318  Erschwerte  Entbindung.

b)  Die  Kindeslagen.  Der  Austritt  des  Kindes  aus  den  mütterlichen
Geburtswegen  ist  in  jeder  Lage  möglich,  in  welcher  die  Längsachse  des  Kindes
gestreckt  wird;  er  findet  am  leichtesten  statt,  wenn  der  Kopf  nach  unten  liegt,
weil  er  als  der  härteste  Teil  den  Weg  am  ausgiebigsten  bahnt  und  den
meisten  Widerstand  erträgt.  Sind  die  Verhältnisse  ungestörte,  so  sehen  wir
auch  bei  98  %  aller  Geburten  Schädellagen,  also  den  Kopf  nach  unten,
und  nur  2%  sind  Steiß=  oder  Fußlagen.  Bevor  der  Kopf  ins  Becken  eintritt,
  ist  das  Kind  gekrümmt,  wie  die  Tafeln  Nr.  8  und  Nr.  9  vorführen;  je
tiefer  es  sich  schiebt,  deste  mehr  streckt  es  sich,  so  daß  es  in  senkrechter  Lage
aus  dem  Geburtskanal  hervorschießt  (die  Frau  stehend  gedacht).

Diese  Stellung  wird  auch  bei  Fußlage  eingehalten,  indem  der  Austritt
  mit  dem  anderen  Körperende  erfolgt.  Die  Geburt  in  Fußlage  ist  aber
schwieriger,  weil  der  Kopf  nachfolgt  und
oft  nur  mühsam  durchgebracht  wird.  Ist
er  jedoch  klein  und  hat  die  Mutter  schon
mehreremale  geboren,  dann  kann  auch  die
Geburt  in  Fußlage  anstandslos  verlaufen.
Leicht  aber  stirbt  das  Kind  dabei  ab,
wenn  der  Kopf  zu  langsam  vorwärts
kommt  und  zwischen  ihm  und  der  Beckenwand
  die  Nabelschnur  eingeklemmt
wird.  Solange  das  Kind  nicht  atmet,
muß  nämlich  der  Blutlauf  zwischen  Mutterkuchen
  und  Kindeskörper  erhalten  bleiben;
es  kann  aber  noch  nicht  atmen,  solange
der  Kopf  im  Geburtskanal  steckt,  und  es
darf  also  auch  seine  Nabelschnur  nicht  ab-Wendung
  des  Kindes  auf  die  Föße.  getrennt  werden,  solange  es  den  durch  das

Atmen  eingeleiteten  selbständigen  Blutkreislauf
  noch  nicht  hat.  Es  muß  also  absterben,  wenn  die  Atmung
nicht  eintreten  kann  und  der  Blutzufluß  durch  die  Nabelschnur  gewaltsam
unterdrückt  wird.  —  Um  rechtzeitig  solchen  Möglichkeiten  vorzubeugen,
empfiehlt  es  sich  in  solchen  Fällen,  einen  Operateur  hinzuzuziehen,  der  durch
verschiedene  Griffe  die  Operation  beschleunigen  kann.  Fig.  187  bis  189
führen  alle  Fußlagen  und  die  Griffe  des  Arztes  zur  Beschleunigung  der
Geburt  vor.  «

Die  Steißlage  ist  die  Geburt  mit  verkürzter  Längsachse,  da  die
Beinchen  hinaufgeschlagen  sind  und  somit  den  Querdurchmesser  des  kindlichen
Beckens  vergrößern.  Ist  das  Kind  groß,  so  kann  die  Steißgeburt  recht
schwer  und  langsam  vor  sich  gehen;  ist  es  klein,  das  mütterliche  Becken
normal,  sind  die  Wehen  kräftig,  dann  geht  sie  anstandslos  vor  sich.  (Siehe
Fig.  191.)  Auch  hier  kann  der  Operateur  durch  gewisse  Griffe  nachhelfen;