Erschwerte  Entbindung.  313

stündigen,  ja  minutenlangen  Pausen  eintreten,  an  Umfang  und  Ausgiebigkeit
rasch  zunehmen  und  dem  Willen  nicht  unterworfen  sind.  Während  ihrer
Dauer  wird  die  Gebärmutter  hart,  richlet  sich  auf  und  verlängert  sich  in
ihrer  Längsachse.  Die  normale  Wehe  dauert  60—100  Sekunden.  Im  letzten
Stadium  der  Geburt  tritt  die  Mitwirkung  der  Bauchpresse  hinzu,  das
ist  die  Zusammenziehung  der  Bauchmuskeln,  welche  einen  Druck  von  oben
nach  unten  ausüben  und  anfangs  unserer  Willkür  unterworfen  sind.  Steckt
der  Kopf  des  Kindes  bereits  in  der  Scheide,  dann  hat  die  Gebärende  den
lebhaften  Drang  „mitzupressen“  und  selbst  herauszudräugen,  was  sich  schon  auf
dem  Wege  befindet.  Sie  zieht  daher  die  Beine  gerne  an,  beugt  sich  im  Knie,
stemmt  die  Füße  irgendwo  an  und  faßt  mit  den  Armen  nach  einem  festen
Gegenstand.  Meist  reicht  die  Hebamme  ihr  die  Hände  und  hält  sie  fest,  so
daß  die  Gebärende  einen  Zug  ausüben  kann.  In  dieser  Stellung  und  bei
solcher  Unterstützung  fällt  ihr  das  Mitpressen  leichter.

Die  krankhafte  Wehe  ist  schmerzhafter  und  weniger  ausgiebig,  auch
oft  von  längerer  Dauer.  Wenn  die  Erschöpfung  der  Kreißenden  zunimmt,
bleiben  sie  auch  wohl  stunden=  und  tagelang  ganz  aus,  um  dann  abermals
einzusetzen.  Manchmal  scheint  die  Geburt  dabei  keine  Fortschritte  zu  machen,
bis  plötzlich  „Kreßwehen“  eintreten  (Mitwirkung  der  Bauchpresse)  und  das
Kind  nun  sichtbar  vorrückt.  Dabei  scheinen  allerdings  schwächliche  Frauen
vor  Anstrengung  fast  zu  vergehen,  da  die  Wehepausen  immer  kürzer  werden.
Ihre  Aufregung  steigert  sich,  und  die  nervösen  geben  durch  angstvolles
Schreien  ihrer  inneren  Qual  deutlichen  Ausdruck.  Über  den  Geburtsschmerz
  ist  schon  mancherlei  geschrieben  worden,  nicht  minder  über  die  über—
flüssigkeit  des  Schreiens  während  des  Gebärens.  Wodurch  entsteht  der
Geburtsschmerz  bei  gesunden,  gut  gebauten  Frauen?  Ist  der  Schmerz  Naturnotwendigkeit?


Keineswegs!  Bei  kräftigen  Individnen,  die  mit  normalen  Organen  versehen
  sind,  wird  nur  leises  Stöhnen  und  Pressen  vernehmbar,  verbunden  mit
tiefen  Atemzügen,  wobei  in  wenigen  Stunden  die  Geburtsarbeit  bewältigt  wird.
Keine  Aufregung,  keine  Klagen,  kein  Schreien  dabei.  Je  schwächlicher  und
nervöser  aber  eine  Frau  ist,  desto  mehr  wachsen  die  Anfregung  und  die  Schmerzempfindung
  dabei,  desto  länger  danert  der  Vorgang  und  um  so  größer  ist  die
dabei  sich  einstellende  Erschöpfung.  Die  Schmerzempfindung  wird  durch  Druck
auf  zarte  Gewebe  und  Nerven  sowie  durch  die  außerordentliche  Spannung  derselben
  bewirkt.  Sind  sie  aber  von  kräftiger  Beschaffenheit  und  leidet  die  Frau
nicht  an  krampfhafter  Reizbarkeit  oder  Angstlichkeit,  so  sind  auch  diese  großen
Leistungen  ohne  nennenswerten  Schmerz  auszuführen.  Es  gibt  also  tatsächlich
eine  schmerzlose  Entbindung,  und  sie  ist  auch  unter  uns  noch  nicht  ausgestorben;
  allein  sie  wird  allmählich  selbst  aus  unserem  Gedächtnis  schwinden,
wenn  die  weibliche  Jugend  auf  dem  Wege  fortschreitet,  den  sie  jetzt  betreten
hat.  Er  führt  zur  körperlichen  Verkümmerung,  zur  Unfähigkeit,  den  Mutter-