304  Winke  für  Bräute  und  junge  Ehefrauen.

arbeiten  vor;  Fig.  228  das  Tragen  eines  Kindes  bei  gebogener  Wirbelsäule.
Wird  nicht  rechtzeitig  Heilgymnastik  eingeleitet  oder  ein  orthopädisches
Korsett  angelegt,  so  wächst  der  Fehler  mit  und  wird  fest,  und  das  platte
Becken  wird  bei  der  ersten  Entbindung  entdeckt,  die  entweder  besonders
schwer  oder  bei  schlechtem  Kräftezustand  auch  unmöglich  wird.  Damit  diese
Entdeckung  aber  rechtzeitig  gemacht  werden  könne,  sollen  sich  Bräute  äußer—
lich  untersuchen  und  die  Beckenmaße  feststellen  lassen.  Fig.  182  zeigt  uns
das  dazu  nötige  Instrument  und  die  Art,  wie  die  Beckenbreite  genommen
wird.  Nach  den  äußeren  Zahlen  kann  man  auf  die  inneren  schließen.  Die
innere  Untersuchung,  Feststellung  des  Maßes  nach  Fig.  183,  ist  erst  bei
fortgeschrittener  Schwangerschaft  ausführbar  und  bei  Jungfrauen  ohne  Verletzungen
  fast  unmöglich.  Eine  gut
gewachsene  Wirbelsäule,  richtige
äußere  Beckenmaße  geben  aber  schon
Bürgschaft,  daß  auch  die  inneren
Maße  gut  sind,  und  können  also  in
den  meisten  Fällen  beruhigen.

Ob  Knickung  oder  Verlagerung
  der  Gebärmutter
vorliegt,  läßt  sich  auch  bei  Jungfrauen
  feststellen,  indem  vorsichtig
bei  etwas  gespreizten  Beinen  und
stehend  nachgefühlt  wird,  wie  der
Scheidenteil  liegt.  Das  bereitet
*“  keinerlei  Schmerzen  und  ist  ohne
asterzirkel  zur  Veckenmessung.  peinliche  Nebenumstände  und  ohne

Auskleiden  bei  jedem  Mädchen  möglich.
  Ist  der  Gebärmutterfehler  bedentend,  so  wird  Unfruchtbarkeit  in  der
Ehe  wahrscheinlich  sein;  ist  er  nicht  bedeutend,  so  kann  eine  mehrwöchige
Kur,  bestehend  in  innerer  Massage  nach  Thure-Brandt  (siehe  diese  im
III.  Teil),  verschiedenartige  Bäder  usw.  noch  bedeutende  Besserung  bringen.
Wird  sie  nicht  mehr  erzielt,  dann  ist  es  sicher  vorteilhaft,  wenn  die  junge
Ehefrau  vorher  schon  weiß,  was  ihr  bevorsteht,  und  daß  sie  voraussichtlich
auf  Mutterglück  verzichten  muß.  Bei  kleineren  Beckenfehlern  aber  kann
durch  vorbeugende  Diät  eine  leichtere  Geburt  erzielt  werden,  indem  sie  so
zusammengesetzt  wird,  daß  die  Knochen  des  Kindes  weicher  bleiben.  Wir
sprechen  an  anderer  Stelle  darüber.  über  welche  Mittel  wir  noch  verfügen,
  um  die  Geburt  zu  erleichtern  und  die  Wehentätigkeit  zu  verstärken,
die  gerade  bei  Beckenenge  so  außerordentlich  wichtig  ist,  wird  unter  „Geburt“
  gesprochen.

Es  gibt  aber  noch  andere  Umstände,  welche  das  Glück  des  Kindes
gefährden  und  die  zu  verhüten  oder  in  ihrer  üblen  Wirkung  zu  erhöhen

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Fig.  182.