  können  monatelang  an  schwächenden  Blutungen