340  Wochenbett.

schweren  Wochenbetten  erzählen  läßt,  da  hört  man  allerdings  die  sonderbarsten
Dinge  über  das,  was  einer  Wöchnerin  angeblich  not  tut,  und  das,  was  ihr
schadet.  Auch  in  gebildeten  Kreisen  begegnet  man  noch  großen  Vorurteilen
und  verkehrten  Gewohnheiten.  Unwillkürlich  schweift  der  Blick  ins  Mittelalter
zurück,  und  wir  sehen  im  hochgetürmten  Bette,  in  niedriger,  dumpfer  Stube
—  Luft  und  Licht  schaden  angeblich  einer  Wöchnerin!  —  eine  Fran  in  Federn
schwitzen,  die  sich  in  dem  beneidenswerten  Zustand  einer  Wöchnerin  befindet!

Ein  Wassersüppchen  ist  die  Nahrung  der  Wöchnerin  (das  war  noch  das
beste  in  der  ganzen  Einrichtung),  und  eine  Berührung  der  Haut  mit  Wasser
würde  als  eine  Gefährdung  ihres  Lebens  betrachtet  werden.

Nicht  viel  besser  macht  man  es  heute  noch  in  vielen  Gegenden  mit  ihr.
Anders  dagegen  lehrt  uns  die  fortgeschrittene  Heilkunde,  die  Aufklärung  auf
hygienischen  Gebieten.  Viel  Luft  und  Licht  ins  Wochenbettzimmer,  sofort
kalten  Aufschlag  auf  den  Leib,  der  so  wund  und  ermidet  ist,  kühle
Abwaschungen  des  ganzen  Körpers,  laue  Übergießungen,  Obst  und  Milchdiät;
  kein  Brot,  kein  Fleisch,  keinen  Kaffee  der  Wöchnerin,  bis  die  erste  Woche
vorüber  ist.  Helfen  nötigenfalls  noch  laue  Klystiere  nach,  wenn  der  Stuhlgang
  zögert,  dann  sind  keine  Abführmittel  nötig;  die  Verdauung  wird  vorzüglich.
  Schlaf  und  Stimmung  bleiben  gleichfalls  gut,  und  ihnen  entsprechend
erhöht  sich  von  Tag  zu  Tag  die  Milchabsonderung.  Bei  jeder  normalen
Frau  stellt  sie  sich  ein  und  trägt  wesentlich  zur  Erhaltung  ihrer  Gesundheit
bei.  Sie  versiegt  bei  Fieber,  oder  verzögert  sich  nach  starken  Blutverlusten;
sie  wird  von  Schmerzen  und  Schwellung  der  Brüste  begleitet,  wenn  der
Säugling  zu  wenig  trinkt  und  die  Milchdrüsen  zu  stark  gefüllt  sind.  Wird
dem  Kinde  aus  irgend  welchen  Gründen  die  natürliche,  mütterliche  Nahrung
versagt  —  dies  bedentet  immer  ein  schweres  Unrecht  gegen  das  Neugeborene;
denn  nichts  kann  ihm  den  Genuß  an  der  Mutterbrust  und  die  Vortrefflichkeit
der  Muttermilch  ersetzen  —,  so  leidet  die  Mutter  schwer  darunter.  Die
Schwellung  der  Brüste  nimmt  so  zu,  daß  die  Wöchnerin  die  Arme  kaum
bewegen  kann  und  heftige  Schmerzen  im  Rücken  und  in  der  Brust,  oft  mit
Fieber  begleitet,  eintreten.  Trotzdem  wird  diese  Unterdrückung  einer  natürlichen
  Tätigkeit  auf  Kosten  der  Gesundheit  des  Kindes  so  oft  geübt,  und  nur
mit  Schmerz  denken  wir  an  die  weiteren  Folgen  dieses  törichten,  unverantwortlichen
  Gebarens.

Die  Rückbildung  der  Gebärmutter  ist  gleichfalls  ein  Vorgang
von  größter  Bedentung  für  die  Gesundheit  der  Frau.  Aus  Fig.  176  ist  ihre
Form  und  Größe  unmittelbar  nach  der  Geburt  ersichtlich.  Sowie  die  Nachgeburt
  ausgestoßen  ist,  zieht  sie  sich  zusammen  und  nimmt  allmählich  ihre
ursprüngliche  Gestalt  wieder  an.  Als  große  harte  Kugel  ist  sie  in  den  ersten
Tagen  nach  der  Geburt  durch  die  Bauchdecke  durch  zu  fühlen;  immer  kleiner
wird  sie,  bis  sie  endlich  am  zwölften  Tage  im  kleinen  Becken  wieder
verschwindet.  Die  in  dieser  Zeit  besonders  bei  Mehrgebärenden  auftretenden,