Geburtshilfliche  Operationen.  329

gequetscht  und  verunstaltet.  Dammrisse  der  Mutter  sind  bei  Erstgebärenden
unvermeidlich;  bei  zähen  Weichteilen,  großem  Kopf  des  Kindes  finden  auch
nur  zu  oft  Einrisse  der  Scheide  statt.  Hochstand  des  Kopfes  vermehrt
die  Gefahren  der  Zangengeburt  und  verbietet  sie  meistens;  Tiefstand  erleichtert
  sie  bedeutend.  Im  ersteren  Falle  wird  man  durch  heiße  Sitzbäder,
kalte  Kreuzgüsse  die  Wehen  zu  verstärken  suchen,  um  den  Kopf  tiefer  zu
treiben  und  die  „Zange“  zu  ermöglichen.  Versagen  die  Wehen,  steckt  der
Kopf  bereits  fest  im  Beckeneingang,  kann  er  aber  mit  der  Zange  doch  noch
nicht  gefaßt  werden,  dann  ist  das  Kind  verloren  und  muß  angebohrt  werden,
um  die  Mutter  zu  befreien.  Sorgsame  überwachung  der  Geburt  wird  es
aber  zu  einem  so  traurigen  Ausgang  nicht  kommen  lassen.  Bei  eintretender
Gefahr  wird  man,  bevor  der  Kopf  unbeweglich  geworden,  die  Wendung
machen,  um  das  Kind  in  Jußlage  herauszuziehen.

Wendung  und  Extraktion.  Man  unterscheidet  äußere  und
innere  Wendung.  So  lange  die  Fruchtblase  noch  steht,  d.  h.  so  lange
das  Fruchtwasser  noch  nicht  abgelaufen  ist,  ist  erstere  noch  möglich  und  besteht
darin,  daß  man  von  außen  durch  die  Bauchdecke  durch  bei  falschen  Kindeslagen
  einen  entsprechenden  Druck  ausübt,  derart,  daß  beispielsweise  eine  Querlage
  in  eine  Kopflage  umgewandelt  wird.  Dies  gelingt  oft,  allein  der
Erfolg  ist  nicht  immer  von  Dauer:  wenn  der  Druck  nachläßt,  tritt  gerne  die
alte,  falsche  Lage  wieder  ein.  Sicherer  ist  dagegen  der  Erfolg  der  inneren
Wendung,  die  wir  in  Fig.  187  zur  Darstellung  bringen.  Ihre  Vorbedingung
ist  die  genügende  Erweiterung  des  Muttermundes,  damit  die  Hand  des
Operateurs  eindringen  kann.  Bei  Mehrgebärenden  und  nicht  allzu  umfangreicher
  Hand  des  Arztes  kann  die  innere  Wendung  ohne  Verletzungen  der
Mutter  ablaufen;  bei  Erstgebärenden  aber  wird  dies  selten  möglich  sein.  Die
Umdrehung  des  Kindes  kann  überdies  bei  großem  Kinde  und  spannender  Gebärmutter,
  ferner  wenn  der  Operateur  nicht  sehr  vorsichtig  umgeht,  auch  zur
Zerreißung  der  Gebärmutter  führen,  die  oft  durch  das  Aufdrücken  des  harten
Kopfes  bei  anfänglich  starken  Wehen  dünnere  Stellen  erhält.  Solange  Aussicht
  auf  gute  Wehen  vorhanden  ist,  kann  man  auf  den  Kopf  wenden  (Fig.  193
und  194)  und  das  weitere  der  Natur  überlassen;  man  erreicht  dies  durch  die
sogenannte  kombinierte  Wendung,  bei  welcher  statt  der  ganzen  Hand  nur
zwei  Finger  durch  den  Muttermund  eingeführt  werden  und  durch  äußeren
Druck  der  kindliche  Körper  zurechtgeschoben  wird.  Ist  bereits  Erschöpfung  der
Mutter  vorhanden,  oder  sind  die  Bemühungen,  auf  den  Kopf  zu  wenden,
vergebliche  gewesen,  dann  zögere  man  nicht,  die  Fußlage  herzustellen,  um
dadurch  eine  gute  Handhabe,  das  Kind  herauszuziehen,  zu  gewinnen.  Das
Wochenbett  verläuft  nach  Wendungen  oft  besser,  als  nach  Zangengeburten.

Sobald  bei  Wendung  wie  bei  Zangengeburt  die  Narkose  vollständige
Empfindungslosigkeit  herbeigeführt  hat,  beginnt  der  Operateur  mit  seinen  Eingriffen.
  Die  Frau  fühlt  nichts  davon  und  ist  immer  sehr  erstaunt  und  beglückt,