346  Behandlung  der  Brüste.

Säugling  drei  Monate  damit  gesättigt  werden  kann.  Dies  liegt  teils  an  dem
Bau  des  Milchorgans,  teils  an  dem  Stoffwechsel  der  Mutter,  der  oft  nicht
lebhaft  genug  ist,  um  die  Milcherzeugung  im  Gange  zu  erhalten.  Leider
müssen  wir  es  hier  aussprechen,  daß  die  Zahl  der  Frauen,  die  nach  der
Entbindung  leere  Brüste  behalten  oder  nur  spärlichen  Zudrang  haben,  in
unseren  Städten  immer  größer  wird;  die  Milchdrüse  verkümmert
langsam!  Durch  schädliche  Kleidung  (Korsettl),  durch  falsche  Ernährung
(Fleisch  und  Alkohol),  durch  Untätigkeit
  der  Muskeln  des  Oberkörpers
  sind  wohl  Fettbrüste
entstanden,  nicht  aber  leistungsfähige
  Milchorgane.  Der  Verlust
der  natürlichen  Nahrung  des
Säuglings  aber  bedeutet  Entartung
  der  Nachkommen-=schaft,
  hohe  Sterblichkeit  der
Neugeborenen,  vermehrtes  Siechtum
  und  Krankheit  der  heranwachsenden
  Kinder.  Es  fehlte  die
von  der  Natur  für  sie  bestimmte,
für  ihr  Wachstum  vollständig
ausreichende  Nahrung,  und  sie
mußten  mit  unvollkommen  und
falsch  zusammengesetzten,  künstlichen
  Nahrungsmitteln  vorlieb
nehmen.  (Siehe  Seite  368.)  Von

welcher  großen  Bedeutung  ist  es

Senkrechter  Schnitt  durch  die  Brustdrüse.  7n*m“#  de-  ben  —
Zwei  Drüsen  sind  dargestellt,  welche  mit  ihren  "1  "“  stig  »  .«
Ausführungsgängen  an  der  Warze  neben  den  daß  alle  jungen  Mütter  ihre
Ausführungsgängen  der  übrigen  hier  nicht  dar-  Mutterpflichten  auch  wirklich  nach

gestellten  Milchdrüsen  münden.  Man  sieht  die  ,  »
Anschwellung  der  Milchgänge  (Ausführungs=  allen  Seiten  hin  zu  erfüllen  vergänge)

  kurz  vor  ihrem  Eintritt  in  die  Warze.  mögen!  Wenigstens  soll  man  von

ihnen  sagen  können:  sie  haben
nichts  unterlassen  während  und  nach  der  Schwangerschaft,  um  die  Milchorgane
  zu  kräftigen  und  um  erkannte  Schwächezustände  zu  bekämpfen.  Ist  eine
junge  Frau  dann  dennoch  unfähig  geblieben,  ihr  Kind  zu  ernähren,  dann  ist
sie  wenigstens  nicht  selbst  schuld  daran,  sondern  ihre  Vorfahren.  Vielleicht
hat  sie  einen  trunksüchtigen  Vater  gehabt  (der  Alkohol  zerstört  allmählich
die  Nährfähigkeit  der  Mütter,  wie  statistische  Aufstellungen  beweisen),  schwindsüchtige
  Vorfahren,  syphilitische  Eltern  usw.,  und  ihr  Bau  sowie  ihre  Schwäche
sind  logische  Folgen  der  Lebensweise  ihrer  Vorfahren,  nicht  minder  die  Ursache
der  Lebensunfähigkeit  ihrer  Nachkommen,  die  oft  ihren  Anfang  mit  der

Fig.  201.