328  Geburtshilfliche  Operationen.

traktion  (Herausziehung);  doch  sind  sie  für  die  Mutter  schmerzhaft,  auch  gefährlich
  und  stets  mehr  oder  minder  mit  Zerreißungen  der  Weichteile,  großen
Blutverlusten,  schwerem  Wochenbett  und  großer  Schwäche  verbunden.  Nach
Kaiserschnitt  und  Wendung  hat  man  es  mit  Verwundeten  zu  tun,  die  sorgfältigster
  Pflege  bedürfen,  damit  die  vielen  Einrisse  am  Gebärmuttermunde,
an  der  Scheide  und  dem  Damm  sowie  die  großen  Wundflächen  in  der  Gebärmutter
  ungestört  zu  h.ilen  vermögen.  Bei  Anbohrung  des  Kopfes,  um  seinen
Inhalt  zu  entleeren  und  dadurch  seinen  Umfang  zu  vermindern,  bei  Enthauptung,
  um  den  Rumpf  ohne  Kopf  mittelst  Haken  herauszuziehen,  bei  der  künstlichen
  Frühgeburt  haben  wir  es  mit  Operationen  zugunsten  der  Mutter  zu
tun,  bei  welchen  das  Kind  zum  Opfer  fällt.  Je  nach  dem  Kräftezustand  der
Mutter  hat  man  wohl  zu  überlegen,  zu  welcher  Operation  man  sich  zu  entscheiden
  hat,  wenn  die  Geburt  auf  natürliche  Weise  nicht  mehr  vor  sich  geht.
Die  Herausziehung  des  Kindes  mit  den  Händen  ist  die  einfachste  und  natürlichste
Hilfeleistung,  aber  leider  nur  dann  möglich,  wenn  man  das  Kind  fassen  kann.
Bei  Schädellage  und  versagenden  Wehen  ist  dies  leider  nicht  möglich,  da
muß  die  Zange  als  Ersatz  der  Hände  eintreten.  Bei  Fuß=  und  Steißlagen
aber  kann  man,  wenn  die  unteren  Teile  schon  etwas  vorgetreten  sind,  diese
fassen  und  daran  den  kindlichen  Körper  aus  dem  Geburtskanal  herausziehen.
Dabei  finden  selten  Zerreißungen  statt,  und  auch  das  Kind  wird  nicht  verletzt,
  wenn  der  Geburtshelfer  sich  keiner  unrichtigen  Griffe  bedient  und  nicht
brutal  vorgeht.

Durch  die  genannten  Operationen,  die  tüchtige  Schulung  und  große
Gewissenhaftigkeit  des  Arztes  voraussetzen,  ist  unendlich  viel  Segen  gestiftet,
sind  zahlreiche  Menschenleben  gerettet  worden;  leider  müssen  wir  hinzufügen,
daß  infolge  der  Schwierigkeit  dieser  Operationen  und  infolge  sehr  häufig
mangelhafter  Ausbildung  der  Arzte  auch  sehr  oft  unermeßliches  Unheil  durch
dieselben  angerichtet  wurde,  an  dessen  Folgen  die  Mutter  entweder  zugrunde
ging  oder  lebenslänglich  zu  tragen  hatte.  Ungeschickt,  unvorsichtig  oder  gar
nicht  richtig  angepaßte  Operationen,  auch  voreilig  ausgeführte,  bevor  ihre
Notwendigkeit  sich  mit  Sicherheit  ergab,  sind  unverzeihlich  und  für  die  Mutter
meist  recht  folgenschwer.

Richtige  Behandlung  der  Schwangerschaft,  rechtzeitig  vorgenommene
Untersuchung,  klares  Urteil  der  jungen  Frauen  über  alle  einschlägigen  Fragen,
über  ihre  Aufgaben  und  möglichen  Gefahren  werden  mancher  Operation  vorbeugen
  und  Unheil  verhüten.  Darum,  ihr  jungen  Frauen,  leset  eifrig  den
II.  Teil  unseres  Buches!

Die  Zangengeburt.  Die  Zange  besteht  aus  zwei  Teilen,  welche  wie
eiserne  Hände  den  kindlichen  Kopf  umspannen.  Soll  die  Zange  unschädlich
sein,  so  muß  der  Kopf  erstens  tief  stehen,  zweitens  muß  möglichst  im  Anschluß
an  die  Wehen  ein  an=  und  abschwellender  Zug  ausgeübt  werden.  Wird
gleichzeitig  durch  zu  starken  Druck  auf  den  Kopf  eingewirkt,  so  wird  dieser