Erschwerte  Entbindung.  321

als  sogenanntes  „plattes  Becken“,  das  in  seinem  geraden  Durchmesser  etwas
verkürzt  ist,  also  in  dem  Raum  zwischen  Scham=  und  Kreuzbein.  Fig.  349
führt  uns  ein  solches  vor.  Es  erschwert  den  Eintritt  des  Kopfes  in  den
Beckeneingang  und  ist  durch  stärkere  Krümmung  der  Wirbelsäule  nach  vorne
entstanden.  Im  übrigen  kann  das  einfach  platte  Becken  fehlerlos  sein.
Andere  Fehler,  bestehend  in  Verschiebungen  und  Verkrümmungen  einzelner
Beckenteile,  führen  wir  nicht  näher  aus,  da  dies  für  unsere  Leserinnen  keinen
praktischen  Wert  hätte.  Wir  wollen  uns  vielmehr  die  Frage  beantworten:
Wie  können  wir  eine  gefahrlose  Geburt  bei  verengtem  Becken  ermöglichen?
Handelt  es  sich  nur  um  eine  Verkürzung  von  ein  bis  zwei  Zentimeter,  so  ist

Fig.  193.  Fig.  191.
Wendung  des  Kindes  auf  den  Kopf.

eine  glückliche  Geburt  eines  lebensfähigen  Kindes  noch  möglich.  Ist  die  Verengung
  größer,  dann  bleibt  nur  der  „Kaiserschnitt“  übrig,  wenn  durchaus  ein
ausgetragenes,  lebendes  Kind  erzielt  werden  soll.  Im  anderen  Falle  stirbt
das  Kind  unter  der  langen  und  schmerzhaften  Geburt  ab  oder  es  muß  angebohrt
und  stückweise  herausgezogen  werden  (Perforation).  Auf  unserer  Zeichnung
ist  neben  dem  Umriß  des  normalen  Beckeneinganges  ein  gerade  verengtes
(von  vorn  nach  hinten)  und  ein  schräg  verengtes  dargestellt.  In  beiden
Fällen  scheint  der  Fehler  nicht  sehr  bedeutend;  doch  genügt  er,  um  die  Geburt
erheblich  zu  erschweren  oder  auch  bei  großem  Kinde  mit  harten  Knochen
unmöglich  zu  machen.  (Siehe  Fig.  349  und  350.)

Der  Beckenausgang  wird  durch  Steißbeinspitze  und  den  unteren
Rand  des  Schambeines  gebildet  und  ist  durch  Muskeln,  die  den  Beckenboden
bilden,  ausgefüllt.  Die  Steißbeinspitze  ist  beweglich,  gibt  also  auf  Druck  nach,

Tie  Frau  als  Hausärztin.  21