332  Geburtshilfliche  Operationen.

Frau  hätte  nie  mehr  wieder  in  andere  Umstände  kommen  sollen.  Hätte  sie
einen  gewissenhaften  und  liebevollen  Mann  gehabt,  so  würde  dieser  mit  aller
Energie  weitere  Schwangerschaften  verhütet  haben.  Er  war  aber  gleichgültig
und  lebte  nur  sich  selber,  die  Frau  war  nur  zu  seiner  Befriedigung  da.  Sie
mußte  arbeiten,  wenn  sie  sich  wieder  erholt  hatte,  und  ihm  dienen.  Allmählich
hatte  sich  eine  Verwachsung  der  nach  rückwärts  gelagerten  Gebärmutter  gebildet,
und  die  arme  Frau  wurde  zum  vierten  Male  guter  Hoffnung.  Die  Leiden
waren  von  den  ersten  Wochen  an  unerträgliche  —  Kopfschmerzen,  Erbrechen,
große  Schwäche,  Unterleibsbeschwerden  aller  Art.  Wäre  es  möglich  gewesen,
die  Gebärmutter  aufzurichten  und  die  Frau  entsprechend  zu  pflegen,  so  hätte
sie  die  Schwangerschaft  vielleicht  in  erträglicher  Weise  überstanden;  die
Verwachsung  hinderte  aber  die  Aufrichtung.  Im  Hinblick  auf  die  geringe
Lebenskraft  der  Kinder  (zwei  waren  von  drei  als  Säuglinge  gestorben!)  und
die  Leiden  der  Mutter,  die  sie  bei  jeder  Geburt  in  Lebensgefahr  brachten,
konnte  nur  ein  Ausweg  der  richtige  sein:  vorsichtige  Lösung  der  Frucht  und
Verhütung  weiterer  Empfängnis.  Aber  siehe  da!  Es  fand  sich  kein  Operateur,
der  sich  dieser  Aufgabe  unterziehen  wollte.  Die  Frau  war  noch  nicht  elend
genug;  es  mußte  greifbare  Lebensgefahr  vorhanden  sein,  damit  man  sich
berechtigt  glaubte,  in  diesem  Sinne  einzugreifen.  So  blieb  die  Bedauernswerte
sich  selbst  überlassen.  Sie  hatte  zur  Milderung  ihrer  Beschwerden  verschiedene
Wasseranwendungen  gemacht  und  sich  dadurch  Besserung  verschafft.  Nun
trat  Selbsthilfe  ein.  Als  das  Ei  im  vierten  Monat  am  weiteren  Wachstum
in  der  im  kleinen  Becken  eingekeilten  Gebärmutter  verhindert  wurde,  löste  es
sich  von  selbst  ab,  natürlich  unter  zu  großem  Blutverlust  und  langwierigen.
Leiden.  Der  künstliche  Weg  hätte  diesen  vorgebengt  und  weit  rascher  ans
Ziel  geführt,  und  diesen  einzuschlagen  wäre  man  der  geschwächten  Fran
gegenüber  schuldig  gewesen.  Frauen,  die  in  ähnlicher  Lage  sind,  raten  wir,
zwei  vertranenswürdige  Ärzte  aufzusuchen  und  mit  Energie  in  solchem
Krankheitsfalle  die  künstliche  Frühgeburt  zu  verlangen.  Selbstredend  ist  dies
die  Aufgabe  pflichttreuer  Ehemänner,  welche  das  Leben  ihrer  Frauen  zu
erhalten  bemüht  sind.  Je  klarer  und  entschiedener  urteilsfähige  Eheleute
in  solchen  Fällen  handeln,  desto  eher  wird  ein  Grundsatz  in  der  Arztewelt
zu  Fall  kommen,  der  einer  brutalen  Gesinnung  gegen  die  Frau  entspringt
und  in  hohem  Grade  schädlich  für  die  Nachkommenschaft  ist;  er  ist  oft
Ursache,  daß  sieche  Menschen  unter  unsagbaren  Qualen  der  Mutter  ins  Leben
gesetzt  werden  und  so  manche  Frau  in  jugendlichem  Alter  ins  Grab  sinkt.
Wer  sich  nicht  dazu  eignet,  eine  lebensfähige  Nachkommenschaft  ins  Leben  zu
setzen,  der  sollte  davon  fern  gehalten  werden.  Einem  nützlichen  Berufe  zu
dienen,  seinen  Familienpflichten  nachzukommen,  ist  ein  größeres  Verdienst,
eine  wertvollere  Leistung,  als  unter  Gefährdung  des  eigenen  Lebens  und  der
Gesundheit  ein  armseliges  Kind  zu  gebären  und  dann  jahrelang  darnach
als  fast  unbrauchbares  Glied  der  menschlichen  Gesellschaft  mühselig  weiter-