Erschwerte  Entbindung.  315

die  oft  eine  sehr  gedrückte  ist.  Die  Umgebung  befleißige  sich,  ruhig,  besonnen
und  zuversichtlich  zu  erscheinen,  damit  die  junge  und  oft  sehr  leidende  Frau
Kraft  daraus  schöpfe.  Alle  Angstlichkeit,  lärmende  Tätigkeit,  erregte  Beratungen,
  teilnehmendes  Weinen  usw.  verbanne  man  aus  der  Nähe  einer
Gebärenden,  die  so  viel  mit  sich  selbst  und  ihrem  Zustand  zu  tun  hat,  daß
die  von  außen  auf  sie  eindringenden  Erregungen  ein  unerträgliches  Zuviel
für  sie  bedeuten,  das  ihr  Kraft  ranbt  und  sie  daher  schädigt.  Wer  sich  nicht
beherrschen  kann,  bleibe  dem  Gebärzimmer  ferne.  Besuche,  neugierige
Freundinnen,  ratende  Tanten,  die  stets  alles  besser  wissen  als  Hebamme
und  Arzt,  lasse  man  gar  nicht  zur  jungen  Frau  heran,  denn  sie  bringen
nur  Unruhe  ins  Haus.  Möchte  sich  in  jedem  Hause  eine  erfahrene  energische
Mutter  finden  oder  ein  umsichtiger  Gatte,  die  in  dem  angegebenen  Sinne
ihr  Haus  für  diese  ernsten  Tage  bestellen!  Manchem  übel  könnte  dadurch
noch  rechtzeitig  vorgebeugt  werden.

Die  Ernährung  sei  in  dieser  Zeit  eine  durchaus  milde  und  leichte.  Sie
bestehe  aus  kalter  oder  warmer  Milch,  bei  Neigung  zu  Stuhlträgheit  aus
saurer  Milch  oder  Kefir,  Wurzelsuppen  mit  leichten  Zutaten,  wie  Nudeln,
Eiergräupchen,  Reis,  Grieß,  Weinmost  von  Lampe  in  Worms;  grünen  Salaten
mit  Zitronensaft  und  Ol  zubereitet,  die  sehr  erfrischend  wirken;  guten  Apfeln,
Apfelsinen  oder  frischem  Beerenobst,  wie  Erdbeeren,  Heidelbeeren,  Himbeeren,
Biskuit  oder  Zwieback  statt  Brot,  und  da  empfehlen  wir  die  von  Dr.  Lahmann,
Bäcker  Mucke  in  Dresden,  weil  mit  Nährsalzen  zubereitet,  sowie  andere  ähnliche
  Fabrikate,  deren  Wohlgeschmack  und  Leichtverdaulichkeit  erprobt  sind.
Zur  Stillung  des  Durstes  gebe  man  reichlich  frisches  Wasser  mit  Zitronensaft
und  Zucker,  welche  Limonade  nicht  nur  anregend  auf  Niere  und  Darm  warkt,
sondern  deren  Zuckergehalt  bekanntlich  auch  als  wehenstärkendes  Mittel
gerühmt  wird,  da  aufgelöster  Zucker  die  Muskelkraft  erhöht.  Will  man  sich
vor  allen  unangenehmen  Nebenwirkungen  schützen,  so  gebraucht  man  nicht
den  weißen  Würfelzucker,  sondern  den  reinen  ultramarinfreien  Kandiszucker.
Davon  lasse  man  die  Gebärende  trinken,  so  viel  sie  nur  will!  Viel  anderes
genieße  sie  nicht,  damit  Magen  und  Darm  nicht  angefüllt  und  somit  alle
Vorgänge  bedeutend  erleichtert  werden.  Treten  heftige  Rücken=  und  Kreuzschmerzen
  auf,  so  mache  die  Pflegerin  oder  Hebamme  beruhigende  Streichungen,
indem  sie  den  Rücken  in  langsamen  Strichen  von  oben  nach  unten  streicht.
Da  die  schwangere  Frau  Bauchlage  nicht  einnehmen  kann,  läßt  man  sie  eine
Stellung  einnehmen,  wie  sie  Fig.  186  zeigt.  Man  kann  bei  der  Massage
auch  noch  drücken  und  schütteln,  was  sehr  gut  wirkt.  Dann  lege  man  eine
kühle  Kreuzpackung  für  eine  bis  zwei  Stunden  auf.

Stellt  sich  leichter  Stuhlgaug  nicht  von  selbst  ein=  bis  zweimal  täglich
ein,  dann  mache  man  bald  Klystiere  von  35°%  C.  mit  etwas  Olzusatz,  wonach
nicht  nur  ausgiebige  Entleerung  erfolgt,  sondern  auch  moncherlei  Beschwerden
verschwinden.  Ergibt  die  Untersuchung  der  Hebamme  oder  des  Arztes,  daß