312  Erschwerte  Entbindung.

auch  nur  drei  Stunden.  Keine  Blutverluste,  keine  Erschöpfung,  keine
heftigen  Schmerzen  belästigen  die  gesunde  Wöchnerin.

Das  ist  der  Verlauf  einer  normalen  Entbindung  bei  kräftigem  Körperbau,
  ausreichenden  Wehen  und  vernünftiger  Pflege!

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Die  erschwerte  Entbindung.

Am  häufigsten  wird  sie  herbeigeführt  durch  schwache  oder  schlechte
Wehen,  welche  nicht  imstande  sind,  den  Widerstand  der  Geburtswege  zu
überwinden.  Das  Kind  bleibt  dann  auf  halbem  Wege  stecken,  die  Beschwerden
der  Frau  können  hochgradige  werden,  und  wenn  nicht  bald  Hilfe  von  außen
kommt,  so  stirbt  das  Kind  ab.  Ist  die  Lage  des  Kindes  aber  normal,  also
wie  sie  nötig  ist,  um  den  Durchgang  des  kindlichen  Körpers  am  leichtesten
zu  ermöglichen,  sind  auch  keine  kleinen  Teile,  wie  Armchen  oder  Nabelschnur,
  in  die  Geburtswege  gefallen,  bevor  der  vorangehende  große  Teil,  wie
Kopf  oder  Steiß,  vorgedrungen  sind,  so  kann  die  Entbindung  zwar  tagelang
dauern  und  nur  kleine  Fortschritte  machen,  dennoch  aber  zu  einem  lebenden
Kinde  führen.  In  solchen  Fällen  ist  es  nötig,  ein  ärztliches  Urteil  einzuholen
und  eine  Untersuchung  vornehmen  zu  lassen,  damit  die  eigentliche  Verzögerung
der  Entbindung  festgestellt  werden  kann.

Daraus  geht  also  hervor,  daß  anch  die  Lage  des  Kindes  ein  bedeutendes
  Geburtshindernis  bilden  kann,  und  dies  ist  stets  der  Fall,  wenn
sich  der  kindliche  Körper  mit  zu  großem  Qnerdurchmesser  einstellt  und  die
knöchernen  Geburtswege  die  äußerste  Grenze  ihrer  Nachgiebigkeit  erreicht  haben,
also  bei  teilweisen  Querlagen,  oder  wenn  ein  vorgefallener  Arm  mit  dem
Kopfe  zugleich  sich  einstellt  usv.  (Man  siudiere  unsere  Tafeln  und  die  darauf
dargestellten  Kindeslagen.)

Eine  weitere  Ursache  der  erschwerten  Entbindung  liegt  in  der  Bildung
des  Beckens.  Bei  wohlgeformtem  Kinde,  kräftigen  Wehen  kann  die  Geburt
bei  Beckenfehlern  entweder  sehr  schwierig  und  schmerzhaft  werden  oder  unter
Umständen  nur  auf  operativem  Wege  möglich  sein.  (Siehe  erstes  Kapitel
im  I.  Teil  und  Beckenfehler,  Fig.  350  bis  352.)  Die  Krankengeschichte  auf
Seite  330  führt  uns  eine  Entbindung  bei  Beckenenge  vor,  und  die  Behandlung
der  Schwangerschaft  bei  engem  Becken  ist  Seite  322  bis  324  besprochen.
Erreicht  die  Beckenenge  einen  gewissen  Grad,  oder  ist  die  Querlage  eine  vollständige,
  so  hat  man  es  mit  absoluten  Geburtshindernissen  zu  tun,
welche  die  natürliche  Geburt  nicht  bloß  erschweren  und  verzögern,  sondern
vollständig  unmöglich  machen.

a)  Die  Wehen.  Wie  schon  gesagt,  bestehen  sie  in  leise  beginnendem
Zusammenziehen  der  Gebärmutter,  die  in  halbstündigen,  später  in  viertel-