308  Wie  gewinnt  man  gesunde  und  schöne  Kinder?

ein  schönes  und  begabtes  Kind  zu  erzielen.  An  die  Wand  ihres  Bettes
hing  sie  einen  Apollokopf,  auf  den  morgens  ihr  Blick,  wenn  sie  erwachte,
zuerst  fiel;  dann  malte  sie  selbst  schöne  Frauenköpfe  und  betrachtete  die
Schönheit  Apollos  auch  unter  Tags  recht  oft  sinnend.  Das  Kind  war
eine  Tochter,  das  zu  einem  schönen  Mädchen  heranwuchs,  viel  schöner
als  Vater  und  Mutter  je  gewesen,  und  das  eine  Künstlerin  wurde.  Der
„klassische"  Schnitt  ihrer  Stirnpartie  wurde  ost  gerühmt.  Dem  Aunschein
nach  hatte  sie  diesen  Vorzug  dem  Apollo  zu  verdanken,  welchem  die  Mutter
so  zweckbewußt  zugetan  war.

Daß  es  ein  „Versehen“  der  Mutter  gibt,  ist  ein  uralter  Glaube.
Darum  bewahrt  man  schwangere  Frauen  gerne  vor  einem  häßlichen  Anblick,
aus  Angst,  er  könnte  etwas  Ahnliches  an  dem  Kind  zurücklassen,  und  zwar
um  so  sicherer,  je  mehr  Furcht  und  Schrecken  sich  dabei  einstellen.  Es  ist
kein  Aberglaube,  daß  diese  wirken,  daß  starke  seelische  Eindrücke  auf  die
Mutter  wie  auf  das  Kind  Einfluß  haben,  da  ihr  Zusammenhang  ein  so
inniger  ist.  Diese  Tatsache  sollte  sogar  viel  weitgehendere  Beachtung  finden,
als  dies  heute  der  Fall  ist.  Obwohl  mit  dem  Ei  und  der  Samenzelle
gewisse  Grundlagen  gegeben  sind,  die  wir  sicher  nicht  mehr  zu  beeinflussen
imstande  sind,  und  die  unter  Umständen  unverändert  bleiben  werden,  so
würde  dennoch  manchem  übel  vorgebeugt  werden  können,  mancher  Vorteil
erreicht  werden,  wenn  wir  die  Mütter  stets  in  die  günstigsten  Lebensverhältnisse
  brächten.  Wir  wollen  dieser  Forderung  die  weitgehendste  Beachtung
  schenken!  Wir  fordern  alle  liebevollen  Mütter  auf,  alles  Häßliche,
welches  das  Auge  oder  Herz  verletzt,  während  der  Werdezeit  ihres  Kindes
zu  meiden,  nicht  minder  aber  auch  für  Kunstgegenstände  in  ihrer  nächsten
Umgebung  zu  sorgen,  deren  Anblick  erhebend  wirkt,  seien  es  Statuen,  Gemälde
  oder  gute  Zeichnungen;  ferner  nur  edle  Lektüre  zu  pflegen,  und
auch  den  Anblick  des  Schönen  in  der  Natur  aufzusuchen.  Zorn  und  Groll
unterdrücke  sie,  seelischen  Aufregungen  sollte  sie  niemals  ausgesetzt  sein,
aber  alles,  was  ihr  Gemüt  beruhigt,  ihre  Seele  befriedigt,  ihr  Herz  erfreut,
suche  sie  auf.  Sie  gehe  täglich  in  die  freie  Natur  und  erhebe  sich  im
Anblick  ihrer  erhabenen  Schönheiten.  Harmonisch  und  friedlich  sei
die  Umgebung  einer  Frau,  die  einem  neuen  Menschen  das  Leben  geben
will!  Auf  Grund  einer  vernünftigen  Körperpflege,  wie  sie  aus  dem  voranstehenden
  hervorgeht,  kann  dann  ein  ebenso  gesunder  wie  guter  und  schöner
Mensch  eutstehen.

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