330  Geburtshilfliche  Operationen.

wenn  sie  beim  Erwachen  ein  zappelndes  Kindchen  vorfindet,  dessen  Stimmchen
ihr  wie  Himmelsmusik  entgegenschallt.  Selbstverständlich  werden  alle  Blutspuren
  und  sonstige  Zeugen  der  Operation  rasch  beseitigt,  damit  die  geschwächte
Wöchnerin  durch  keinen  unangenehmen  Aublick  erschreckt  werde.  Außer  der
Hebamme  und  dem  Gatten  lasse  man  niemand  während  der  Operation  anwesend
sein,  der  Anblick  des  Verfahrens  ist  zu  aufregend.

Für  das  Kind  ist  Wendung  nicht  ganz  gefahrlos;  sowohl  bei  der
Umdrehung  in  der  Gebärmutter,  als  auch  beim  Zuge  nach  außen  können
leicht  Verletzungen  an  den  Gliedern  oder  an  inneren  Organen  eintreten.
Trotzdem  bleibt  die  Wendung  aber  lebensrettend  und  ist  anderen  Eingriffen
vorzuziehen.  Nachfolgende  Geburtsgeschichte  beweist  dies  gleichfalls.

Eine  29  jährige,  zart  gebaute  Frau  war  seit  fünf  Jahren  verheiratet,
ohne  den  sehnlichen  Wunsch,  ein  Kind  zu  bekommen,  erfüllt  zu  sehen.  Im
zweiten  Jahr  war  Abortus  eingetreten,  dem  infolge  verkehrter  Behandlung
chronische  Entzündung  der  Gebärmutterschleimhaut  folgte,  die  stets  von
starkem  Blutverlust  begleitet  war.  Endlich  fand  die  kränkliche  Frau  die
richtige  ärztliche  Behandlung,  wurde  durch  Wasser  und  innere  Massage  ausgeheilt
  und  kam  ein  Jahr  darnach  in  andere  Umstände.  Bald  zeigte  es  sich,
daß  die  Gebärmutter  immer  nach  rechts  lag,  was  die  Gefahr  einer  Schieflage
  nahe  rückte.  In  den  letzten  Wochen  besserte  sich  dieser  Zustand,  wohl
auch  deshalb,  weil  die  Frau  angewiesen  wurde,  nachts  viel  auf  der  linken
Seite  zu  liegen,  damit  die  Gebärmutter  mehr  nach  der  Mitte  sinken  konnte.
Zur  erwarteten  Zeit  traten  die  Wehen  ein;  nachdem  sie  24  Stunden  lang
angehalten  hatten,  war  der  Kopf  immer  noch  nicht  eingetreten;  genaue  Untersuchung
  ergab  Schieflage,  aus  der  trotz  aller  Bemühungen  eine  Schulterlage
wurde  (also  Querlage).  Nun  versuchte  man  die  äußere  Wendung  auf  den
Kopf  (siehe  Fig.  193  und  194);  es  gelang  jedoch  nur,  die  Einkeilung  der
Schulter  in  den  Beckeneingang  zu  verhindern  und  den  kindlichen  Körper
beweglich  zu  erhalten.  Da  das  Fruchtwasser  vorher  schon  abgelaufen  war,
wäre  bei  eingetretener  Einkeilung  die  innere  Wendung  unmöglich  geworden.
Um  ein  lebendes  Kind  zu  erlangen,  mußte  man  sich  zur  inneren  Wendung
und  Extraktion  entschließen,  obwohl  man  dies  bei  Erstgebärenden  nicht  gerne
tut,  weil  sie  zu  enge  sind  und  starke  Einrisse  davontragen.  Die  Wendung
gelang,  und  auch  das  Kind  kam  lebend  zur  Welt,  aber  die  Frau  hatte
Scheiden=  und  Dammriß  und  verlor  viel  Blut.  Trotzdem  verlief  das  Wochenbett
  sehr  günstig.  Außer  einer  leichten  Temperatursteigerung  am  nächsten
Tag  bis  37,5°  C.  verlief  alles  glatt.  Die  Brüste  füllten  sich,  Appetit  stellte
sich  bald  ein,  die  genähten  Wunden  heilten  tadellos.  Das  Kindchen  hatte
reichlich  mütterliche  Nahrung  und  zeigte  nur  jenes  Armchen  etwas  ermüdet,
das  während  der  Geburt  vorgelegen  hatte  und  stark  gedrückt  worden  war.
Strenge  Diät,  bestehend  aus  Haferschleim,  kalter  Milch,  verdünntem  Heidelbeersaft,
  um  den  Stuhl  vier  Tage  der  Risse  wegen  zurückzuhalten,  darnach