336  Nachgeburt.

wir  die  teilweise  Ablösung  der  Plazenta  samt  den  Eihäuten,  sowie  ihre  vollständige
  Ausstoßung.  Bei  gutem  Geburtsverlauf  und  bei  kräftiger  Gebärmutter
treten  nach  der  Geburt  des  Kindes  so  kräftige  Nachwehen  auf,  daß  die  Nachgeburt
  ohne  jegliche  Unterstützung  in  einer  Viertel-  oder  in  einer  halben  Stunde
geboren  wird.  Erst  wenn  dies  erfolgt,  nimmt  man  die  Reinigung  der  Wöchnerin
vor,  läßt  sie  etwas  genießen  und  fordert  sie  auf,  ein  Schläfchen  zu  machen.
Weder  Blutungen  noch  Schmerzen  treten  bei  gesunden  Frauen  nach  Ausstoßung
der  Plazenta  ein;  vielmehr  freut  sie  sich  der  überstandenen  Mühen  und  darf
erst  jetzt  das  Geburtsgeschäft  als  vollendet  betrachten.  Sofort  legt  man  ihr
einen  Leibaufschlag,  in  frisches  Wasser  getaucht,  auf,  damit  die  Zusammenziehung
  der  Gebärmutter
  durch
den  Kältereiz  kräftiger
  erfolge  und
anderen  Störungen
  vorgebeugt
  werde.  Er
wird  alle  zwei
bis  vier  Stunden
erneut.  Bei  Frostgefühl
  und  kalter
Jahreszeit  sorge
man  für  warme
Bedeckung

(Federbett),  auch
Wärmeflasche  an
die  Füße,  und
Fig.  199.  Der  Credssche  Handgriff  zur  Entfernung  der  Nachgeburt.  verhindere  deshalb

  den  Zutritt
frischer  Luft  nicht,  indem  man  bei  gleichmäßiger  Heizung  immer  eine  Fensterspalte
  offen  läßt.  Die  Gebärmutter-Innenseite,  die  aufangs  aus  einer  großen
Wundfläche  besteht,  da  die  Eihäute  ihr  doch  fest  anhafteten,  zieht  sich  immer
mehr  zusammen,  so  daß  die  offenen  Gefäßröhren  sich  schließen  und  kein
Bluten  mehr  stattfinden  kann.

Zögert  jedoch  die  Nachgeburt,  sei  es  aus  inzwischen  eingetretener  Wehenschwäche
  oder  allgemeiner  Erschöpfung,  dann  wendet  man  den  Credeéschen
Handgriff  an  (siehe  Fig.  199),  der  darin  besteht,  daß  man  den  Grund  der
Gebärmutter  mit  der  ganzen  Hand  umfaßt  und  sie  nach  dem  Kreuzbein  zu
drückt,  um  ihren  Inhalt  gleichsam  auszuquetschen.  Dabei  muß  der  Daumen
auf  ihrer  vorderen  Wand,  die  übrigen  Finger  auf  der  hinteren  liegen,  und
der  Druck  darf  nur  gleichzeitig  mit  einer  Wehe  ausgeübt  werden.  Dieser
Griff  ist,  kräftig  ausgeführt,  schmerzhaft  und  entringt  der  Wöchnerin  meistens