348  Behandlung  der  Brüste.

dann  ungenützt  ab;  die  Mutter  erleidet  Schmerzen;  denn  Brust  und  Rücken
schwellen  an,  und  sie  muß  doch  ruhig  zusehen,  bis  die  Fülle  sich  verliert,
wobei  Fieber  und  Schlaflosigkeit  entstehen  und  das  arme  Kind  daneben
fast  verhungert.  Und  alles  nur,  weil  die  Frau  weder  als  Mädchen,  noch
während  der  Schwangerschaft  sich  um  ihre  Körperbeschaffenheit  bekümmerte
und  gleichgültig  allem  Kommenden  entgegensah!

Scheinen  die  Brüste  bei  einer  Frau,  welche  schon  in  anderen  Umständen
ist,  zu  klein,  so  trachte  sie  die  Organe  zu  kräftigen,  indem  sie  diese  täglich

Fig.  204.

Das  dreieckige  Brusttuch.

selbst  massiert  (siehe  Tafel  Nr.  28)  und  täglich  kühle  Waschungen  oder,  wenn
angezeigt,  auch  kalte  Güsse  anwendet.  Größere  Blutfülle,  vermehrte  Widerstandskraft
  der  Gewebe,  Zunahme  des  Umfanges  sind  die  Folge  solcher
Behandlung.  Löst  eine  zarte  Massage  aber  ziehende  Schmerzen  im  Unterleibe
  aus,  dann  muß  sie  unterlassen  werden.  Ein  wenig  Zupfen  und  tägliche
Waschungen  werden  schon  Fortschritte  bringen.

Milchvermehrung.  Viele  junge  und  zwar  besonders  magere  Frauen
haben  oft  erst  am  zweiten  Tage  nach  der  Entbindung  sichtbaren  und  fühlbaren
  Milcheinschuß.  Begreiflicherweise  wird  dann  die  Befürchtung  laut,
daß  sie  zum  Stillen  überhaupt  keine  Befähigung  habe.  Man  lasse  sich  aber
nicht  entmutigen,  denn  bei  richtiger  Behandlung  der  Wöchnerin  erzielt  man
selbst  bei  schwächlichen  Frauen  große  Erfolge.  Man  sorge  sich  auch  nicht
um  den  Säugling,  noch  weniger  führe  man  ihm  schon  einige  Stunden  nach
der  Geburt  Tee  oder  dergleichen  zu.  In  den  ersten  24  Stunden  hat  er
überhaupt  keine  Nahrungsaufnahme  nötig.  Wird  er  dann  unruhiger  und
scheint  das  Schreien  wirklich  von  Hunger  herzurühren,  dann  gebe  man  ihm