338  Nachgeburt.

vollkommenste  Instrument,  vorausgesetzt,  daß  sie  durch  ein  entwickeltes  Gehirn
  geleitet  wird.

Natürlich  hat  dieses  Verfahren  auch  seine  Gefahren,  wie  alle  Eingriffe
in  die  Leibeshöhlen;  Entzündungen,  Fieber,  Schmerzen  sind  häufige  Folgen
und  darum  ist  es  unverantwortlich,  daß  diese  Art  der  Lösung  vorgenommen
wird,  wenn  die  Plazenta  kaum  zwei  Stunden  zögert.  Nur  als  äußerste
Anwendung,  als  letztes  Hilfsmittel  sei  die  sogenannte  manuelle  Lösung
gestatttt.  Daß  sie  unter  Beobachtung  äußerster  Reinlichkeit  seitens  des
Arztes  ausgeführt  werden  muß,  dürfen  wir  als  selbstverständlich  voraussetzen;
  denn  würde  er  ohne  Bürstung  und  Wasserbad  (in  welchem  am  besten
Sublimatpastillen  aufgelöst  werden)  in  die  Gebärmutterhöhle  eingehen,  so
könnte  er  nur  zu  leicht  winzige  Schmutzteilchen  in  ihre  Wunden  übertragen
und  dadurch  Entzündungen  veranlassen.  Zu  große  Peinlichkeit  des  Arztes
in  dieser  Hinsicht  kann  also  niemals  schaden.

Auch  der  gefährlichen  Nachblutungen  müssen  wir  noch  gedenken,
die  stets  in  der  Nachgeburtsperiode  auftreten.  Mangelhafte  Zusammenziehung
  der  Gebärmutter,  daher  Offenbleiben  ihrer  verletzten  Gefäße,  ist  die
Ursache;  folglich  wird  die  Behandlung  darin  bestehen,  diese  Zusammenziehung
  mit  allen  Mitteln  zu  erreichen.  Unsere  erste  Anwendung  würde  in
der  Massage  des  Gebärmuttergrundes  bestehen,  welche  als  Kreisstreichungen
leicht,  ohne  starken  Druck,  ausgeführt  werden  muß.  Wenn  es  sich  nicht  um
größere  Verwundungen,  wie  z.  B.  nach  einer  Wendung,  handelt,  wird  sie
fast  immer  ausreichen,  um  die  Blutung  zum  Stillstand  zu  bringen.  Ist  dies
nicht  der  Fall,  dann  versucht  man  es  mit  thermischen  Reizen,  indem  man
eine  sehr  heiße  (50°%  C.)  oder  eine  sehr  kalte  Ausspülung  in  die  Scheide
vornimmt,  welche  wohl  schmerzhaft  aber  auch  wirksam  ist.  Kehrt  die  Blutung
wieder,  so  muß  der  Arzt  eingehend  sich  überzeugen,  ob  vom  Mutterkuchen
etwas  hängen  geblieben,  ob  am  Muttermund  eine  größere  Wunde  entstanden,
welche  die  Ursache  der  Blutung  sein  könnte,  oder  ob  ein  Scheidenriß  übersehen
  worden  ist.  Ist  dies  alles  nicht  der  Fall,  dann  ist  nur  Schlaffheit  der
Gebärmutter  da.  Dagegen  wirkt  das  Pinglersche  Sitzbad  vortrefflich.
Dr.  Pingler,  ein  begeisterter  Schüler  von  Prießnitz,  schreibt  in  seinem
Buche  über  „Die  rationelle  Anwendung  des  kalten  und  temperierten  Wassers
bei  Schwangeren,  Kreißenden  und  Wöchnerinnen“  über  das  kalte  Sitzbad
in  der  fünften  Geburtsperiode  folgendes:  „Die  zu  Badende  wird
von  zwei  Personen  aus  dem  Bett  gehoben  und  schwebend  über  die  Sitzbadewanne
  gehalten,  während  dessen  die  Hebamme  ihre  Hände  in  das  Wasser
taucht  und  damit  Unterleib  und  Rücken  der  Badenden  einreibt.  Nun  läßt
man  sie  ins  Bad  nieder;  mehrere  Personen  reiben  kräftig  im  Wasser  Kreuz,
Lenden,  Bauch,  dann  gibt  die  Hebamme  aus  der  Gießkanne  einen  kräftigen
Strahl  abwechselnd  auf  die  Schoß=  und  Lendengegend,  worauf  diese  Teile
wieder  frottiert  werden.  Nach  je  einer  Minute  wird  die  Dusche  von  neuem