Wochenbett.  339

appliziert,  dann  wird  die  Frau  auf  das  Bett  gelegt,  gut  getrocknet  und
erwärmt  durch  Federbetten  und  Frottieren  mit  beiden  Händen.  Rechts  und
links  vom  Bett  setzt  sich  eine  Person,  die  ruhig,  ohne  zu  schütteln  und  die
Dece  zu  lüften,  die  Schenkel  reibt.  Die  Erwärmung  nach  der  starken
Abkühlung  lege  ich  jedem  Arzt  als  dringende  Pflicht  ans  Herz.  Das  Bad
dauert  drei  bis  fünf  Minuten  und  hat  nach  dem  ersten  kleinen  Schreck  stets
Wohlbehagen  zur  Folge,  so  daß  selbst  ängstliche  Wöchnerinnen  ausrufen:
„Ach,  wie  gut!“  Ich  garantiere  jedoch  nicht  für  den  Erfolg,  wenn  das
Wasser  wärmer  als  10°  R.  ist.“  —  So  weit  der  alte,  erfahrene  Wasserarzt.
  Jeder  Vorurteilsfreie  wird  sicher  die  Empfindung  haben,  daß  ein
solches  Sitzbad  unendlich  viel  angenehmer  und  gefahrloser  ist  als  die  Dührsensche
  Tamponade  der  Gebärmutter,  welche  als  letztes  Mittel  gegen
Uterusblutungen  in  den  Spitälern  ausgeführt  wird.  Die  Ausstopfung  der
Gebärmutter  bewirkt  nicht  nur  Stillstand  der  Blutung,  sondern  erregt
wirklich  Zusammenziehung  der  erschlafften  Gebärmutterwände,  allein  sie  ist
auch  sehr  schmerzhaft,  erzeugt  sehr  oft  Fieber  und  gehört  nicht  zu  den
milden  Mitteln.

Daß  die  Nachbehandlung  nach  operativen  Geburten  besonders  vorsichtig
und  sorgfältig  sein  muß,  soll  hier  noch  besonders  hervorgehoben  werden;  die
Gefahr  zu  Nachblutungen  ist  da  besonders  groß.  Arzt  und  Hebamme  haben
noch  stundenlang  nach  erfolgter  Entbindung  bei  der  Wöchnerin  zu  tun,  bis
sie  endlich  nach  längerer  Beobachtung  sagen  können:  sie  ist  außer  Gefahr!

Moöchte  die  vorsichtige  Anwendung  des  Wassers  endlich  siegreichen  Einzug
in  die  Geburtshilfe  halten  und  zum  Wohl  des  weiblichen  Geschlechtes  die
Operationen  zum  Teil  verdrängen.

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Das  Wochenbett.

Das  normale  Wochenbett.  Den  Zeitabschnitt  vom  Abschluß  der
Geburt  bis  zur  vollständigen  Wundheilung  und  Rückbildung  der  durch
Schwangerschaft  und  Geburt  veränderten  Geschlechtsorgaue  nennt  man
„Wochenbett“".  Diese  Zeit  dauert  bis  über  sechs  Wochen,  ist  aber  keineswegs
  mit  Kranksein  verbunden.  Die  gesunde  Wöchnerin  ist  nach  der  Geburt
wohl  ermüdet  und  ruhebedürftig;  außer  einigen  Nachwehen  hat  sie  jedoch
weder  Schmerzen  noch  ernste  Beschwerden.  Wenn  letztere  sich  dennoch  einstellen,
  dann  ist,  sofern  die  Entbindung  eine  leichte  war,  nur  die  falsche  Pflege

im  Wochenbett  schuld.  Wenn  man  sich  diese  und  jene  Krankengeschichte  von
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