Erschwerte  Entbindung.  317

Die  Naturvölker  kennen  mit  einigen  Ausnahmen  das  Wasser  als  Heilmittel
  nicht,  wohl  aber  Gymnastik  und  Massage.  Die  Massage  kann
jedenfalls  nur  darin  bestehen,  die  tätigen  Naturkräfte  zu  unterstützen,  also  in
der  Richtung  des  geringsten  Widerstandes  den  Austritt  des  kindlichen  Körpers
zu  befördern.  Man  wird  demgemäß  den  Bauch  der  Frau  während  der
Wehen  mit  beiden  Händen  umfassen  und  die  steife  Gebärmutter  kräftig  nach
unten  drücken.  Dabei  ist  jedoch  zu  beachten,  daß  man  in  dem  Drucke  mit
der  Wehe  zu=  und  abnimmt,  und  daß  man  sich  wohl  hütet,  den  Druck  auf
einzelne  Teile  in  ungleicher  Stärke  auszuüben,  weil  sonst  leicht  eine  Verschiebung
der  normalen  Kindslage,  ja  ein  Verrutschen  eines  kleinen  Teiles  eintreten
könnte.  Darum  sollen  nur  erfahrene  Personen  solche  Nachhilfe  leisten.
Leider  müssen  wir  oft  beobachten,  daß  der  gespannte  Bauch  während  der
Geburt  meist  so  empfindlich  und  schmerzhaft  ist,  daß  nur  wenige  Frauen
starken  Druck  der  Hände  zu  ertragen  vermögen,  so  erleichternd  und  befördernd
er  anderseits  auch  wirkt.  Er  muß  daher  geschickt  angewendet  werden,  leise
anschwellen  und  nur  auf  den  oberen  gewölbten  Teil  der  Gebärmutter  ausgeübt
  werden.  Auch  das  will  also  geübt  sein.  Das  Halten  und  kräftige
Ziehen  der  Hände  Gebärender  (manche  können  es  auch  nicht  ertragen!),
das  Stemmen  der  Beine  gegen  einen  festen  Gegenstand  gibt  Stützen,  Gegendruck
  und  Erleichterung  beim  Pressen.  Leises  kreisförmiges  Streichen
des  schmerzhaften  Bauches,  der  Arme,  der  Beine  (letztere  in  langen  Strichen
von  oben  nach  unten)  wirkt  sehr  beruhigend  und  erleichternd,  ja  führt  zu
höchst  wohltuenden  Ruhepausen,  mit  Schlummer  verbunden.  Alle  Arzte  und
Hebammen  sollten  sich  darin  üben,  um  bei  schweren  Geburten  wirklich  schmerzlindernd
  wirken  zu  können.  Vom  gleichmütigen  Zusehen,  vom  tatenlosen
Danebensitzen  hat  eine  in  Geburtsnöten  daliegende  Frau  keinen  Nutzen.
„Helfen“"  muß  der  Arzt  können,  erleichtern  die  Qual!

Von  dieser  Überzeugung  geleitet,  sehen  wir  es  auch  als  Pflicht  an,  auf
die  Hilfsmittel  von  Naturvölkern  hinzuweisen,  bei  welchen  die  Frauen  meistens
leicht  und  allein  entbinden.  Nicht  nur  gesündere  Lebensverhältnisse  sind
die  Hauptursache,  sie  besitzen  auch  unschädliche  Mittel,  die  wir  kennen  zu
lernen  uns  bemühen  sollten.  Es  sei  daher  hier  auf  das  Nad-To  der
Indianer  hingewiesen,  ein  Pflanzenbrei  aus  einer  Wurzel  bereitet,  den  die
Frauen  2—3  Wochen  vor  der  Entbindung  als  Tee  genießen.  Dr.  Hey  in
Hamburg  21,  der  Verfasser  des  „Tropenarztes“,  hat  es  in  Europa  eingeführt
und  lant  Berichten  sehr  gute  Erfolge  damit  erzielt.  Er  hebt  hervor,  daß
das  Nad-To  vor  allem  den  Stoffwechsel  befördere  und  eine  krampfmildernde
Wirkung  habe.  Daher  beschleunige  es  die  Entbindung  und  mache  sie  schmerzfreier.
  Welche  Wohltat  für  so  viele  schwächliche  Mütter,  welche  infolge  ihrer
Reizbarkeit  der  Nerven  bei  allen  Geburten  so  viel  leiden  müssen!  Da  der
Aufguß  keinerlei  schädliche  Bestandteile  enthält,  so  kann  jede  Frau  nach
brieflicher  Verständigung  mit  Dr.  Hey  Versuche  damit  machen.