Behandlung  der  Brüste.  349

etwas  Milchzucker  in  lanem  Wasser,  und  lege  ihn  alle  zwei  Stunden  an  die
mütterliche  Brust,  auch  wenn  sie  leer  scheint.  Das  häufige  Saugen  regt  die
Milcherzeugung  an,  und  wenn  der  Säugling  auch  nur  kleine  Mengen  derjenigen
  Flüssigkeit  der  Brustdrüse  erhält,  die  sich  aufänglich  in  jeder  Milchdrüse
  nach  Beendigung  der  Schwangerschaft  bildet  (sie  heißt  colostrum),  so
ist  dies  für  ihn  sehr  wohltätig,  denn  sie  wirkt  reinigend  auf  seine  Verdauungsorgane.
  Ferner  gebe  man  der  Wöchnerin  nach  dem  ersten  Schläschen
sofort  ein  warmes  und  nährendes  Getränk,  das  man  in  Notfällen  auch  alle
zwei  Stunden  reichen  kann.  Die  Wirkung  ist  oft  überraschend,  allerdings
voransgesetzt,  daß  der  Wöchnerin  der  Schlaf  nicht  fehlt.

Wie  schon  an  anderer  Stelle  erwähnt  wurde,  ist  der  Genuß  warmer
guter  Kuhmilch  das  beste  Nahrungsmittel,  um  auch  der  Mutter  reichlich
Milch  zu  schaffen.  Macht  sie  jedoch  lästige  Verstopfung  oder  wird  sie  nicht
gerne  getrunken,  dann  vermische  man  sie  mit  gutem  Gerstenkaffee,  den  man
noch  genügend  verfüßt,  und  trinke  diesen  mehrmals  täglich.  Auch  Schmeitzners
Nährsalz-Kaffee  ist  sehr  zu  empfehlen,  da  er  auregende  mineralische  Bestandteile
  enthält.  Warme  Getränke  bewirken  das  sogenannte  „Einschießen  der
Milch“.  Auch  Schrotmehl=  und  Wurzelsuppen  und  warme  Obstlimonaden
sind  wirksam  und  für  die  Verdauung  sowohl  wie  für  die  Ernährung  vorteilhaft.
  Im  weiteren  Verlauf  des  Wochenbettes,  besonders  nach  gutem
Verlauf  der  ersten  vier  Tage,  genieße  die  Stillende  leichte  Mehlspeisen  und
reichlich  zarte  grüne  Gemüse  und  Obst,  wobei  sie  nur  blähende  und  sauere
Sorten  vermeiden  muß,  wozu  beispielsweise  alle  Kohl=  und  Retticharten  in
erster  Linie  gehören.  Fleisch,  Bier,  Wein,  Essig,  Gewürze  sollte  sie  in  dieser
Zeit  niemals  genießen;  denn  je  ungestörter  ihre  Verdaunng  ist,  desto  reiner
bleiben  ihre  Körpersäfte,  und  je  besser  diese  beschaffen  sind,  desto  vollkommener
  ist  ihre  Milch,  und  desto  besser  muß  das  Kind  an  ihrer  Brust
gedeihen.  Auch  Kohlarten,  Rettiche,  Rüben  werden  anfangs  schlecht  ertragen.

Man  hat  beobachtet,  daß  vegetarisch  lebende  Mütter  viel  bessere
Ammen  sind  als  fleischessende;  man  betrachte  nur  die  verwöhnten  Frauen
der  höheren  Stände,  wie  selten  sie  fähig  sind,  ihre  Kinder  zu  stillen  und
wie  schlecht  häufig  ihre  Milch  ist.  Da  müssen  dann  fremde  Landfrauen
aushelfen  und  als  teuer  bezahlte  „Ammen"  den  zarten  Sprößling  retten.
Seine  Mutter  wurde  überfüttert  mit  ausgesuchten  Nahrungsmittelu  und  besonders
  mit  „kräftigendem“  Fleisch  und  leistet  dennoch  so  wenig!  Sie  soll
uns  als  abschreckendes  Beispiel  dienen.  Doch  müssen  auch  vegetarisch  lebende
Mütter,  wenn  sie  schwächlich  sind,  in  der  Wahl  ihrer  Speisen  sehr  vorsichtig.
sein  und  sollen  mit  ärztlicher  Beratung  nicht  zögern,  wenn  sie  Schwierigkeiten
haben,  da  sie  gar  nicht  imstande  sind,  ihre  Zustände  immer  richtig  zu  beurteilen.

Milchvertreibung.  Nicht  so  selten  kommt  es  leider  vor,  daß  wir
auch  mit  dem  umgekehrten  Fall  zu  rechnen  haben,  nämlich  mit  übervollen
Brüsten  und  dem  versagenden  Kinde.  Unter  Umständen  haben  kräftige  Frauen