298  Fehlgeburt.

leiden,  bis  endlich  eine  Reinigung  der  Gebärmutterhöhle  eintritt,  sei  dies
durch  anregende  Bäder  oder  Massage  oder,  als  letztes  Mittel,  durch  eine
Ausschabung.  Dann  erst  schließen  sich  die  Gefäße,  die  Schleimhaut  heilt
aus,  Blutung  und  Schleimabgang  hören  auf.

Stellen  sich  die  angeführten  Zeichen  eines  beginnenden  Abortus  ein,  so
hat  man  zuerst  alles  zu  versuchen,  die  Blutung  zum  Stillstande  zu  bringen,
um  das  Absterben  der  Frucht  zu  verhüten  (wenn  es  für  die  Mutter  und  den
zuküuftigen  Menschen  wünschenswert  ist,  daß  er  zustande  kommt).  Man  läßt
die  Frau  Bettruhe  einhalten,  hält  alle  Erregungen  von  ihr  fern,  macht  über—
gießungen  mit  38°%  und  24°  C.,  legt  zuweilen  kalte  Kompressen  auf  den  Leib,
die  man  halbstündlich  wechselt,  gibt  kleine  kühle  Klystiere,  nachdem  eine  gründliche
  Ausleerung  des  Darmes  erfolgt  ist,  reicht  nur  kühle,  ganz  reizlose  Kost
(Milch,  grüne  Salate,  Beeren,  Zitronenlimonade,  Wurzelsuppen,  Nährsalzbiskuit)
  und  sorgt  für  frische  Luft.  Nimmt  die  Blutung  dennoch  zu,  dann
ist  die  Frucht  meist  schon  tot  und  die  Ablösung  der  Plazenta  nicht  mehr
aufzuhalten.  Um  die  Frau  vor  Blutverlusten  zu  schützen,  empfiehlt  es  sich
dringend,  in  solchem  Falle  die  Ausstoßung  des  Eies  zu  beschleunigen.  Zu
diesem  Zwecke  werden  kräftige  Anwendungen  am  Becken  gemacht:  alle  zwei
Stunden  ein  heißes  Sitzbad  von  40°  C.,  zehn  Minuten  mit  nachfolgendem
Kreuzguß  von  16°  C.,  und,  wenn  die  Ausstoßung  immer  noch  zögert,  eine
energische  Uterusmassage.  Es  treten  dann  meist  recht  schmerzhafte  Wehen
ein,  welchen  die  Ausstoßung  der  Frucht  folgt.  Man  besehe  die  Eihäute
genau,  ob  sie  vollständig  oder  zerrissen  sind;  im  letzteren  Falle  besteht  die
Möglichkeit,  daß  kleine  Teile  derselben  in  der  Gebärmutterhöhle  hängen
blieben,  welche  wochenlange  Blutungen  verursachen  können.  Ist  die  Frucht
aber  schon  vor  längerer  Zeit  abgestorben  oder  erst  mehrere  Wochen  alt,  dann
läßt  sich  nichts  feststellen.  Ein  kräftiger  Uterus  stößt  selbsttätig  oft  noch  nach
acht  oder  vierzehn  Tagen  Eihautreste  aus  und  zwar  ohne  nennenswerte
Blutungen.  Vermehren  sich  diese  jedoch,  dann  muß  eine  auf  Ausscheidung
hinwirkende  Behandlung,  jedem  Falle  genau  angepaßt,  eingeleitet  werden,
welche  ost  die  Ausschabung  überflüssig  machen  wird.  Ein  kaltes  Sitzbad  von
17°  C.  nach  Dr.  Pingler  unmittelbar  nach  der  Ausstoßung  der  Frucht,
3—5  Minuten  mit  Warmfrottieren  im  Bette,  wird  vor  unangenehmen
Blutungen  schützen.  Auf  die  verschiedenen  Formen  und  Gefahren  des  Abortus
kann  hier  nicht  noch  näher  eingegangen  werden;  wir  warnen  nur  eindringlich
davor,  ihn  zu  leicht  zu  nehmen,  und  raten,  sofort  ärztliche  Hilfe  aufzusuchen.
Manche  harmlos  begonnene  Fehlgeburt  hat  infolge  Vernachlässigung  oder
verkehrter  Anwendungen  zu  einer  schweren  Erkrankung  der  Frau  geführt,  deren
Folgen  niemals  wieder  ganz  überwunden  wurden.  Besonders  müssen  Frauen,
die  eine  leichte  Fehlgeburt  überstanden  haben,  davor  gewarnt  werden,  das
Bett  schon  am  zweiten  oder  dritten  Tage  zu  verlassen.  Um  der  Gebärmutter
zur  vollständigen  Ausheilung  Zeit  zu  geben,  muß  sie  eine  Woche  ruhig  im  Bette