314  Erschwerte  Entbindung.

pflichten  gerecht  zu  werden.  Daher:  Kräftigung,  Abhärtung,  Aufklärung  den
Mädchen!  Keine  verweichlichten,  blutarmen,  untüchtigen  Mädchen  großziehen,
sondern  in  der  Kindheit  schon  sie  durch  alle  Mittel  so  beeinflussen,  daß  einst
gesunde,  leistungsfähige  und  glückliche  Mütter  aus  ihnen  werden  können.
Liegt  es  in  unserer  Hand,  krankhafte  Wehen  zu  beeinflussen?
  Zweifellos,  und  zwar  um  so  mehr,  je  früher  wir  die  Schwangeren
in  Behandlung  nehmen.  Bei  richtigem  Verhalten  während  der  Schwangerschaft,
Sitz=  und  Halbbädern,  entsprechender  Ernährung  und  Bewegung  läßt  sich  die
Geburt  schon  wesentlich  beeinflussen.  Dauert  sie  aber  zu  lange,  sind  die  Wehen
zu  schwach  oder  krampfartig,  dabei  sehr  schmerzhaft,  dann  müssen  wir  sowohl
durch  warmes  wie
kaltes  Wasser,  ebenso
  auch  durch  Massage
  mit  einwirken,
um  die  natürlichen.
Vorgänge  zu  unterstützen,
  vorausgesetzt,
  daß  weder
eine  falsche  Lage
noch  Beckenfehler
vorliegen.  Fig.  185
stellt  die  Arztin
dar,  wie  sie  eine
erschöpfte  junge
Fran,  bei  welcher
Bernhigendes  Streichen  der  Arme  bei  einer  Gebärenden.  die  Geburt  nur
langsame  Fortschritte
  macht,  streicht,  wobei  diese  einschlummert  und  neue  Kräfte  sammelt.
Bei  zu  schwachen  Wehen  läßt  man  der  Kreißenden  zuerst  Zeit,  um  Kräfte
zu  sammeln;  man  bringt  sie,  wenn  möglich,  ins  Freie  oder  heizt  bei  geöffneten
Fenstern,  damit  immer  neuer  Sauerstoff  zufließen  kann  und  verbrauchte  Luft,
die  so  schwächend  wirkt,  sich  nicht  ansammelt;  trotz  wiederkehrender  Wehen
läßt  man  sie  halb=  oder  viertelstündige  Spaziergänge  machen  und  darnach
ruhen,  weil  die  Muskelbewegung  den  Geburtsvorgang  beschleunigt;  unter
Tags  und  besonders  zeitig  abends  sorge  man  für  ruhige  Umgebung,  Verdunkelung
  des  Schlafzimmers,  beruhigenden  Zuspruch,  damit  etwas  Schlaf
eintritt,  der  stärkender  als  alles  andere  wirkt.  Bei  schwächlichen  Erstgebärenden
dauert  nämlich  die  Geburt  oft  zwei  bis  drei  Tage  mit  mehrstündigen  Unterbrechungen,
  nach  welchen  die  Wehen  immer  wieder  stärker  einsetzen.  Nach
solchem  stärkenden  Schläschen  gibt  man  mit  Vorteil  vom  zweiten  Tage  an
ein  Halbbad  von  355  mit  Abkühlung  bis  24°  C.  und  nur  von  drei  Minuten
Dauer,  welches  den  Allgemeinzustand  sichtlich  hebt  und  die  Stimmung  bessert,