Wochenbett.  311

oft  recht  schmerzhaften  Nachwehen  tragen  zur  Rückbildung  der  Gebärmutter
noch  bei.  Erst  nach  sechs  Wochen  ist  die  Gebärmutter  im  alten  Zustand,
obgleich  etwas  vergrößert,  so  daß  sie  sich  von  einer  jungfräulichen  deutlich
unterscheidet.  Die  gewaltige  Ausdehnung,  welche  die  Gebärmutter  während
der  Schwangerschaft  erleidet,  bleibt  nicht  ohne  Folgen  auf  ihre  Größe
und  Form.

Der  Wochenfluß  (Lochien)  entsteht  durch  die  Absonderungen  der
Wundflächen  der  Gebärmutter  und  erlischt  naturgemäß  mit  der  Ausheilung
der  Gebärmutter;  dies  geschieht  nach  vier  bis  sechs  Wochen.  Er  ist  in  den
ersten  Tagen  nach  der  Geburt  blutig  und  hellt  sich  immer  mehr  auf.  Kräftige
Frauen,  die  nie  unterleibsleidend  waren,  haben  geringen  Wochenfluß;
schwächliche,  die  zu  Blutungen  neigen,  haben  zu  reichlichen  und  zu  blutigen
Abgang.  Bei  guter  Verdauung,  kalten  Leibaufschlägen  und  vorsichtiger
Ernährung  hat  der  Ausfluß  keinen  üblen  Geruch;  es  fehlen  Leibschmerzen,
und  auch  das  Wundwerden  an  den  Geschlechtsteilen  tritt  nicht  ein.

Puls  und  Temperatur  der  gesunden  Wöchnerinnen  zeigen  kleine
Schwankungen,  aber  weder  „Milchfieber“  noch  Herzschwäche  zeigen  sich.

Der  Stuhlgang  ist  in  den  ersten  Tagen  meist  angehalten,  teils  weil
man  schon  vor  der  Entbindung  den  Darm  entleert  hat,  teils  weil  die  Bauchpresse
  kraftlos  ist  und  man  ohnedies  einige  Tage  lang  weniger  genossen  hat.
Bei  fleischloser,  leichter  Diät,  wie  bereits  angegeben,  und  den  anregenden
kalten  Aufschlägen  stellt  sich  der  Stuhlgang  von  selbst  ein,  und  Darmbeschwerden
bleiben  aus.  Das  übliche  Rizinusöl,  das  viele  Wöchnerinnen  so  schwer  nehmen,
ist  ganz  überflüssig,  wenn  man  Apfelmus,  Kirschen,  zarten  Salat  usw.  gibt
und  darmfüllende,  verstopfende  Speisen  vermeidet.  Ist  die  Verdauung  dennoch
etwas  träge,  dann  genügt  ein  warmes  Klystier  mit  Ol.

Ziemlich  einig  ist  man  darüber,  wie  lange  eine  Wöchnerin  nach  der
Entbindung  liegen  soll;  im  allgemeinen  so  lange,  bis  die  Gebärmutter  in
die  kleine  Beckenhöhle  zurückgesunken  ist  und  die  Bettwärme  und  Bettruhe
unangenehm  zu  werden  beginnt.  Dann  drängt  es  die  Mutter  aus  dem
Bette  heraus.  Dies  ist  gewöhnlich  am  achten  bis  zehnten  Tage  der  Fall.
Ist  aber  große  Schwäche  vorhanden,  die  Ruhe  und  Schonung  erheischt,  geht
immer  noch  zu  viel  Blut  ab,  ist  die  Wöchnerin  überhaupt  schwächlicher
Natur,  dann  bleibe  sie  ruhig  so  lange  liegen,  als  ihr  die  Bettruhe  wohl
tut,  und  wenn  es  14  Tage  sind.  Jedwede  Krankenpflege  muß  wohl  von
allgemeinen  Prinzipien  geleitet,  aber  stets  den  Verhältnissen  der  Kranken
angepaßt  werden.

Die  Frage:  Wie  lange  muß  die  Frau  nach  einer  Entbindung
sexuell  geschont  werden?  wird  der  Arztin  oft  gestellt.  Sie  ist  kurz
folgendermaßen  zu  beantworten:  so  lange,  bis  die  Frau  die  alte  Kraft  und  Gesundheit
  vollständig  wiedererlangt  hat.  Bekanntlich  werden  im  allgemeinen  sechs
Wochen  zur  Wiederherstellung  der  weiblichen  Organe  in  Anspruch  genommen;